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Die Welt · 1902-02-21 · 8 (21.2.1902) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
8 (21.2.1902)
Article
Die moderne Agrarfrage [Rezension]
Date
1902-02-21
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 „Die # Weit" Nr. 8 socialistischen Doctrin vor uns, der nicht nur die Kreise der Socialpolitiker, sondern das ganze gebildete Publicum lebhaft interessieren muss. Einige Neuerscheinungen des Charkower Verlages „Ulej" liegen uns vor. In erstei Beihe sind die drei Lieferungen der in unbestimmten Zwischenräumen unter dem Titel „Der Bote Zions" erscheinenden Sammelschrift zu nennen. Die Kedaction dieser Sammelschrift liegt in den bewährten Händen unseres ausgezeichneten Gesinnungsgenossen Dr. Schlaposchnikoff. Es liegen uns noch viele andere Broschüren desselben Verlages vor, die den gemeinschaftlichen Titel: „Diezionistische Bibliothek" tragen. Wir müssen aber leider constatieren, dass der Verlag in der Auswahl seiner Publicationen nicht immer streng und vorsichtig g^nug vorgeht. Es macht fast den Eindruck, als ob der Verlag alles erscheinen lässt, was nur irgendwie mit einem jüdischen Thema in Beziehung steht. So können wir zum Beispiel die Herausgabe der „Berichte über den L, IL,III. und IV. Congress" von Dr. Schlaposchnikow, dann auch der „Zionistischen Lieder" von Ch. Singer für gelungen und zweckmässig halten; wir können uns auch mit der Herausgabe der kleinen Erzählung: „Der Aufklärer" von D. B ro j do einverstanden erklären, wiewohl vom künstlerischen Standpunkte vieles gegen sie einzuwenden wäre. Ganz unbegreiflich bleibt uns aber, wie sich der genannte Verlag zurHerausgabe deshistorischen Dramas „Moses" entschließen konnte. Vergebens würde man in diesem Drama dichterische Kraft, historische Wahrher, psychologisches Verständnis oder Lebenswahrheit der wirkenden Persouen suchen. Selbst Moses, dem das Drama seinen Namen verdankt, diese überragende historische Gestalt, erscheint bald als ein verächtlicher Feigling, bald als ein schlauer Zauberer, niemals aber als der geschichtliche Moses, als d^r Erlöser eines unter Sciavenfesseln seufzenden Volkes. Ausserdem könnte das Drama ebenso gut „Korach" oder „Josua" betitelt sein, denn diese Nebenpersonen werden im Drama mit derselben Aufmerksamkeit und Ausführlichkeit-charakterisiert, wie die Hauptperson Moses. Es bleibt uns nur noch übrig, ein paar Worte über die jüngste Publication des Verlages zu sagen, über die „Nachrichten vom V. Zionisten-Congress". Es sind uns bis jetzt das 1., % und 3. Heft dieser „Nachrichten" zugekommen. Durch ihre Ausführlichkeit und Genauigkeit übertreffen diese „Nachrichten" sämmtliche bis jetzt in der russisch-jüdischen Presse erschienenen Berichte über den V. Congress. Doch weisen sie vielfach stilistische Sorglosigkeit und Verstösse gegen die Sprache auf. Eine strengere Auswahl der Verlagsschriften und eine aufmerksamere Redaction wäre also das Einzige, worauf wir den genannten Verlag aufmerksam machen möchten, den wir sonst zu seiner sympathischen, selbstlosen Thätigkeit beglückwünschen, die sowohl für die Verbreitung der zionistischen Idee, wie überhaupt für die Sache der geistigen Erziehung unserer russischen Brüder unstreitig von grossem Nutzen ist. J. Sch. * Wir müssen ein Gefühl des tiefsten Ekels gewaltsam zurückdrängen, indem wir den Emschluss fassen, uns mit einem antizionistischen Zeitungppamphlet widerwärtigster Art zu beschäftigen. „Hinter deu Kullissen (!) der Congresskomödie* ist das reinliche Ding überschrieben, das als „leitender Artikel" eine der jüngsten Nummern des Mainzer „Israelit" ziert. Durch die früheren Enthüllungen des Mainzer „Israelit" sind heute die Endziele der zionistischen Bewegung aller Welt bekannt, und man ist endlich dahinter gekommen, weshalb die Zionistencongivsse just in Basel und in London stattgefunden haben. Diese beiden Städte sind nämlich Hauptsitze der Judenmission, und die Zionisten-Congresse stellen in Wahrheit nichts anderes dar, als geheime Ableger und Vollzugsorgane der Juden-Missionsgesellschaften. So stand vor einigen Wochen in einem „leitenden Artikel" des Mainzer „Israelit" unter der Ueberschrift „Zionismus und Judenmission" zu lesen. Nachdem der Zionismus und die Congresse auf diese Weise ihrer gleissenden Hülle beraubt worden waren, durfte man füglich gespannt sein, was der Leitartikler des „Israelit" noch „hinter den Coulissen" des Congresses entdeckt haben mochte. Jetzt wissen wir's. Der brave Mann hat die „Eingeweihten" entdeckt, denen die Mietsumme genau bekannt ist, welche der Congress für das Baseler Stadtcasino bezahlen muss. Hat denn jemand geglaubt, dass uns das Casino gratis zur Verfügung steht? „ihr (der „Eingeweihten") Geheimnis ist auch die Summe, die Herr Doctor Mai Nordau für seine rhetorischen Leistungen erhält"!! — Die Sache ist zu läppisch, um einer Erwidetung oder eines Dementis zu bedürfen. Es sei wiederholt: Nur durch Ueberwindung des äussersten Widerwillens ist es uns möglich geworden, in die Niederungen solcher Kampfesweise hinabzuleachten. Es sollte nicht heissen, dass wir auf Verdächtigungen irgendwelcher Art nichts zu erwidern wüssten. In der Zukunft müssten wir's uns aber versagen, derlei alberne Pasquille unserer Beachtung zu würdigen. Wenn unsere Gegner das Niveau der Discussion über den Zionismus auf diese tiefe Stufe zerren wollen, so weisen wir die Zumuthung zurück, ihnen auf dieses Niveau zu folgen. Hus det) \)ereiDet)« Voranzeigen. Wien. (D e r E i n z e 1 v e r e^i n „ W i e n" d e s „Z i o nÄ) veranstaltet im Saale des Restaurant Gufh, IL, Stefaniestrasse, Samstag den °2%. Februar 1902, um 8 Uhr abends, eine öffentliche Vereins-Versammlung. Thema : Bericht über den V. Zionisten-Congress in Basel. Referent: Architect Oscar Marmorek. Gäste herzlichst willkommen. Wien. (VereinjüdischerMädchen „Hadassa") Sonntag den 33. d. M., 3y2 Uhr nachmittags, findet im Religionssaale du* israelitischen Cultusgemeinde, I., Seitenstetten gasse % II Stock, ein Vortrag des Herrn Dr. Paul Weisengrün „Zur Kritik des Zionismus* statt. Anschliessend Discussion. Gäste herzlich willkommen. Wien, (fl J ordania", IL, Rembrandtstrasse 3.) Samstag den 15. n. M. findet im Vereinsiocale ein Vortrag des Gesinnungsgenossen Herrn Dan S. Albachary über die „commercielle Entwicklung Palästinas* statt. — Mittwoch den 19. n. M., Vortrag über „Heinrich Heine", im Anschluss „Recitationen" des Vereinscollegen Benno Rosenzweig. — Dienstag den 45. n. M. spricht Schriftsteller Bernhard Tag über „Houston Stewart Charnberlain, der modernste Gegoer des Judenthums". Gäste herzlich willkommen. Wien. (Der Gesangverein „I v r i a*, X.. Keplergasse 7) hält seine Proben jeden Montag von 8—3/410 ühr abends ab, und ladet stimmbegabte Herren zum Beitritte em. Uebungen des Hausorchesters jeden Mittwoch von 8—8/410 Uhr abends. Berlin. (In der „Berliner zionistischen Vereinigung") wird am Montag den 24. d. M., Herr Dr. Alfred Klee einen Vortrag über „Der Zionismus und seine Gegner" halten. Local: Saal des Handwerker-Vereines, Sofienstrasse. Jedermann ist herzlichst willkommen. Berichte. Berlin-Charlottenburg. Der Verein „Ivria" der jüdischnationalen Studenten aus Rumänien ist vom Rector der hiesigen technischen Hochschule genehmigt worden. Wien. („V er ein zionistischer Studente nrt.) In den provisorischen Ausschuss wurden gewählt: Dr.Benno Schwoner als Obmann, techn. A. H e r s l i s ki e w i c z als Obmann-Steilvertreter, jur. J. M e i s 1 als 1. Schriftführer, tech. Ferd. Roth, als 2. Schriftführer, phil. A. Freud als Cassier, phil. Ernst Müller als Bibliothekar, med. Ig. Zollschan, tech. Ignaz Kohn und jur. Julius Beer, als weitere Ausschussmitglieder. Ersatzmänner : phil. B. Geiger und med. F. Rosenberger. Revisoren: tech. Egon Adler und med. J. S c h o r r. — Anmeldung n und Zuschriften sind vorläufig zu richten an: jur. J. Beer, IL, Czerningasse 9, Iii. Stiege, Th. 31, und tech. Ignatz Kohn, IL, Förstergasse 8. Wien. (Erster Wiener Jüdischer Turnverein.) 250 ausübende Mitglieder. Diese einander gesellschaftlich zu nähern, dienen die sogenannten Turnkceipen, deren letzte am 11. d. M. im „Hötel de France44 siattfand. Tendenzrede des Obmannes Dr. L. Werner. Vom Cultusvorstande neuerdings gewährt Jahres-Subvention von 150K. Hervorgehoben seien der Prolog der Turnerinnen J. Werne r und L. R a n d, die Müochhausiaden des Ing. E. F r i e d und die Lieder der Turnerinnen E. Rappaport und K. Kraus sowie des „Ivria"-Quartetts. Die Kneipzeitung fiel dem Ehrenmitgliede Herrn Fabrikanten König zu. Wien. (Im Jüdischen Verein jugendlicher Arbeiter4, XX., Traunfelsgasse 1) fand Sonntag den 16. d. M. ein Vortrag des Gg. Phil. EmanuelAlt über „Die Juden unter Hadrian" statt. Olmütz. Die scandalösen Vorgänge im hiesigen deutschen Turnvereine, den die Ultras, nachdem ihnen der Hinauswurf der Juden missglückt war, 60 Mann stark ver*

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