Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 7 (14.2.1902)
- Article
- Max Kaufmann. "Heine's Charakter und die moderne Seele" [Rezension]
- Date
- 1902-02-14
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 7 Die $ Weit" Seite 11 hohe Sensibilität unserer Zeit hat ihren Vorklang schon in der seinen. Kaufmann betont nun auch, Heine sei neurasthenisch gewesen, eine Krankheit* die für unsere Zeit typisch ist, doch gewiss schon dem Römerthume des Niederganges bekannt war. Wir finden an der Erotik des jungen Heine nichts Pathologisches, eher könnte man Schiller, den Dichter der berüchtigten „Anthologie", als neuropathisch bezeichnen. Wenn man dann weiter geht und Heine's Krankheit als „spinale Form der progressiven Muskelatropie" bezeichnet., wie es Rahmer thut, so ist man fast versucht, zu glauben, dass man den Dichter von einem Makel befreien wolle. „Heine muss eben als Nervenkranker, kurz, um eine modern-geläufige Bezeichnung zu gebrauchen, als „Neurastheniker" genommen werden," sagt auch Max Kaufmann. Wir fürchten, dass man bei consequenter Durchforschung des Lebens aller unserer Dichter zu demselben Schluss kommen wird, wie es Lombroso in seinem Werke that. Sucht man den Grund für ein solches Bestreben, so ist er leicht darin zu erkennen: man will in jedem Dichter auch ein menschliches Ideal sehen. Darum gilt es, seine „Schwächen" als physisch bedingt zu erweisen. Das aber ist nicEts anderes, als jenes „Ketten", dass seit Leasings „Rettung, des Horaz" so beliebt geworden ist, nicht zum mindesten wohl, weil man da immer einige kleine Scaiidalgeschichten mit aufgetischt bekommt, wie wir nebenlxd bemerken wollen. Max Kaufmann schliesst sein Buch mit einer poetischen Antwort unseres trefflichen Lyrikers Karl Henckell auf die Rundfrage: „Was denken Sie von Heinrich Heine?" Hier noch seine Charakteristik des Dichters in den „Sonnenblumen": „Auch die edelsten Grazien wollen — einmal in Jahrhunderten — ihren grossen Fasching feiern. Ihr letzter auserwählter Prinz Cameval war Heinrich Heine." O. H. Hus cki) herein*!). Voranzeigen. Berlin. Die Vereine Jüdischer Studenten zu Berlin und Charlotten bürg veranstalten am 126. Februar im „Hotel Prinz Albrecht" („Vier Jahreszeiten") einen jüdischen Kunstabend, bei welchem vorwiegend Werke der modernen jüdischen Poesie zum Vortrage gelangen werden. Wien. Im lit. Geselligkeits-Vereine jüd. Mädchen „Moria" wird Sonntag den 16. d. M. Herr Architekt Oscar Marmorek einer Vortrag, betitelt „Nach der Zerstörung Jerusalems", halten. Beginn piäcise 7a4 Uhr nachmittags, in der Religionsschule der israelitischen Cultusgemeinde, I., Seitenstettengasse Nr. 2, II. Stock. Gäste, Damen, herzlichst willkommen. Wien. Der Einzelverein „Wien" des „Zion" veranstaltet im Saale der Restauration Guth, IL, Stefaniestrasse, Samstag den 22. Februar Y.)0C2 um 8 Uhr abends eine öffentliche Vereinsversammlung.'Thema : Bericht über den V. Zionistencongress in Basel. Referent. Architekt Oscar Marmorek. Gäste herzlichst willkommen. Wien. Der lit. Geselligkeits-Verein jüd. Mädchen „Moria" veranstaltet Donnerstag den 20. d. M. im Restaurant Guth, IL, Stefaniestrasse, einen geselligen Familienabend mit anschliessenden Tanzkränzchen. Für ein heiteres Programm ist vorgesorgt. Wien. Herr Banquier Fischer veranstaltet nach Muster der Toynbee-Halie in seinem Betlocale,IX., Harmoniegasse 8, jeden Dienstag und Donnerstag um 8 Uhr abends, jüdische Bildungsabende, wozu Gesinnungsgenossen und -Genossinen höflichst geladen sind. Berichte. Wien. Hier wurde der Verein „E r e z Israel" der jüdisch-rumänischen Hochschüler zu Wien gegründet. Der Verein zählt bereits 24 Mitglieder. Gefällige Mittheilungen wolle man an Herrn stud. med. J. Buj es, IX., Pelikangasse 15, richten. Wien. Am 30. Jänner fand die constituierende Generalversammlung des „Vereins für jüdische Geschichte und Literatur" statt. Zweck des Vereines ist die Verbreitung der Kenntnis der jüdischen Geschichte und Literatur vom Standpunkte des traditionellen Judenthums. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 1 K vierteljährig. Der erste Vortrag fand Sonntag den 9. Februar, lj9S Uhr abends, statt. Herr M. A. Fürst sprach über „Das französische Synhedrion". In den Vorstand wurden gewählt die Herren med. Dr. F. Rosenthal als Obmann, Sigmund B o n d i, stud. phil. Max Eisier, stud. med. A. Feuerring, M. A. Fürst, Theodor Pappen heim, Lipoid Rosenbaum. Mitgliederanmeldungen nimmt der Cassier Herr Leopold Rosenbaum, IL, Kleine Schiffgasse 3, entgegen. Wien. Die Verbindung „Ivria" veranstaltete am 2r>. d. M. einen Discussions-Abend, der mit einem Vortrage des Herrn Martin B u b e r über „Jungzionisten-Tag und V. Congress" eingeleitet wurde. An das Referat knüpfte sich eine sehr eingehende Debatte, Wien. (Einzelverein „Favoriten* des Verbandes „Zion8.) Donnerstag den 30. Jänner fand in J. Oczerets Saallocalitäten ein Discussions-Abend über das Thema „Zionismus" statt. Die zahlreichen Anfragen beantworteten die Gesinnungsgenossen Herren Martin Bub er und Egon Lederer. Wien. Am 11. Jänner d. M. veranstaltete der „Verein zionistischer Frauen und Mädchen in Fünfhaus*' seinen ersten selbständigen Vortragsabend. Die Präsidentin Frau Jenny Weiss begrüsste die Versammlung. Referent ,Ueber den V. Congress** war Dr. I. Schalit. An den Vortrag schloss sich eine Discussion* Für das Vergnügen sorgte Fräulein Swerdrowsky durch Ciaviervorträge und zwei Knaben durch hebräische L eder. Wien. (Der lit. Geselligkeitsverein jüd. Mädchen ..Moria") hielt Sonntag d^n 19. d. M. einen Vortrags - Nachmittag ab. Herr Dr. Martin Weismann brachte einige seiner Novellen zur Verlesung. Ferner wurde Fräulein Adele Po pp en s c h e 11 e r für ihre Declamation mit reichlichem Beifalle belohnt. Wien. Der „Jüdische Verein jugendlicher Arbeiter" hielt am 1-2. Jänner seine Generalversammlung ab. Aus dem Rechenschaftsberichte ist zu entnehmen : Die Zahl der Mitglieder ist von 20 auf 80 gestiegen. Im abgelaufenen halben Jahre wurden °21 Versammlungen (darunter 3 öffentliche) abgehalten. Das Lehrlingsschutz-Comite hatte Gelegenheit, in einigen Fällen erfolgreich einzugreifen. Die Vereinsbibliothek zählt circa 200 Bände. Die Neuwahlen ergaben: Bernhard G r ü n h u t, Obmann; Lewi Wurman n, Obmann- Stellvertreter; Julius K ö r p n e r, 1. Schriftf.; Wilhelm Quartner, 2. Schriftf.; Jenö Brill, Cassier; Josef H o n i g, Philipp L i p s k e r, Wilh. Lustgarten, Markus Schwalb, Ausschuss-Mitglieder; Herrn. Birnbaum, Saul L ö f f 1 e r, Oskar Kleiner, Revisoren Zum Schlüsse hielt Gg. Gross einen Vortrag über Lehrlingrswesen. Körpne r. Prag. („J üdischerVolksverei n.u) Am 16. Jänner 1002 hielt Herr JUDr. E. Bergmann aus Kuttenberg einen Vortrag über das Gegenwarts-Proeramm des Zionismus. Der Vortragende fand reichen Beifall. Karlsbad. Auf Initiative der Tischgesellschaft „Zion" hielt am 24. d. M. Gesinnungsgenosse Herr Carl Resek, Obmann des Districts-Comites für Böhmen, ein Referat über den V. Zionisten-Congress. Nach einer kurzen Discussion richtete Gesinnungsgenosse jur. Otto Teinowitz an die Versammlung den Appell, dem zu gründenden Einzelvpreine „Zion" beizutreten. Vor Constituierung des Vereines wird die Tischgesellschaft „Zion* die vorbereitenden Schritte unternehmen. O. T. Pressburg. Am 26. Deeember v. J. zionistische Volksversammlung, vom Vereine?A havath Zion" veranstaltet. Henstud. jur. Siegfried Steiner feierte das Andenken der Makkabäer. Vereins-Präses Herr S. Bettelheim sprach über den Zionismus. Als dritter Redner sprach Herr Rabbinats-Candidat M. Fischer hebräisch. Ferner gelangten eine Declamation des Herrn Josef Neu mann und unter Leitung des hiesigen Cantors zionistische Hymnen zum Vortrage. Nagy-Säros, 28. Jänner. Verein „Ahawath Zion" Festversammlung. Redner Tobias Schwarez (Präsident), H. W i 11 v ö r (Cassier), M. Gold mann und J. Zsu pnyik. Vorlesung des Herrn Lehrers Engel über „Geschichte des Zionismus." M. Gottfried. Nagy-Tapolcsäny (Ungarn). Am 18. d. M. hielt in dem vou der hiesigen Cuitusgemeinde bereitwilligst zur Verfügung gestellten grossen Saale der neuen Schule unser Congress-Delegierter Herr Schuldirector Adolf Reichent h a 1 einen Vortrag über den V. Zionisten-Congress. Unser Verein hat beschlossen, in Ungarn eine Landes- Action zum Zwecke der Verbreitung unserer Idee einzuleiten und mit der Sammlung für den Nationalfonds zu beginnen. Breslau. Neu gegründet: Zionistischer Akademiker verein „M a c c a b a e a". Proponenten waren : Zahnarzt H. Schachtel, phil. F.Pinkus, (Berlin), stud. Sally Boschwitz. phil. J.Sonderling und phil. J. Becker. Gründungstag 6. Jänner. Vorstand: Becker, Präsident; B o s c h w i t z, Vicepräsident; jur. S. L e wi n, Schiri ftführer.