Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 8 (21.2.1902)
- Article
- Jüdischer Buch und Kunstverlag, Brünn
- Date
- 1902-02-21
- Page
- 8 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 8 öle $c Welt* Nr. 8 Dr. Leon Pi'niker : „Autoemancipation" (Neuauflage). Mathias Ach er: „Nationale Wiedergeburt" (Neuauflage). Weiters ist die Herausgabe eines jüdischen Volkskalenders, eines Almanachs sämmtlicher jüdischen Organisationen und die Ausarbeitung eines statistischen Sammelicerkes geplant. Die ersten Publicationen erfolgen zu Anfang nächsten Monats. An alle Freunde jüdischen Geisteslebens, insbesondere aber an alle zionistischen Vereine und Körperschaften ergeht die Bitte, dem neugegründeten Verlage, dessen Zweck ein wahrhaft nationaler ist, ihre thatkräftige Mithilfe angedeihen zu lassen. Jüdischer Buch- und Kunstverlag. Adresse: „Jüdische Volksstimme", Brünn, Krautniarkt 11. Der. Verein „Zion" in Suczawa hat die Gründung einer jüdischen Volksbibliothek in Suczawa beschlossen und sich hiermit der schwierigen Aufgabe der geistigen Emancipation der jüdischen Bevölkerung Suczawas unterzogen, In Ausführung dieses Beschlusses gestattet er sich nun an alle Menschen, denen die geistige Vervollkomnung des jüdischen Volkes am Herzen liegt, die Bitte zu richten, durch Bücher - und Geldspenden zu dem von ihm unternommenen Werke beizutragen» Spenden bitte zu richten : An den Verein „Zion", zu-; handen des Herrn Bibliothekars Josef Ellenbogen, Suczawa, Bukowina. Für den Verein „Zion": Isak Hammer, Dr. Kuno Rachmuth, Schriftführer. Obmann. * An die zionistische Studentenschaft Wien?! Samstag den 22. Februar 1902 um 8 Uhr abends findet im „Hotel Bellevue", JX.? Althangasse 7, nächst dem Franz Josef-Bahnhofe, feine Versammlung der „Vereinigung zionistischer Hochschüler" statt. Tagesordnung: 1. Berathung der Statuten. 2. Event ualia. Der provisorische Ausschuss. Anregungen für den Nationalfonds. So sehr auch es am wichtigsten wäre, bei freudigen Anlässen un d Festli chkeiten statt der Gratulations-Telegramme eine Spende für den Nationalfonds zu machen, so vermissen doch alle diesbezüglich gemachten Vorschläge, jene Gewähr anzugeben, die die angestrebte Aufmerksamkeitsbezeugung ausser Frage stellen würde. Denn die Veröffentlichung in dem Parteiblatte ist nicht immer dem Beglückwünschen zugänglich, ebenso würde die Anschaffung, beziehungsweise Uebersendung der Marken in erster Zeit nicht das gewollte Verständnis geben. Es wäre daher am zweckmässigsten> dass „Glückwunschtelegramme" nach Art der Neujahrswunschkarten mit Leerlassung einer Stelle zur Ausfüllung mit dem Namen des Absenders und des Empfängers eingeführt und als Drucksachen bei jeder Centralstelle (zionistischen Körpers) verlegt werden, dorthin ist der entsprechende Betrag einzusenden, worauf die Centralstelle eine „ Gratulations-Drucksorte" mit Namen des Absenders und Empfängers, sowie des hierfür eingezahlten „Betrages" ausfüllt und direct an den Adressaten absendet. Meines Ermessens soll nur eine derartige (zionistische) Centralstelle in jedem Reiche sein, bei uns das A.-C. in Wien. Dieser Modus sichert den Erfolg dieser Institution und jeder Gratulant wird dessen sicher sein, dass die angestrebte Aufmerksamkeit erzielt sein wird. I Professor Carlo Conigliani. I ^tiäSSHHHHHHHHHHflHHHIHMHHHHH Unsere italienischen Gesinnungsgenossen haben einen schweren Verlust zu beklagen. Zu Beginn des vorigen Monats ist nämlich Carlo Conigliani, Professor der Nationalökonomie an der Universität Mo de na, Präsident des dortigen zionistischen Vereines und Begründer der Zeitschrift „LTdea Sionista", im Alter von 33 Jahren gestorben. Conigliani galt trotz seiner Jugend als einer der bedeutendsten Volkswirtschaftslehrer Italiens. Er bekundete zeitlebens warmes Interesse für alle jüdischen Angelegenheiten und wandte sich in letzter Zeit mit der ganzen Glut seiner für alles Ideale empfänglichen Seele und mit dem Einsätze seiner ganzen Persönlichkeit der zionistischen Bewegung zu. Ihm ist es zu verdanken, dass die italienischen Juden unserer Bewegung ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden begannen und sich ihr in ansehnlicher Zahl anschlössen. Die zionistische Arbeit Coniglianis wird nicht spurlos vorübergehen. Er hat einen Kreis von jungen Leuten um sich geschart, die er für das Ideal der Wiedergeburt des jüdischen Volkes zu begeistern verstand und die sein Werk voraussichtlich in gedeihlicher Weise fortsetzen werden. Halten wir sein Andenken in Ehren! Vffelt'Sbi'onlli. Immer pikant! Inder letzten Sitzung des österreichischen Abgeordnetenhauses brachte der socialdemokratische Abgeordnete Daszynski eine militärgerichtliche Affaire zur Sprache. Herr Daszynski fand es nun für gut, bei der Kritik der von ihm sehr missbiliigten Thätigkeit eines Advocaten diesen als „einen kleinen Juden mit feudalen Allüren" zu bezeichnen. Wir erlauben uns die Frage: Wie kommt dieser mit Hilfe der Juden gewählte Abgeordnete dazu, wenn er eines Mannes Thätigkeit zu tadeln findet, diesen als „Juden" zu charakterisieren? Soll damit etwa gesagt sein, dass die Zugehörigkeit zum Judenthum die getadelte Handlungsweise erklärt? Oder steht die Sucht nach Popularität selbst sogenannten „freisinnigen" Abgeordneten höher, als sogar der Freisinn? Doch nein, der Herr Abgeordnete wollte sich wahrscheinlich nur „pikant" ausdrücken, und da kommt es auf oin klein wenig Antisemitismus nicht an, besonders jetzt, wo die Wahlen noch so weit entfernt sind. Und übrigens: die Juden sind doch seine „geborenen Wähler". Der selbstverständlich auch polnischnational gesinnte Herr Abgeordnete — bei nichtjüdischen Socialdemokraten ist es nämlich selbstverständlich, dass sie national gesinnt sind - wird uns wohl verzeihen, wenn wir einen deutschen Dichter citieren : Gott schütze uns vor unseren „Freunden"! Die Juden in London. Nach der letzten Volkszählung vom Jahre 1900 beträgt die Einwohnerzahl Londons 4,520.971 Seelen. Rechnet man die Bewohner derjenigen anstossenden Ortschaften hinzu, die bisher noch nicht mit London vereinigt sind, so ergibt sich für dieses „Grösser-London" eine Bewohnerzahl von 6,58L372 Seelen. Die Zahl der Juden, auf Grund der Begräbnislisten berechnet, beträgt 104.550 Seelen, das ist l5/8 Percent der Gesammtbevölkerung. Die Juden in Russland. Die im Jahre 1897 in Russland vorgenommene Volkszählung, deren Resultate nun-