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Die Welt · 1902-02-28 · 9 (28.2.1902) · p. 2

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
9 (28.2.1902)
Article
Die Geschicklichkeit unserer Gegner
Date
1902-02-28
Page
2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 „Die & Weltu damit herabzusetzen. Auch scheinen sie es darauf abgesehen zu haben, durch ihre aufreizenden Bemerkungen die Führer unserer Bewegung zu verfrühten Mittheilungen aufzustacheln. Diese redliche Bemühung mögen sie wieder einmal als gescheitert ansehen. Wir fragen jedoch: Glauben dik Herren im Ernste, dass das Maschengeflecht ihrer Geschicklichkeiten ewig vorhalten wird? Und wäre es nicht ehrender für sie, dieses verstrickte Gewebe beizeiten entzweizuschneiden, ehe es von selbst in Fransen geht? Unser Optimismus lässt uns die Hoffnung nicht aufgeben, dass unsere Gegner zur Einsicht kommen werden. Sie werden einsehen müssen, dass das Ungeschickteste, was sie thun können, das Ausharren bei ihren Geschicklichkeiten ist. M. Z. Der Zionismus in Canada. Montreal, den 10. Februar 1902. Die Berichte über die Fortschritte des Zionismus in Canada sind sehr ermuthigend. Vor kurzem machte Mr. ClareneeJ. de Sola, der Präsident der zionistischen Föderation in Ganada, eine Rundreise durch die sämmtlichen Provinzen Canadas und hielt Versammlungen ab, die stark besucht waren, um unsere Bewegung über das ganze Land zu verbreiten. In Toronto sprach de Sola in einer der grössten Versammlungen, die je in dieser Stadt stattgefunden, und zu der auch viele Andersgläubige, die mit unseren Bestrebungen sympathisieren, kamen. In seiner ausgezeichneten Rede beleuchtete Mr. de Sola in wahrhaft meisterhafter Weise alle Argumente, die für die zionistische Bewegung sprechen, und beantwortete schlagfertig alle Einwände, die von einigen erschienenen Opponenten erhoben wurden. Er sagte, dass die Nicht-Zionisten entweder solche Leute seien, die unfähig sind, die Bewegung i$ ihrer Bedeutung zu erfassen, und daher aus reiner Unkenntnis Opposition machen, oder solche Leute^ welche im Laufe der vielen Jahre taub gegenüber den jüdischen Traditionen geworden sind und für nichts anderes als ihre egoistischen und materialistischeii Endzwecke Interesse haben. Er nannte charakteristisch diese Leute „feigherzige Assimilanten", die die todten Zweige der hebräischen Rasse seien, wo der Rest Israels, „Schearis Jisroel", stets treu der jüdischen Tradition und dem jüdischen Empfinden verbliebe; von den letzteren erwarte. die Nation ihr Heil, und von ihnen komme auch die .Erlösung und die Regeneration, die der Zionismus bringe. Er bat seine Hörer, nicht bloss materiell die Jüdische. Colonialbank und die anderen finanziellen Institutionen zu unterstützen, sondern auch alles übrige, was den Stolz unserer Rasse und unserer Vergangenheit bildet, und sich besonders des Geschichts- und Literaturstudiums unseres Volkes zu befleissen. Mr. de Solas Ausfuhrungen wurden mit Enthusiasmus aufgenommen und durch wahre Beifallssalven ausgezeichnet. Das praktische Resultat dieser Rede zeigte sich darin, dass einige hundert neue Mitglieder für den jüdischen Männer- und Frauen-Verein Torontos gewonnen wurden. Weiters besuchte noch de Sola London und Ontario, wo grosse Meetings abgehalten wurden, die viel zur Kräftigung unserer Bewegung beitrugen. Von grossen Erfolgen war die Rede de Solas in Brandon, einer;^Präriestadt Manir toba's, begleitet; hier wurde nämlich ein neuer zionistischer Verein gegründet, der schon jetzt sehr viele Mitglieder zählt. Auch in die maritimen Provinzen Canadas trug de Sola unsere Bewegung, so nach Glace-Bay, Cape Breton. Viele Mitglieder dieser zionistischen Vereinigung sind jüdische Bergarbeiter Rumäniens, die, aus ihrer ungastlichen Heimat vertrieben, hier ein neues Heim und lohnende Arbeit gefunden haben. Sie kommen hier gut vorwärts und leben glucklicher als in Rumänien, wo sie verfolgt wurden. Es ist aber charakteristisch für diese fleissigen jüdischen Arbeiter, dass sie, trotzdem sie hier erst kurze Zeit wohnen, doch schon eine starke zionistische Organisation errichtet haben. . . M. S h e r m a n n. Ahlem. Von Dr. Walter Friedemann. Aus allen Ländern der Erde steigt ein voller, kräftiger Hauch auf, belebend und erwärmend! Er lässt die Bewohner froh und stark werden. Würde er ihnen genommen, so müsten sie verdorren wie das Gras. Das wissen sie auch, und sie lieben den Erdgeruch, in dem ein unerklärbares Etwas ist, das sich ins Herz schleicht und dort Wurzeln schlägt. Dieses Geheimnisvolle zieht den Menschen immer wieder zurück zu seiner Scholle, lässt ihn sie nie vergessen, und wären auch zwei Jahrtausende verstrichen. Jedes Volk zieht Kraft aus der Mutter Erde wie Antäus,. als, er sie berührte. Herkules hob deshalb den Riesen in die Luft* dass er den Boden unter den Füssen verlor. So wurde der Starke schwach. Wie Antäus sind wir schwach geworden, weil man uns von unserer Mutter trennte. Und wollen wir nicht im Ringen mit Uebermächtigen unterliegen, so müssen wir wieder zurück auf den Boden der Väter. Gewaltig ist die Idee des Zionismus, aus dem handeltreibenden Volke wieder ein Volk der Landarbeiter zu machen. „Nimm Hack' und Spaten, grabe selber, Die Bauernarbeit macht dich gross/' Sollte das letzte Ziel nicht erreichbar sein, wie unsere Gegner uns weisniaehen wollen, so müsste das Streben, unser Volk des Erdsegens theilhaftig werden zu lassen, doch fortbestehen. Lieber in fremdem Lande, als gar nicht das Erdreich brechen. Hindern aber den Juden an der Bearbeitung des Bodens nicht seine Schwäche, sein Widerwille gegen körperliche Arbeit und die Sucht, grosse Reichthümer auf dem bequemen Wege des Handels anzusammeln? Wie wenig die Untugenden, die man unserem Stamme andichtet, ihm in Wirklichkeit eigen sind, beweisen unsere braven Colonisten.- Sie lehren, dass alle Fehler, die zur Eigenart der Rasse angeblich gehören, dass der körperliche wie moralische Niedergang durch das natürliche Mittel leicht wieder zu beseitigen ist: durch Rückkehr zu der Natur, aus der man uns mit niederträchtiger Berechnung Jahrhunderte verbannt hat. Hier liegt die wundervolle Aufgabe des Zionismus. Aber die Colonien sind fern, und nur der Augenschein überzeugt die Kleingläubigen. Der aber ist häufig gegen den Juden, denn, der jüdische Handwerker versagt oft. Die Schlüsse, die viele aus persönlichen sehlechten Erfahrungen ziehen, sind jedoch Trugschlüsse, wie gezeigt werden soll. Was ein Jude wirklich zu leisten, vermag, wenn er von Kindesbeinen an in der richtigen Obhut ist und nicht durch Missgunst und Hass zum Heloten herabgedrückt wird, das kann man auch bei uns in Deutschland sehen. Als ich mich vor einiger Zeit zwecks einer Versammlung in Hannover befand, war der Vorstand der Ortsgruppe so freundlich,, meinen Besuch in der von Herrn Consul Simon begründeten Israelitischen Erziehungsanstalt in Ahlem anzusagen. Ahlem ist mit Hannover durch eine elektrische Bahn verbunden. Am Endpunkte derselben erwartete mich einer der Zöglinge, um mich nach der Anstalt zu führen. Das bescheidene und doch sichere Auftreten des Dreizehnjährigen, der an Strammheit der Umgangsformen hinter keinem preussischen Cadetten zurückblieb, setzte mich in Erstaunen. Als ichabe» dis anderen Zöglinge kennen lernte, zeigte sich, dass dieser durchaus keine Ausnahme bildete. Streng werden sie alle gehalten, aber nicht sinnlos gedrillt. Einfachheit, körperliche Arbeit, die der geistigen Anregung nicht entbehrt, Disciplin und nicht zum wenigsten wohlwollende Freundlichkeit sind die Leitmotive der Erziehung. Diese wird aber nicht an solche gewendet, die durch Freunde oder schlimmer, durch die eigene Familie verdorben sind. Durch, die Gewöhnung von Jugend auf wächst ein Geschlecht heran — stark an Leib und Seele. Das Interessanteste ist dabei, dass die Zöglinge nicht etwa nur einem Lande entstammen, sondern dass die heterogensten Elemente sieh zusammenfinden. Von Lehrlingen befinden sich zur Zeit in der Anstalt 25 deutscher Staatsangehörigkeit, 10 Oesterreicher, 3 Russen, 7 Rumänen und 1 Schweizer. Sie alle haben sich gleichmässig prächtig entwickelt, sie alle wohnen in grösster Eintracht beieinander, lebendige Beweise für die Lebenskraft des «geschmähten jüdischen . Stammes. In welches Land der

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