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Die Welt · 1902-02-28 · 9 (28.2.1902) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
9 (28.2.1902)
Article
[Ohne Titel] / Goldberg, J. L.
Date
1902-02-28
Page
8 (sequence 1)
Language
German
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Seife £ jm '^L;WeÜ* Nr.3 Anregungen für den Nationalfonds. WiIna, den 11. Februar 1902. Mit Gegenwärtigem erlaube ich mir, Ihnen nachstehende zwei Anträge zu unterbreiten: 1. Nach meinem Dafürhalten wäre es recht und billig, unter den Zionisten als gebürenden Usus empfehlend einzuführen, dass sie bei ihrer C orr esp ondenz mit unserenGesinnungsu n d S t a m m e sg e n o s s e n jedem Schreibstücke eine von dem »N a t i o n a 1 f ö n d'sa herausgegebene Marke a u f k 1 e b e n, durch welche Einführung der Ertrag des Nationalfonds sich selbstverständlich bedeutend vergrössern würde. 2. Ferner sollte von tonangebender Seite die Sitte in Schwang gebracht werden, dass jedes reiche Brautpaar zugunsten des 5JNa tion alf on dsa die Summe von I 10 spenden sollte, um dagegen zur denkwürdigen Erinnerung in das „Goldene Buch" ihren Namen eintragen zu lassen. Mit Zionsgruss hochachtungsvoll J. L. Goldberg. « Der Jüdische Nationalfonds. Das goldene Buch. Rachel und J. L. Goldberg, Wilna 10 Pfund Sterling. Wd^Sbrörfk* - „Ein Land ohne Volk." Im Londoner »Cosmopolitan Club" sprach vor kurzem O d s c h i d s c h a t e k h a B a r n t- S e r o, ein Indianer aus Obercanada, der dem Irokesenstamme angehört. Brant-Sero gab zuerst ein Bild ihrer alten Organisation und beklagte, dass von seinem Stamme nur ein kleiner Ueberrest geblieben, aber dieser Ueberrest sei jetzt im Wachsen begriffen. Von ihrem ursprünglichen Landbesitze seien ihnen nur 53.000 Acres geblieben, die sich aber in blühendem Zustande.befinden. Der Grund und Boden ist Gemeineigenthum des Stammes, obwohl manche der Mitglieder, die den verschiedenen christlichen Secten angehören, dem gemeinschaftlichen Besitze durchaus nicht freundlich, gegenüberstehen. Aber die grosse Mehrheit der Genossen ist für dieses System, da sie einsehen, dass es jedem von ihnen ein Heim und ihren künftigen Geschlechtern eine unabhängige Existenz sichert. Das Beispiel der Juden — eines Volkes ohne Land-—wirke abschreckend! Die Colonisation Argentiniens. Wie „Hameliz" berichtet, ist eine Gruppe von Auswanderern aus Libau (Kurland), die im December vorigen Jahres von der „Ica" nach Argentinien verschifft wurde, vor kurzem dort angelangt. Die Gruppe umfasst 29 Familien mit 202 Seelen. Es sind für sie Bodenparcellen in der Nähe der Colonie, M o i s e sville angeschafft worden. — Man kennt die Erfolge der Colonisations-Thätigkeit der „Icaa in Argentinien zur Genüge. (Vergleiche die Ausführungen Zangwills in Nr. 8 unseres Blattes.) Betonung und Betätigung. In der jüngsten Mittwoch-Sitzung des österreichischen Parlamentes sagte ein Czechenführer zu den deutschen Parteien : „Die Herren von der Linken sind am wenigsten verfassungsfreundlich. Die Grundsätze der Gleichheit und Freiheit stehen nur auf dem Papier. Mit Ausnahme des Abgeordneten A u s p i t z ist kein Mensch auf der linken Seite des Hauses, der für die religiöse Gleichheit einsteht Sie sind alle Antisemiten durch und durch* Die Linke zer-: fällt in drei grosse Antisemitengruppen : die einen sagen, man muss den Antisemitismus betonen und auch bethätigen. Das sind die Wiener Antisemiten. Die Deutschnationalen und Deutschradicalen sagen: Man muss den Antisemitismus betonen, bethätigen muss man ihn nicht. Und* die Liberalen erklären: Man muss den Antisemitismus bethätigen, betonen darf man ihn nichts (Schallende Heiterkeit.) Damit sägt der Redner uns nichts Neues. Doch hat er sich eine crasse Unrichtigkeit geleistet. Die Deutschnationalen, und.Radicalen betonen nicht nur, sondern bethätigen auch den Antisemitismus mit Conöequenz und wetteifern darin thatkräftig mit den anderen Parteien — auch mit den Czechen. Eine jüdische Secte in Hongkong. Wie der „Hazefirah" aus Hongkong geschrieben wird, existiert in dieser Hafenstadt eine zahlreiche Secte, deren Angehörige von arabischem Typus sind und von den Chinesen „Wi-du* genannt werden. Ihre Frauen zeichnen sich durch Sauberkeit, Fleiss und sittliches Betragen aus. Die Männer sprechen untereinander spanisch, jedoch werden die Kinder auch im Chinesischen und Persischen unterrichtet, der Unterricht erfolgt aber nicht in Schulen, sondern jeder Familienvater unterrichtet seine Kinder selber. Sonst unterscheiden sie sich in Kleidung, Sitten und Gewohnheiten nicht von der umgebenden chinesischen Bevölkerung, und das einzige Jüdische an ihnen ist, dass sie am Sabbath, an dem sie wie an jedem anderen Tage arbeiten, ein Festgewand anlegen und am Rosch haschanah und Sukkoth Schofar blasen. Im Gegensatze zu den Chinesen kennen sie keine Polygamie; ebensowenig ist ihnen die Scheidung bekannt, da bei ihrem musterhaften Familienleben die Notwendigkeit derselben niemals vorliegt. Das jüdische Einwanderer-Asyl in London veröffentlicht seinen Jahresbericht, aus dem hervorgeht, dass die Zahl derjenigen, welche in der Anstalt Obdach gesucht haben, im letzten Jahre eine wesentliche Zunahme erfahren hat, und zwar um 650 Russen und Rumänen, Die dem Berichte beigegebenen Tabellen beweisen unwiderleglich, dass die Emigranten, welche das Heitt* in Anspruch genommen haben, keineswegs zum „arÄen Gesindel", zu den „Entblössten und körperlich Minderwertigen" gehören,, wie vielfach behauptet #ird. Von den 2350, welche im Heim Aufnahme fanden, waren 2161 aus Europa und 289 aus anderen Ländern herübergekommen. Davon haben 1334, das heisst 57 Procent, England sofort wieder verlassen; 1097 giengen nach Südafrika, 87 nach Amerika und 3 nach anderen Ländern, während 147 repatriiert wurden. Aber selbst von den 1016 Einwandern, welche in England bleibeil wollten, ist ein sehr erheblicher Theil nachweislich nach einiger Zeit weitergewandert. Ueber den Beruf der 2350 Einwanderer wird angegeben, dass 1632 in ihrer Heimat einen ständigen Erwerb hatten, und dass von den. übrig gebliebenen Berufslosen 359 Frauen und Kinder waren. Der gegenwärtig hier so vielfach gehörte und als Vorwand für den Kampf gegen die Fremden-Einwanderung ausgespielte Vorwurf der Berufslosigkeit, trifft also nur für 15 Procent aller Einwanderer zu. Der Gesundheitszustand der Immigranten war so vortrefflich, dass während des ganzen Jahres im Asyl kein einziger Erkrankungsfall vorgekommen ist, trotzdem die Insassen desselben eine lange Seereise hinter, sich hatten. Dadurcli wird auch das Gefasel von der „körperlichen Minderwertigkeit", mit welchem d|e Anti- Alienisten gegen die fremden Einwanderer agitieren, ad absurdum geführt. Endlich enthält der Bericht sehr interessante Tabellen über das Alter der Einwanderer, aus denen hervorgeht, dass 71 Procent unter ihnen weniger als 30 und 85 Procejit unter 35 Jahre waren, In der am 29. December v. J. abgehaltenen Generalsammlung des Asyls erklärte der Vorsitzende Herr Hermann La n d a xt, dass die englischen Juden gar nichts dagegen hätten, wenn das Parlament sich mit der; Fremdenfrage eingehend beschäftigen würde, da dadurch die von den „britischen Brüdern"' ver-

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