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Die Welt · 1902-02-07 · 6 (7.2.1902) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
6 (7.2.1902)
Article
Eine Toynbee-Halle in Prag
Date
1902-02-07
Page
12 (sequence 1)
Language
German
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Seite U „Die # Welt06 Nr. 6 ^>Hbüi)e. Eine Toynbee-Halle in Prag. Am 15. d. M. fand in Prag die constituierende Versammlung des Vereins zur Gründung einer Toynbee-Halle statt. Den Vorsitz führte Herr JüDr. Kohr Herr Dr. Moritz Kolm erläutert die Ziele dieser Volksheime* deren Gründer in Oesterreich Herr. Professor Dr. Leon Kellner in Wien ist. Ausser der isr. Cultusgenieinde haben folgende Vereine der Halle ihre Unterstützung zugesagt: der Centraiverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten/Anke Jelmda, Kz Hadaas, Jüdischer Volksverein, Jüdischer Frauen verein., die akademische Vereinigung Bar Koehba. Fraternitas u. a. in. Den Ausführungen des Redners war zu entnehmen, dass der Verein auch eine Freilesehalle und Bibliothek gründen werde. Künstlerische, literarische und wis senschaftlicke Vorträge sollen ohne Entgelt geboten werden. Ein im Reach'schen Stiftungshause in der Altschulgasse gelegenes Locai wird die Cultusgenieinde-Kepräsentanz dem Vereine gratis überlassen: die Veranstaltungen dürften ehestens ins Leben treten. Herr Dr. L. Beliehener^ der als Delegierter der Cultusrepräsentanz erschienen war, sprach den. Wunsch aus. dass es dem neuen Unternehmen gelingen möge, nebst der Verbreitung der Bildung auch eine Nivellierung der Standesunterschiede zu schaffen. Auch Herr Rabbiner Dr. Kisch sprach im selben Sinne. Gewählt wurden: Charlotte Angel, Dr. Ludwig Bendiener (Obmann), Hugo Bergmann, Rabbiner Dr. Aladar Deutsch, Dr. Moritz Kohn, Isidor Redisch, Sophie Roubitscliek, Simon Tewel es und Dr. Joseph Zalud. Zahlreiche Mitgliederanmeldungen sind bereits erfolgt. Nothruf aus Argentinien. HerrDr. Carl Lippe, Alterspräsident des I. Zionisten- Congresses, sendet uns folgende Zuschrift: Soeben bringt mir die Post einen Brief aus Argentinien, dessen Inhalt ein herzzerreissender Weheruf ist. Es wurden 10 Familien aus Jassy, lauter Maurer, Zimmerleute, Arbeiter etc. dorthin als Colonisten befördert. Schon die Beschreibung ihrer Reise ist im höchsten Grade mitleiderregend. Als sie nun an ihrem angeblichen Bestimmungsorte anlangten — ein Mädchen war auf der Reise gestorben — erklärte der Verwalter, er habe keinen Auftrag zu ihrem Empfange. Endlich hat man die Leute doch aufgenommen, aber man verhält sie zu den schwersten Arbeiten, wie Ausgrabungen von Baumwurzfdn, Lehmkneten etc., um den Bettel von 40 Centimes täglich (die Knaben erhalten nur 30 Centimes!) Sie rufen mich um Hilfe an, aber auf welche Weise soll ich ihnen helfen? Soli ich mich an Herrn Narcisse Leven wenden? Soll ich einen Aufruf in hiesigen Blättern erlassen? Rathen Sie mir! Zangwills Antrag, Protest gegen die „Icaß zu erheben, liess der Präsiden' des Congresses aus formellen Gründen nicht zur Abstimmung zu. Uebrigens liegt in der Rede Zangwills selbst ein entschiedener Protest. Den an mich gelangten Brief aus Argentinien liess ich im hiesigen Zionsclub verlesen : das Gleiche werde ich in der B'ne B'rith-Loge thun. Was könnte sonst noch geschehen? Herr Dr. Carl Lippe ersucht uns ferner, Folgendes mitzutheilen: Auf die mehrfachen mündlichen und brieflichen Anfragen, ob und wo ich meinen im Beth-Hamidrasch in Basel am 28. December 1901 gehaltenen Vortrag: „Der Zionismus im Lichte des gesetzestreuen Judenthums" zum Drucke befördern werde, bringe ich den Fragestellern zur Kenntnis, dass dieser Vortrag nicht im Drucke erscheinen wird, da dessen Inhalt einer Schrift entnommen ist, die ich innerhalb Jahresfrist unter dem Titel: „Meine 25jährige Agitation im Zionismus" zu publicieren gedenke. An die Organisationen und Gesinnungsgenossen! In unserer bisherigen Propaganda machte sich der Mangel einer geeigneten Agitationsbroschüre sehr fühlbar. Das gesprochene Wort, so wichtig es an und für sich ist, verhallt zumeist im Lärm der gegensätzlichen Meinungen wirkungslos, wenn nicht dem Versammlungsteilnehmer eine Broschüre — gleichsam als zionistischer Begleiter — mitgegeben wird. Diesem Mangel soll nun durch eine Broschüre von unserem verehrten Führer Herrn Doctor Max Nordau. welche das Baseler Programm und die zionistischen Bestrebungen in glänzender Weise klargelegt, abgeholfen werden. Die Broschüre, „Der Zionismus" betitelt, befindet sich bereits im Drucke des Ersten Jüdischen Buch- und Kunstverlages und ist um den Preis von tQ Hellern erhältlich. Bestellungen sind an das österreichische Landes-Comit6, IX., Türkenstrasse Nr. 9 und den Ersten Jüdischen Buch- und Kunstverlag, derzeit Brünn, Krautmarkt 11 zu richten. Gleichzeitig bringen wir den Gesinnungsgenossen zur Kenntnis, dass in dem genannten Verlage demnächst im Auftrage des Landes-Comites auch eine Neuauflage des „Judenstaat" erscheinen wird. Mit treu zionistischem Grusse Das österreichische Landes-Comite. An die zionistische Studentenschaft Wiens! Wir haben in der vorigen Nummer der „Welt" die Notwendigkeit der Gründung einer Vereinigung der nicht inv;orporierten zionistischen Studenten Wiens dargelegt und wiederholen unsere Aufforderung, der Finken-Organisation beizutreten. Die für Samstag den 8. d.M. anberaumte Besprechung findet Dienstag den 11. Februar im Restaurant Wendlinger, IX., Seegasse, statt. Anmeldungen und Anfragen sind zu richten an Rudolf Nassau, L, Universität. Das vorbereitende Comite. Anregungen für den Jüdischen Nationalfonds. Wir erhalten folgende Zuschrift: Sehr geehrter Herr Redacteur! Vor Monaten glaubte ich, ich wäre ein vielbeschäftigter Arzt. Der Jahresabschluss hat mich aber einigermassen enttäuscht. Nicht, das« sich die effective Zahl meiner Patienten verringert hätte, im Gegentheil, aber die wenigsten bezahlen die ihnen zugeschickte Rechnung. Es sind dies Verwandte, Freunde, Studiencollegen, flüchtige Bekanntschaften mit dem Erschwerungsgrunde, dass sie Zionisten sind. Sie finden es ganz unbegreiflich, ja mehr, für empörend, dass sie für die liebenswürdige Bereitwilligkeit, mit der sie sich von mir behandeln liessen, noch zahlen sollen. Wozu hat man denn dann einen Verwandten, Freund oder Gesinnungsgenossen als Arzt, wenn man für ärztliche Behandlung noch zahlen soll? Ein Einwand gegen diese Beweisführung ist unmöglich. Das wissen alle meine Collegen. Nun gibt uns aber, wie'ich glaube, die jetzt überall aufgenommene Sammlung für den Nationalfonds ein Mittel in die Hand, die unentgeltliche ärztliche Ordination, die Armenpraxis selbstverständlich ausgenommen, einfür allemal abzuschaffen. Wer ein vermeintliches Recht auf kostenlose Behandlung hat, muss eine entsprechende Spende für den Nationalfonds machen. Die Höhe der Spende bemesse ich. Das ist eine ganz nützliche Exploitierung verwandtschaftlicher und freundschaftlicher Gefühle für eine gemeinnützige Sache. Ich empfehle sie allen meinen Collegen, die gleich mir von diesen Freundschaftsbeweisen erdrückt werden. Mit Zionsgruss Dr. -t. * Gesinnungsgenosse S. Sufrin in Jassy schlägt vor, bei freudigen und festlichen Anlässen statt der üblichen,. Absendung eines Telegrammes eine Spende für den Nationalfonds zu machen und die gekauften Marken an die betreffende Adresse zu senden. *

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