Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 8 (21.2.1902)
- Article
- Olmütz [Nachricht] / E. Z.
- Date
- 1902-02-21
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 8 ,Dle # Welt61 Seite 11 liessen, bewog den „Olmützer Jüdischen Turnverein", für Donnerstag den 13. d. M. eine Agitationsversammlung einzuberufen, in der die Referenten Ing. Lerner und Jurist Barth die „Dankbarkeit" der Deutschen und den Castratensinn des heimischen Assimilantenpacks aufs schärfste geisselten. Die zahlreichen Neumeldungen sichern dem Jüdischen Turnverein eine schöne Zukunft. --Indessen tröstet sich der Cultuspräses Herr Dr. Jakob Eben mit der Verteidigung antisemitischer Matadore ä la Zahnarzt Kubicki gegen jüdische Beleidigte. E. 2. Paris. Samstag den 25. Jänner erstatteten die Herren Dr. MaxNordau und Dr. Alexander Marmorekim Saale L a n c r y Bericht über den fünften Zionisten-Congress. Die Beferenten legten vor dem überaus zahlreich erschienenen Publicum die Arbeiten und wichtigeren Beschlüsse des Gongresses dar und erörterten die Schlussfolgerungen, die sich aus den Verhandlungen des Congresses ergeben. Krakau. („Przedswit-Haschacha r".) Wahl des neuen Ausschusses. Gewählt wurden die Herren : cand. med. H. Hilfstein, Präses; cand, jur- J. Zimmermann, Vice-Präses; cand. jur. S. Vogler, Secretär; J. Nehmer, Cassier; J. Margulies, Bibliothekar; cand. jur. M. Leser, Oekonom; cand. phil. D. Marguli es, Zeitungsverweser. Nach der Generalversammlung fand ein Commers statt, um von dem abreisenden bisherigen Präses Dr. W a h r h aft i g Abschied zu nehmen. Stanislau. Der Verein zionistischer Handelsangestellten „Achwa" veranstnltete Samstag den 25. Jänner d. J. im Saale des Vereines „Erez Israel" eine Chamischa Assar-Feier. Nach Absingung eines Psalmes durch den Chor eröffnete Präses Salomo G 1 a s s die Feier. Hernach wurde ein Duett von den Herren Simon Kessler und J. Grob vorgetragen. Herr N. Horowitz spielte ein Violinsolo. Es declamierten: Herr Gikel in Jargon. Herr A. Weinsaft deutsch und Herr Tabak hebräisch. Herr Dr. Schur hielt die Festrede. Zum Schlüsse gelangte das Stück „Die Grossmutter mit ihrem Enkel" zur Aufführung, welches von den Herrn Raubvogel, G r o b und anderen gespielt wurde. Zloczöw. Auf Initiative der Herren B P u n d y k, M. S c h n e e und S. W i d e r h o r n Volksabend des hiesigen Zions-Vereines zu Ehren des V. Congresses im Miczkiewiez- Saale. Die Feier eröffnete (hebräisch) Heu* F. Wasch itz. Festrede: Herr L. Reich. Hebräische Declamation: Herr ß. Z i e m a n d. Jargon-Declamation : Herr M. Scho r r. Herr A. Weinstein sang in Begleitung des Vereinschores unter Leitung des Herrn ß. Lehrer die Hymne „Od lo äw'dä4' und Herr VV. Rosen das Lied „Dort, wo die Oder41. Schliesslich wurde ein Dialog aus „Bar-Kochba" aufgeführt, wobei sich die Herren J.S chärfundH. Stachel hervorthaten. Um das Gelingen haben sich die Herren W. Grütz, M. Kupfer w asser und M. Kapise verdient gemacht. Kamionka mala bei Kolomea. Samstag den 18. Jänner hielt hier Herr J. H. Gelbard einen zionistischen Vort. ag unter grossem Beifalle. Alle Juden der hiesigen Gemeinde entrichteten den Schekel und verpflichteten sich weiter hin, die Parteisteuer zu leisten. München. Am 16. Jänner hat sich eine zionistische Ortsgruppe gebildet, der zunächst 40 Mitglieder beigetreten sind. Der „Jüdische Studentenverband an der Münchnertechnischen Hochschule" hat derselben in freundlicher Weise sein Lesezimmer zur Verfügung gestellt, ferner die Theilnahnie am Geschichtscurs den Herr Dr. Kahn abhält, und am hebräischen Spracheurs, den Herr M a t h e s leitet, gestattet.Es wurde eine fünfgliedrige Commission gewählt, die Vorschläge betreffend die Propaganda zu machen, beziehungsweise geeignete Schritte vorzubereiten hat. Provisorischer Vorstand: Herr Dr. Kahn Versitzender. Her/ sind, techn. Brief, Cassier, Herr stud. jur. N o t hm a n n, Schriftführer. Königsberg i. Pr. Am 18. Jänner fand im Hotel Epstein ein Zionisten-Abendstatt. Unser Delegierter Herr Referendar Abrahamsohn referierte über den V. Zionisten- Congress. Daran schloss sich ein Vortrag des Vorsitzenden des „Akademischen Vereines Heizl" Julius L e w i t a n. Eine anregende Discussion schloss den officiellen Theil des Abends ab. Am Schlüsse brachte Herr .stud. phil. Leo M a j o f i s das Zionslied „Hatikwah" („Die Hoffnung") zum Vortrage. Jung-Juda. Motto: Erhebe Dich aus Deinem Staube, Gefesseltes Jerusalem, Streif ab die Sclavenkette, G^fang'ne Tochter Zion. (Klagelieder.) Von Freiheit tönt's, von Zion schallt's! Von Bergen flammt's, durch Thäler hallt's: Jung Juda ist erstanden!! Durch alte Ghettomauern dringt's, Durch alte Ghettogassen klingt's: Entraffet Euch den Banden!! Der Wald vernimmt's, die Woge lauscht, Die Felswand dröhnt, die Ceder rauscht: Noch Jebt der alte Glaube. Die alten Gräber sprengt's mit Macht, Die Todten entsteigen der schaurigen Nacht. Erhebt Euch aus dem Staube! Wie Sturmwind braust's, wie Donner rollt's, Wie Brandung tost's, wie Welle grollt's* Hör's, Jude, wanderaiüder! Rieht' die geborst'nen Säulen auf Und schreib* in Flammenlettem d'rauf: Das Volk will heimwärts wieder. Wien, November 1901. Hugo Zuckermann. Moses. Eine Vorlesung von Henry George.*) ......Die neueste Schule der Bibelforschung behauptet, dass die Moses zugeschriebenen Bücher und Satzungen in Wirklichkeit Producte eines Zeitalters seien, das weit hinter dem Propheten liegt. Dennoch ist es dieser Moses, der unbestimmt aus grauer Vergangenheit aufragt, und von dem sie uns fast nichts zu sagen wissen, welchem sie die Keime jener Cultur zusehreiben, die nach Jahrhunderten zu der Humanität des jüdischen Gesetzes und zu der erhabenen Auffassung eines einigen und ewigen Gottes hinführt. Auch die schärfste Kritik versucht nicht Moses in eine Mythe aufzulösen. Die Thatsaehe des Exodus setzt einen solchen [Führer voraus. Wahrlich, es erfordert einen riesenhaften Charakter, einen Mann, "welcher im höchsten Grade die Eigenschaften des Politikers* Patrioten., Philosophen und Staatsmannes in sich vereinigt, um ein lange durch Tyrannei unterdrücktes Volk zur Freiheit zu führen, um eine zahlreiche Schar zu diseiplinieren *) Aus dem Heft VII. der von Adolf Danaschke herausgegebenen „Socialen Streitfragen" : „Moses. Eine Vorlesung von Henry George." (Berlin, Verlag von J. Horrwitz Nachfolger S. VV. Friedrichsir. 16.) Der berühmte Verfasser von „Fortschritt und Armut" („Progress and Poverty"), Henry George, ein seif made man reinsten Wassers, erfasst mit bewunderungswürdigem Scharfsinn den Charakter Moses' um seine socialokonomische Gesetzgebung. Der grosse Amerikaner interpretiert mit gesundem historischem Gefühle die geschichtliche Persönlichkeit Moses' die ihm kein Mythos ist. In einigen Strichen charakterisiert er die jüdische Staatsform, dieses Schulbeispiel eines theokratischen Staatswesens, das dem innersten Kerne nach der ägyptischen Staatsform, die sich auf Despotie und Gottesgnadenthum aufbaut, conträr engegengesetzt ist. Hier Sclaverei und Unterdrückung, dort Freiheit und Unabhängigkeit; hier Schutz des Eigenthums, dort Schutz der Menschlichkeit; hier Kastenthum und Unebenbürtigkeit, dort Gleichheit und Brüderlichkeit. Henry George hat den ethisch-socialen Ausbau der mosaischen Gesetzgebung, die zuerst und einzig die Frage des Grundbesitzes durch Einführung des Sabbath- und Jubeljahres gelöst und das unbedingte Besitzrecht auf Grund und Boden verworfen hat, begriffen und in knappen Worten die sociale Seite des Judenthums interpretiert.