Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 7 (14.2.1902)
- Article
- Ueber die Zukunft der Cultur von Handelspflanzen in Palästina
- Date
- 1902-02-14
- Page
- 7 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 7 „Die # Weit?6 Seite 7 sächlich von der wirtschaftlichen Entwicklung und Hebung der Kaufkraft Russlands und der Donauländer abhängt, liegt auf der Hand. Ist schon jetzt der Export der herrlichen Jafia-Apfelsirien ein bedeutender, so wird schon in den nächsten Jahren auch der Mandelexport aus den jüdischen Golonien deutlicher in Erscheinung treten; ebenso ist die schon jetzt nicht unbedeutende Rosinenproduction, sowie der kaum eingeleitete Export von Tafeltrauben einer enormen Steigerung fähig. Wie Algier für Westeuropa, so wird Palästina später für Osteuropa das Land der Primeurs werden; südlich von Palästina gibt es kein Gebiet mehr, welches geeignet ist, feine Gemüse und Früchte für die nordischen Märkte zu cultivieren, denn Aegypten kommt als grosse Schwemmebene nur für wenige Producte in Betracht, und aus klimatischen Gründen wird Palästina gegenüber Nordsyrien stets einen nach Wochen zählenden Vorsprung haben. Aber auch für Zierpflanzen wird Palästina ein Exportland werden können, das für Osteuropa gewiss mit der Riviera und Algier wird concurrieren können; selbst für die Gultur der jetzt im Winter so beliebten und dauernd haltenden Blumen eignet sich Palästina, kommen doch einige der schönsten Pflanzen dieser Art, z. B. die blauen Statices und Immortellen dort sogar wild vor. Auch eine Menge wichtiger Gewürze und Medicinalstoffe Hessen sich in Palästina mit gleichem Erfolge cultivieren, wie nur irgendwo im Mittelmeergebiete. Es wird auch dem Laien aus dieser flüchtigen Skizze klar werden, da s Palästina eine Unmenge von wirtschaftlichen Keimen enthält, die zur Entwicklung gelangen könnten. Wird es geschehen? — Falls das jüdische Volk ernstlich will, unbedingt und auch bald. Denn hierzu brauchen wir nicht erst von den europäischen Mächten autorisiert zu werden, die in Frage kommenden Gulturen sind bis auf das Zuckerrohr sämmtlich solche, die keinerlei besondere Sicherheitsgarantien zur Voraussetzung haben, es sind lauter Culturen, deren Einführung auch die türkische Regierung mit Freude begrüssen wird. Ist das jüdische Volk mündig, so kann es sofort beginnen, aber nicht mit kostspieligen Versuchen im grossen, sondern wie es sich für Ritter des Geistes ziemt, mit wohldurchdachten Experimenten im kleinen. Erst wenn diese gelingen, darf man an die Begründung grosser Pflanzungen herantreten;- das vorderhand Wichtigste ist die Einrichtung einer landwirtschaftlichen Versuchsstation in Palästina, die im engsten Geistesaustausch mit den gleichen Institutionen der westlichen Gulturmächte nicht nur die Landwirtschaft Palästinas heben wird, sondern auch den massgebenden Kreisen der Culturvölker den Beweis liefern wird, dass es den Juden ernst ist mit der wirtschaftlichen Hebung des Landes, dass sie hierfür keine Opfer scheuen, und nicht nur durch Gebete, sondern durch intensive und ernste Arbeit im Sinne moderner Technik und Wissenschaft den Boden hierzu vorbereiten. Jetzt, wo die bisherige Golonisationsarbeit in Palästina, die Gründung neuer Ackerbaucolonien, zu einem Stillstand gelangt ist, wo demnach die Colonisations- G&sellschafton eine freie Bahn vor sich sehen, wo ferner der Zionismus beginnt, sich intensiv mit der wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas zu beschäftigen, jetzt oder nie ist die Zeit gekommen, durch vereinte Arbeit diese Versuchsstation in Palästina, dieses Fundament künftiger besserer wirtschaftlicher Entwicklung ins Leben zu rufen. Hic Rhodus, hic salta! Unsere Arbeit. Der Zionismus hat in der ganzen Welt Vereine — Besatzungen zum Kampfe gegen die Invaliden. Seil wer wird es, einen Feind zuerst zu besiegen um ihn dann für den eigenen Dienst zu gewinnen. Aber wir wissen, dass es geschehen lmiss. Im Gegensatz zu einer Feldarmee werden wir desto schneller marschieren, je grösser unsere Zahl ist. Juda muss zuerst geeinigt werden, damit es sich befreien kann. Die Gunst der öffentlichen Meinung bei den Niehtjuden ist für uns ein mächtiger Hebel; seine Stärke wird zugleich mit der unseren wachsen. Und die Fatalität; ohne die das Idealste über den Idealismus nicht hinauskommt* das Geld, hat noch nicht durch seine Menge bei uns jene Allmacht erreicht, die wir ihm wünschen. Und sollte man nicht glauben, dass beides, die Zahl der Menschen und des Geldes, durch ein einfaches Schneeballen System auf die Höhe der Notwendigkeit gebracht werden könnte? Ein ganz kleiner Junge kann's berechnen: Wenn jeder Zionist jedes Jahr noch einen Mitstreiter, eine Actie und einen Schekel brächte, so würde in längstens 8 Jahren der letzte Jude Zionist geworden undunsere Bank sechsfach überzeichnet sein. Vorausgesetzt ist, dass der Gewonnene ebenso weiter arbeiten würde wie sein Eroberer. Und vielleicht, möchte man glauben, könnten wir diese Zukunftsmusik noch mit eigenen Ohren wahrnehmen angesichts der idealen Forderungen, für deren Erfüllung wir agitieren. Propaganda des Zionismus treiben, heisst von den Juden verlangen: Im Namen der Menschlichkeit, dass ein jüdischer Bruder den anderen nicht verhungern lasse; im Namen der Ehre, dass ein Jude niemandem nachkrieche und ihn um Duldung bettle; im Namen der Freiheit, dass das jüdische Volk sich besinne* wie es vorzeiten leuchtend dastand in Krieg und Frieden und seine Zukunft würdig seiner Vergangenheit zu gestalten strebe. Diese Hauptforderungen und ihre Neben erfordernisse bei den vom allgemeinen politischen Niedergang ergriffenen und. von persönlicher Noth gedrückten Juden zur Wirklichkeit umzusetzen, ist eine politische Athletenarbeit, der nicht genug Kräfte gewidmet werden können. Der Stand des heutigen Zionismus ist zu vergleichen mit dem eines Künstlers, der um Ruhm und Rainen kämpft und der sein Bestes in eine theilnahmslose Welt hineinwirft; langsam erst beginnen die Zeiten, wo er von der grossen Oeffentlichkeit entdeckt und dann mächtig gefördert wird. Uni das herbeizuführen, muss er mit etwas Schönem, Neuem und Grossem auf die Welt einzuwirken suchen. Das Schöne, das Neue haben wir auf den Plan gebracht; wir müssen es gross und so seine Wirkung desto ergreifender machen. Dazu ist niemand anders berufen, wie am Congress klar gesagt wurde1, als die Zionisten selbst, als ihre Kampf- und Werbestationen, die Vereine. Was sie dem Zionismus geben und ihm zuführen^ das hat er, so gut als sie arbeiten, geht er vorwärts. Er ist ein Rumpf, der sieh durch unzählige Fangarme ernährt; er wächst mit der Zahl und Grösse dieser Arme. Es sind also die Vereine selbst der Sitz, ihre Leitung der Wächter eines Heiligthimis: Der Kraft des Zionismus. Durch unsere nationale Werbearbeit wollen wir Mitarbeiter gewinnen, nicFt so sehr Leute, die mit dem gegebenen Groschen ihr nationales Pflichtgefühl erledigen. Nicht als ob wir verkennen würden, dass unser Weg nachhause mit runden Steinen wird gepflastert sein müssen; aber wir verlangen wenig vom armen Juden3 nicht so viel, als ein organisierter Arbeiter leisten muss3 wir wollen das wenige aber von allen, wir wollen, dass das Volk sich selbst die Mittel zur Freiheit stelle. Die Masse soll uns bringen, was noththut, aber die Masse muss erst gewonnen werden. Deshalb geht unser Streben dahin, für unser riesiges Arbeitsfeld Arbeiter in Unzahl zu gewinnen, kleine Arbeiter mit leichter Arbeit. Jeder Zioni?tmöge in einem ganzen Jahre einen, sage einen Juden zu uns herüberbringen. Dazu aber ist es nothwendig, die Leute nicht nur zu gewinnen, sondern auch innerlich als Zionisten zu vertiefen. Wessen Herz der Freiheit voll ist, dem geht der Mund als Agitator leicht über. Es ist eine notorische Xhatsache, dass der Durch sehn ittsbürger über Familie und Er-