Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 7 (14.2.1902)
- Article
- Zweierlei Juden
- Date
- 1902-02-14
- Page
- 15 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 7 Die 2$ Welt" Seite 15 deshalb palt, es für die Familienmitglieder als Gesetz, einige Minuten vor zwölf Uhr daheim zu sein. Er kam richtig zu spät, man war mit dem Essen schon fertig. Auf die Frage seines Oheims, erzählte Paul von seiner Begegnung mit der Gräfin und dem Baron Welchenberg, und die Grossmutter benützte, die Erwähnung des letzteren, um von jenen Schreckenstagen vor den jüdischen Ostern zu erzählen, als der achtjährige Sohn des Böttchers Haselbauer verschwunden war. Der Baron Weichenb«*rg kam nach Löbelstein und machte die Anzeige, der Knabe sei von den Juden ermordet worden, und aufsein Geheiss wurden de]-Rabbiner, der Chason und der Schächter nach dem Gemeindehause geführt. Es traten auch gleich zwei Zeugen auf, eine Witwe namens Hübner und der Schuster Maigraber, und erzählten, sie hätten aus dem Hause des jüdischen Schächters die Weherufe eines Kindes gehört. Sofort rotteten sich die Bewohner zusammen, um über die Juden herzufallen. Der Doctor Goldner schickte Eilboten zu den Gerichten und liess in ganz Lobenstein und Umgegend verkünden, er zahle demjenigen zweitausend Gulden bar auf die Hand, der den kleinen Haselbauer zur Stelle schaffe. Noch in derselben Nacht erfuhr man, wo das Kind sei. Zwei Ochsenknechte waren heimlich zu Goldner gekommen und verriethen, dass sich der Gesuchte in ' Elbersdorf beim rothen Jank befinde. Und so war es auch. Der Vorst her erstattete gegen den Baron und den rothen Jank die Anzeige, aber es ist ihnen nichts geschehen, gar nichts. Die Grossmutter erzählte noch manches, das andächtig angehört wurde. Wenn sie einmal in Fluss gerieht, sprach sie fast eine Stunde lang ununterbrochen, während sie sonst halbe Tage lang kein einziges Wort vernehmen liess, zumal, wenn sie regungslos auf dem Bänkchen vor dem Hause sass und sich an der Sonne wärmte. (Fortsetzung folgt.) Von unserer Volksbildungsbewegung. Wochen-Programm der Toynbee-Halle XX., Karajangasse 20. Sonntag den 16. Februar: Heinrich Glücksmann: „Anti.tf Montag den 17. Februar: Dr. J. Fries er: Aus dem Gebiete der Naturwissenschaften. t) i e n s t*a g d e n 18. Februar: Max E i s 1 e r: Jüdische Charaktere bei Lessing (III). Mittwoch den 19. Februar : Jonas Aschkenas: „Der kleine Paul" von Victor Hugo. Donnerstag den 20. Februar: Dr. J. Sa dg er: Aus dem Gebiete der Naturwissenschaften. Freitag den 21, Februar: Arcrrr; PüTrs t: 'Bibel, -Erklärung der Sierra. Samstag den 22. Februar: Concert: Musik, Gesang. Anmeldungen zu Vorträgen beliebe man zu richten an Herrn Dr. J. Sa dg er, IX., Liechtensteinstrasse 15. Concert-Abende in der Toynbee-Halle. Eine Reihe schöner Concerte wurde in den letzten Wochen in der Toynbee-Halle in Wien abgehalten. Von den Mitwirkenden ist in erster Linie Director O. Morini zu nennen, der nicht nur durch die Interpretierung der Werke Winiawskis und Sarasates, sondern auch durch das Arrangement des in der vergangenen Woche in d«r Toynbee- Halle stattgefundenen Schüier-Concertes sich verdientmachte. 15 Schüler der Musikschule Morini spielten, und darauf folgten Soli der Herren Bardach, Hirsch und Wolfensohn. Im Concerte vom 25. v. M. spielte Fräulein Rachelle N e u f e 1 d Glavier. Im selben Concerte wirkte auch der Cellist Herr Lucian Horwitz, Mitglied der Berliner Philharmoniker, mit. Bruchs wehmüthiges „Kol Nidrei" bewegte das Publicum dermassen, dass der Künstler es wiederholen musste. Herr Horwitz wurde von seinem Vater auf dem Ciavier begleitet. Ein ebenso schönes Familienbild bot das Trio Goldbaum. Fräulein Helene und Herr Felix .Goldbaum, von ihrer Mutter, Frau Dr. Goldbaum auf dem Ciavier begleitet. Einen Genuss brachte auch das Concert des Cellisten Hugo Kreisler. Eine Reihe stimmbegabter Sängerinnen, darunter die Damen Emmy Weinstein, Clara Pachner und Ida G o 1 d s t e i n, erfreuten das Publicum. Ebenso ein Liedervortrag des Herrn Rudolf Alt mann und das Ciavierspiel des Fräulein Deutsch, sowie Erwin Fe Iber i. R. F. Toynbee-Halle in Czernowitz. Der Verein „Zion" in Czernowitz hat nach dem Muster der Wiener Toynbee-Halle eine gleiche Institution ins Leben gerufen. Diese, die unter der Leitung unseres Gesinnungsgenossen Herrn Dr. M e n c z e 1 steht, hat nicht nur in den breiten Volksmassen, die sich an den Vortrags- Abenden sehr lebhaft betheiligen, grossen Anklang gefunden, sondern auch bei der jüdischen Intelligenz lebhaftes Interesse geweckt. Die Vortrags-Abende finden regelmässig jeden Samstag und Sonntag statt. Jedesmal nehmen an denselben 300 Zuhörer, meist Handwerker und Geschäftsleute theil. Die Vorträge behandeln durchgehends Themen des allgemeinen Wissens. Es sprachen bis jetzt: Dr. Menczel xiber die Grundzüge der österreichischen Verfassung, Adv. Dr. Ausländer über Steuern, Advocat Dr. Perl über altjüdisches Strafrecht, Prof. Dr. Wender über die Ernährung, Dr. Diamant über Alkoholmonopol, stud. iur. Kfnzbrunner über die jüdischen Emancipationskämpfe, Lehrer Jan kl über Erziehungsfragen, Chemiker Tennenhäuser über Gifte und Gegengifte, Dr. Frucht über die Pflege der Zähne u. s. w. Weitere Vorträge sind angemeldet, so von den Herren Dr. H. Ziesler (Präsident der Advocatenkammer), Dr. Gold enberg, Dr. R ü d i c h, Dr. Worth, Apotheker Dr. Barber etc. Districts-Comite für Böhmen. Die Sitzungen des „D.-C." finden von nun an jeden zweiten Sonntag um 2 Uhr nachmittags, Prag. Heinrichsgasse 9, statt. Für die nächste Zeit wurden fixiert: Februar 23. März 9. 23. Mittheilungen des österreichischen Landes-Comites „Verband Zion". Folgende Tage sind für unsere Sitzungen bestimmt: Februar 18. März 11. und 24. April 3., 15. „ 29. Mai G. „ 13. An diesen Tagen sind die Mitglieder der Leitung von 7 Uhr abends an im Congress-Bureau, IX., Türkenstrasse 9, zu sprechen. Ebendahin sind alle Zuschriften an das Landes-Comite oder den Verband „Zion" zurichten. DasLandes-Gornite hat alle für Oesterreich wichtigen Fragen des Programm es, der Organisation, Agitation und Presse zur Behandlung übernommen. Das Referat über volkswirtschaftliche Fragen hat Herr Dr. Egon Zweig übernommen. Der zweite österreichische Zionisten- Tag findet am 18. und 19. Mai d. J. in Bielitz statt. Im Verlage des österreichischen LandesrComites „Verband-Zion" ist neu erschienen : „Was wollen wir Zionisten" von Berthold Feiwel. Vorzüglich zur Agitation geeignet. Preis 4 Heller. Für Vereine bei Abnahme von mindestens 100 Stück 2 Kronen. Bestellungen wolle man richten an das „Oesterreichische Landes-Comite", IX., Türkenstrasse 9. Vereine, welche zionistische Ansichtskarten, Briefpapiere, Cigarettenpapiere, Papier-Cigarettenspitzen und Schmucksachen mit zionistischen Emblemen wollen, mögen sich im Wege ihrer Districts - Comites beim Verband „Zion" melden. Spenden. Für den jüdischen Nationalfonds: Sammlung Wien: Familie R. Kr. 1.—, J. S. —.50, O. M. 1.— Dr. K. —.50, Dr. Sch. —.40, M. Sch. —.20, A. N. —.30, A. P. —.20, L. W. -.50, L. K. —,25, Erster zionistischer Frauenverein^kiO, Satninlung vom Festcomä;6 der zu: