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Die Welt · 1902-02-14 · 7 (14.2.1902) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
7 (14.2.1902)
Article
Unsere Arbeit
Date
1902-02-14
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seite 8 „Die $s Welt* - v ' ~ St. 7 werb, bestenfalls über die Gemeinde nicht hinausdenkt. Wir aber brauchen^ginen entschlossenen, weltverständigen und weitblickenden Juden. Kein Zweifel, dass man es leicht dahin bringen kann, weil ja der bekannten Intelligenz unseres Stammes nur eine Richtung zu geben ist. Bas ist Aufgabe der sehr wichtigen inneren Thätigkeit unserer Vereine, wobei der Bildungsdrang der Juden den guten Willen stark fördern dürfte. Das Bild, das die Vereine gegenwärtig zumeist bieten, ist das Produet einer unbewussteu Assimilation. Wir ahmen die Vereinsmeierei, die wir ringsum seilen., ohne es zu wissen, nach. Von Zeit zu Zeit eine Ausschusssitzung, von Zeit zu Zeit ein mehr oder minder gelungener Abend wird landläufig von den.* Vereinen geboten und von den Zionisten nachgeahmt, während nur einige wenige sieb vom Arbeitsfeuer erhitzen lassen. Die Uebrigen, der Verein, alles geht inzwischen seiner Wege, ohne jede Absicht zur Werbearbeit, oft auch ohne die Fähigkeit <"azu,; weil sie die Gründenden Weg und die Ziele des Zionismus nicht v genau kennen. Sollte das alles sein* womit wir uns für eine'; grosse Zukunft und eine grosse Zukunft für uns vorbereiten?. Hat das Directorium eines Vereines sein Verantwortlichkeitsgefühl vor dem Volke — wir Zionisten haben schon so etwas Unmodernes — befriedigt, wenn an einem Abend mit musikalisch-deelamatorischem Köder eine Tendenzrede gehalten wird? Ks ist * wahr, wenn man mit einem gewissen zornigen Trotz sagt, jeder - anständige Jude habe nur die Nachricht unserer, der idealsten; Volksbewegung zu bekommen und sich um das Engere und Weitere selbst zu kümmern. Aber es ist unmöglich, die tiefen Wurzeln des Zionismus zu erkennen, wenn man unser Volk, seine Vergangenheit und Gegenwart nicht kennt. Das muss den Juden ge-^fi lehrt werden. Die gegenwärtige Bildung hat Assinülanten gemacht aus den Enkeln der Grossväter., die. nicht weni- '\ ger Männer von Welt und Verstand waren, als ihre Epigonen, dabei aber uaekensteife Juden', bloss deswegen, weil sie ihr Volk kennen gelernt hatten. Den Juden muss jüdische Bildung bel^: bracht werden. Die Zionisten. dfö jüdische Bildungsheime gegründet haben sind von ihrem Erfolge äusserst befriedigt. Das unerschöpfliche Gebiet jüdischen Lebens und Wirkens in Geschichte und Literatur hat dankbare, zahlreiche Zuhörer gefunden und erhebend hat die Menge der Juden gezeigt, dass sie trotz assimilierter Cultusgemeinden, ja sogar trotz der Rabbiner, sich verlangenden Sinn für jüdisches Wissen bewahrt hat. Mit geringen Mitteln leisten wir so eine Aufgabe, die eigentlich den Cultusgemeinden zukäme, und erzielen eine agitatorische Wirkung, die jedermann einleuchtet. So werden Aussens teilende näher gebracht. Damit kann aber die Thätigkeit der Vereine nicht erschöpft sein. Es sollten häufig innere Vereinsabende stattfinden, in denen die Leute zur zionistischen Arbeit erzogen werden. Der Zionismus ist eine Wissenschaft für sieh, sowohl in seinen Gegen wartsauf gaben, die-tiefes Verständnis erfordern, als auch in seinen Vorarbeiten für die Zukunft zuhause. Es ist kein übermässiger Aufwand von wissenschaftlicher Leistung im Vortrag nöthig. Jeder Verein besitzt Intelligente genug, die über ein Buch frei sprechen können. Die Bibliographie über Palästina liegt im Druck, unerschöpfliche Themata können aus den darin angeführten Büchern entnommen werden. Socialpolitische Schriften sind leicht zu haben, um Aufklärung über Erwerbs- und andere Genossenschaften zu erhalten. Die vergangene und voraussichtliche Entwicklung des Zionismus ist klar zu machen. Der Inhalt der Parteipresse wird zur Discussion gebracht, und die darin gewonnenen Anregungen, Ideen und Projecte in den Blättern zur allgemeinen Kenntnis gebracht werden. Veranstaltungen, deren Durchführung guten Erfolg brachte, Ereignisse des Judenlebens, Beschwerden, Wünsche und Erfordernisse sollen knapp und vielsagend von Organisationen und Einzelnen an unsere Presse geleitet und so ein Sprechsaal von grosser Bedeutung geschaffen werden. Das Leben ist der_ beste Lehrmeister. Vorkommnisse und Wünsche in der Bewegung werden anrregende und befruchtende Wechselwirkung haben In dieser Weise wird einestheils die Unthätigkeit des Vereines, das Rosten, von freudiger Theilnahme abgelöst, und es wird der politisch ungebildete Jude den Ernst unserer Arbeit erkennen und mit natürlichem Ehrgeiz mitarbeiten. Wissen ist Macht! Jeder politisch Trübe unterdrückt, jeder Freiheitskämpfer verbreitet -Bildung. Wir wollen jeden Juden denkend, jeden Zionisten zum fähigen Mitarbeiter machen. 'Julius Upfimnjr, Anregungen für den Nationalfonds. Einem Pr ivatbriefe, den ein Wiener Gesinnungsgenosse aus Rössieni (Russland) dieser Tage erhalten hat, entnehmen wir folgende Stellen, die den Jüdischen Nationalfonds betreffen : „. . . Sie fragen, woher wir die Arbeitskräfte hernehmen sollen, die jederzeit bereit wärer, die kleinen Gaben des Volkes in Empfang zu nehmen, so dass der ärmste Jude zur Abgabe seines Scherfleins für die nationale Sache angehalten werden könnte, ohne dass er seine Bequemlichkeit opfern müsste? Diese Frage habe ich hier schon längst praktisch gelöst. Ich organisiere für diesen Zweck nämlich die Chederkinder und habe gefunden, dass sie die Sache spielend und ohne dass die Schule im geringsten vernachlässigt würde, durchfähren. Ich lasse die Kinder nämlich wöchentlich einmal paarweise bei einer bestimmten Anzahl von Familien, die sich verpflichtet haben, einen kleinen wöchentlichen Betrag für den Nationälfonds zu entrichten, absammeln und kann mit Freuden feststellen, dass sich die Sache gut bewährt. Ich glaube, man könnte auch in Westeuropa die Schuljugend auf ähnliehe Weise für den Nationalfonds heranziehen,; Abgesehen von dem materiellen Nutzen hat dieses Verfahren den moralischen Wert, dass es in unseren Kindern frühzeitig das nationale Empfinden und den Gemeinsinn weckt, sie an selbstlose Arbeit zum Besten der nationalen Gesammtheit gewöhnt Wenn vom Standpunkte des Volkswirtes Kinderarbeit nur zu missbilligen ist, so kann doch gegen diese Art der Bethätigung unserer Jugend nichts eingewendet werden. Ich glaube also, die Gesinnungsgenossen sollten sich die Sache allerorten angelegen sein lassen, und bin durchaus überzeugt, dass das System bei richtiger Anwendung sich alsbald überall einbürgern wird ..." * Bobruwk, 2<). Jänner 1902. Sehr geehrte Rcdaciion! Die Institution des Schekels zur Zeit des Tempels ist den Kennern unseres Sehriftthums wohlbekannt. Alljährlich zu Heginn des Monats Adar wurde vom ganzen Volke der Sehekel eingehoben und aus den zusammengeschossenen Geldern das Tempelgebäude in Stand gehalten. Ich schlage nun vor, den Sehckel der Vorzeit zugunsten des Jüdischen Nationalfonds auf folgender Grundlage wieder einzuführen: 1. Das Purimfestmöge alsSchekel-Gedenktagfürden Jüdischen Nationalfonds festgesetzt werden. 2. Angesehene Rabbiner mögen veranlasst werden, einen Aufruf zu erlassen, in dem sie das Volk auf die Wichtigkeit dieser nationalen Institution aufmerksam machen sollen. 3. Es mögen Glückwunschkarten zu allen festlichen Anlässen gedruckt werden und bei den Vorständen der zionistischen Vereine gegen Abnahme von Marken des Jüdischen Nationalfonds erhältlich sein. Mit Zionsgruss Hochachtungsvoll J. L. Dobkin.

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