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Die Welt · 1902-02-07 · 6 (7.2.1902) · p. 14

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
6 (7.2.1902)
Article
Jozef Israels
Date
1902-02-07
Page
14 (sequence 1)
Language
German
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Seite 14 „D«e VVeW< Jozef Israels. Von Max Liebermann. Ueber den grossen holländischen Maler Israels hat sein gleichfalls berühmter Kunst- und Stammesgenosse Max Liebermann, der gegenwärtige Präsident der Berliner „Secession". eine kritische Studie veröffentlicht, der wir Nachstehendes entnehmen : „Israels steht heute in seinem 76. Lebensjahre . . . Er ist aus den kleinsten Verhältnissen emporgewachsen. Mühevoll musste er sich in Amsterdam, wo er sich nach seinen Wanderjahren festsetzte, mit Porträtmalen seinen Unterhalt verdienen. Auch darin Rembrandt ähnlich, wohnte er im Juden viertel, und oft genug, wenn er an dem Hause vorübergieng, in dem sein grosser geistiger Vorfahre gewohnt und gearbeitet hatte, wird er sich aus seiner Misere zu ihm emporgerichtet haben-. . . Er selbst wurde Israels erst in einem Alter, in dem die meisten Maler bereits ihr Bestes geleistet haben, und wenn er das Unglück gehabt hätte, in seinem 40. Jahre zu sterben, wäre Holland um einen seiner Söhne ärmer! Bis zu seinem 40. Lebensjahre malte er — wie die anderen: Bilder aus der holländischen Geschichte, ja sogar einen Luther, die Bibel übersetzend. Erst in den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts hat er sich selbst gefunden. In Zandvoort, einem kleinen Strandort in der Nähe Harlems, fieng er an, das Leben der Fischer zu malen; zuerst mit etwas sentimentalem Beigeschmack. Aber von der Sentimentalität arbeitete er sich bald zum wahren Gefühl durch und schafft nun die Werke, die ihn zum grossen Meister stempeln, Werke von einer Innigkeit der Empfindung, von einer monumentalen Grösse, von einer Breitzügigkeit der Composition, die man nur noch bei Mille t findet; wie er denn der einzige ist von allen Malern desXIX. Jahrhunderts, der dem grossen Franzosen an die Seite gesetzt werden dürfte. Beiden gemeinsam ist ein gewisser sacerdotaler Zug. Die Kunst ist ihnen Religion, daher der friedliche Ernst, der aus ihren Bildern spricht. Weil sie aus Ueberzeugung gemalt sind, wirken sie überzeugend. Beiden gemeinsam die Schlichtheit und Einfachheit, das Höchste, aber auch das Schwerste in jeder Kunst . . , Ohne Rembrandt auch nur im mindesten etwa in den äusseren Mitteln nachzuahmen, haben Israels' Bilder einen Gesammtton, der an seinen grossen Landsmann erinnert. Israels liebt die Dämmerung; das Enveloppierte zieht er dem Bestimmten vor, das Träumerische der Abendstunde der grellen Sonne, das Geheimnisvolle, das uns mehr ahnen als sehen lässt, in einer nur ihm allein gehörenden Technik: kaum ein fester Strich am Bilde, nichts Materielles, alles durchgeistigt, keine Farbe, alles Ton; das Ganze mehr an die I>einwand hingehaucht als gemalt . . . Je naturalistischer eine Kunst sein will, desto weniger wird sie in ihren Mitteln naturalistisch sein dürfen. Der Darsteller des Wallenstein, der — wie bei den Meiningern — im echten Koller und in Reiterstiefeln aus der Zeit auftritt, macht nicht etwa dadurch einen wahren Eindruck: der Schauspieler muss seine Rolle so spielen, dass wir glauben, er stecke im echten Koller und in Reiterstiefeln. Israels wirkt naturalistischer als unsere Genremaler, nicht obgleich, sondern weil er weniger naturalistisch malt als sie; was wir umso deutlicher sehen können, als er sich oft im Sujet mit ihnen begegnet. Nehmen wir zum Beispiel die „Salomonische Weisheit" von Knaus — eines der raeist bewunderten und mit *) Jozef Israels, Kritische Studie von Max Liebermann. Berlin, Bruno Cassirer 1902. Die Studie ist bereits in zweiter Auflage erschienen. Aus Anlass des 76. Geburtstages von Jozef Israels und seiner Ernennung zum Ehrenmitgliede der Berliner Secession reproducieren wir diesen Artikel. Die Red. .Recht, bewunderten Bilder, der deutschen Genremalerei — und daneben Israels' „Ein Sohn des alten yolkes*. Knaus zeigt uns einen alten Juden* wie er-sein Enkelkind in die Geheimnisse des Trödelhandwerks einweÄ: *köstliche Figuren, jeder kleinste Zug, jede Bewegung der Natur abgelauscht und bis in die feinsten Details wiedergegeben. Bei Israels dagegen nur eine Figur: ein armer Jude, ein^ fach, ohne jede Bewegung vor seinem Trödlerladen sitzend. Das ganze Bild liegt in dem Ausdruck des Kopfes, alles andere durch ein paar Farben flecken kaum angedeutet. Aber in dem Antlitz des Mannes, der, die Hände in ein-andergefaltet, ruhig dasitzt, verspüren wir den tausendjährigen Schmerz, von dem Heine' singt . . . Mit der ganzen Innerlichkeit seiner Rasse versenkt sich I s r a e 1 s in die Natur, dorthin, wo sich die Aeusserungen des Gefühlslebens am naivsten zeigen : in das Leben der Armen und Elenden. Wohl mit Voreingenommenheit für sie, aber nicht etwa in tendenziöser Weise wie der politische Parteigänger. Israels schildert die Mühe und Arbeit, wie der Psalmendichter, der das Leben köstlich nennt, wenn es Mühe und Arbeit gewesen. Aus Israels spricht Versöhnung, etwas von der heiteren Ruhe des Philosophen, der alles verzeiht, weil er alles versteht. Nichts liegt Israels ferner als die Brutalität, und fast sind wir geneigt, in der Epoche von Bismarck und Nietzsche einen gewissen Zusatz von Brutalität für ein notwendiges Ingredienz des Genies zu halten Israels ist kein Uebermensch, und — was heute seltener — er will keiner sein. Mensch sein genügt ihm . . .a So weit Liebermann. Nach dieser Schilderung aber begreifen wir, dass Israels als Jude Zionist ist, und sind stolz, ihn den Unseligen nennen zu dürfen. Zweierlei Juden. Roman von Max Viola. (Fortsetzung.) Er hatte einen Blick aus ihren schönen Augen erhascht, und nun zog er lächelnd aus dem Städtchen hinaus. Neben der Landstrasse schlängelte sich im Wiesengelände ein schmaler Fussweg, auf diesem schritt er dahin, munter, unbefangen, den Hut in der Hand, die Stirne dem angenehmen Windhauche bietend. Er freute sich dieses einsamen Spazierganges; es that ihm wohl, nach dem endlosen Lärm der Hauptstadt, keinen einzigen Menschen und nur grünende Wiesen, blühende Hecken und den fast wolkenlosen hellblauen Himmel zu sehen. Er athmete aus tiefer Brust und hätte stundenlang in dieser Einsamkeit dahin schreiten mögen, doch schon nach einer kurzen Strecke bemerkte er die Pappeln, welche das Ebersdoifer CastelJ umgaben. Nun begann ihn in Gedanken die Gräfin zu beschäftigen. War sie eine schöne Frau? Würde sie ihn freundlich empfangen? Nun, sie mochte es halten nach Belieben. Nach einer weiteren halben Stunde befand er sich vor dem Eingange zum Park. Die niedere Holzthüre gab dem Drucke seiner Hand nach, er befand sich auf,einem Gartenwege, der «von Bäumen und Gebüschen eingesäumt war und sich nach links und rechts verzweigte. Im Hintergrunde, umgeben von hundertjährigen Pappeln, befand sich das Castell, ein langgestreckter, ruhiger Parterrebau. Er blickte um sich : nirgends ein Mensch zu sehen. So schritt er auf das Haus zu. Er betrat die Flur und.fand eine offene.Thüre, die in die Küche führte. Eine ältere Frau und ein junges Mädchen hantierten darin, und auf seine Frage nach der Frau Gräfin trocknete das Mädchen seine Hände und kam heraus, um ihm den Weg zu weisen. Es führte ihn hinter das Castell. Unter einer grossen Linde stand eine Bank ~ dort sass die Gräfin und las. Eine schlanke Dame von schöner Gestalt, das Antlitz hübsch, doch die Augen kühl und abweisend. Sie blickte bei seinem Erscheinen auf. Er verneigte sich und zog den Hut. „Verzeihen Sie, Frau Gräfin," begann pr, „dass ich, ein gänzlich Unbekannter, hierher dringe, aliein ich habe eine wichtige Botschaft zu uberbringen. Mein Name ist Paul Rosenstein. Ich komme im Auftrage meines taters". „Im Auftrage Ihres Vaters? Ich wüsste nicht ♦ . . .? Ich habe nicht das;. Vergnüg&v Ihren1 Vater zu ^kennen." r: " 'Hien?f?uTrnufß<-u ........j 'doH

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