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Die Welt · 1902-02-07 · 6 (7.2.1902) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
6 (7.2.1902)
Article
Ueber die Zukunft der Cultur von Handelspflanzen in Palästina
Date
1902-02-07
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 6 ,DIe # Welt4t Seite 11 schiedenen palästinensischen Colonisations-Gesellschaften Europas haben mit ihren geringen Gapitalien zwar vielerlei angefangen, aber wenig zu Ende gebracht. Solche riesige Mittel, wie zu einer landwirtschaftlichen Colonisation im grossen Massstabe im bisherigen Stile erforderlich sthd, lassen sich überhaupt nicht durch Sammeln von Beiträgen herbeischaffen, sie können nur in der Form von Darlehen auf wirtschaftlich rationellen Grundlagen flüssig gemacht werden, und eine rationelle Basis hierfür ist vorläufig noch nicht erkennbar. Noch immer behaupten die jüdischen Bauern in Palästina, nicht zurückzahlen zu können, nicht nur die beim Weinbau beschäftigten, die ja durch die unrationelle Steigerung der Production sich wirklich in einem Nothstand befinden, sondern auch die Getreide bauenden. Ist die Zahlungsunfähigkeit der letzteren nun Wahrheit oder beruht sie nur auf Schein,1) jedenfalls muss die Thatsache jeden abschrecken, der sonst wohl geneigt sein würde, durch Pfandohjecte gesicherte Darlehen zu geben, da das türkische Recht hypothekarische Eintragungen in unserem Sinne leider nicht kennt.2) Auch die Jüdische Colonialbank wird wenig ändern können, selbst wenn sie erst Filialen in Jaffa, Haiffa, Jerusalem, Tiberias und Safed besitzen wird; sie würde ihren Actionären gegenüber nicht die Verantwortung tragen können, Geld zur Installierung von jüdischen Ackerbauern auf die Hoffnung unsicherer und zeitlich ganz ungewisser Rückzahlung hin vorzuschiessen. Soll nun die landwirtschaftliche Entwicklung Palästinas nicht zum völligen Stillstand gelangen, so muss man sich vor allem bemühen, Gulturen einzuführen, die den Gelddarleihern die Aussicht eröffnen, nicht erst in kaum absehbarer Zeit eine Rückzahlung der Darlehen zu erhalten, sondern möglichst schon im ersten oder zweiten Jahre. Hierzu eignen sich nun Nahrungspflanzen als alleinige Culturen überhaupt nicht, und von den Handelspflanzen nur solche, die schon im ersten oder doch spätestens im zweiten Jahre Ernten geben. Selbstverständlich wird es aus technischen Gründen dem Bauer in den meisten Fällen unmöglich sein, sich ausschliesslich auf die Cultur solcher Handelsgewächse zu werfen, da sich häufig nur ein Theil des Bodens dafür eignet, da ferner die Aüsnützung der Arbeitskräfte auf eine Verbindung mehrerer Gulturen miteinander hinweist und endlich die unberechenbaren klimatischen Factoren es an und für sich räthlich erscheinen lassen, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Der Tabak liefert, wie wir aus den in Galiläa in jüdischen Colonien gemachten Erfahrungen wissen, in Palästina ein vorzügliches. Product, das flotten Absatz findet und gute Preise erzielt.3) Es war das kaum anders zu erwarten, da der syrische Tabak sich in der ganzen Welt eines guten Rufes erfreut und als türkischer resp. ägyptischer Gigarettentabak geradezu berühmt ist. Wenn auch bisher der meiste Tabak aus dem nördlichen Syrien stammt — der Tabak wird ja auch vielfach nach der nordsyrischen Stadt Latakia ') Es wäre zweifellos von der grössten Bedeutung, wenn man hierüber durch energische Schritte der Gläubiger bald Aufklärung bekäme, obgleich dies von den allzu „wohlthätig" denkenden Colonisations-Gesellschaften kaum zu erwarten ist. 2) Dass' die „Jewish Colonization Association" gleichfalls, trotz ihres relativ grossen Capitals, nicht willens ist, noch fernerhin grosse Geldmittel in landwirtschaftliche Colonien Palästina hineinzustecken, übrigens in Bezug auf dj^rHftuptthßil iiireSjCaM dalulst,Ädtfr1fteTliiniMglictf bSlFännPsiein und ist; gerade in letzter Zeit durch Verweigerung der Beihilfe an die Cölönisationsvereine zur Sanierung der Colonie Machnajim in besonders greller Weise illustriert worden. benannt — so war doch gar nicht einzusehen, warum derselbe nicht ebenso gut in dem klimatisch und geologisch so ähnlichen Südsyrien mit Erfolg cultiviert werden sollte. Da sich ausser der Umgebung des Meromsees zweifellos noch viele Gebiete in Palästina werden finden lassen, die sieh für den Tabakbau vorzüglich eignen, so werden wir bald im Tabakbau eine Cultur ersten Ranges in Palästina besitzen. Die Vorzüge des Tabakbaues gerade für Palästina liegen auf der Hand. Erstens beschäftigt derselbe ungefähr die sechsfache Zahl Hände, wie ein gleich grosses, dem Getreidebau gewidmetes Areal. Für einen mit Getreide bebauten Hektar rechnet man 40, für einen mit Tabak bebauten 240 Arbeitstage. Man braucht also weniger Land für die einzelne Familie, und ausserdem finden Frau und Kinder gleichfalls hierbei ihre Beschäftigung. Zweitens erfordert der Tabakbau ziemlich viel Sorgfalt, ist also in hervorragendem Masse geeignet für eine intelligente Bauernbevölkerung, wie es die jüdische ist. Drittens lässt sich Tabak jahrelang auf dem gleichen Boden cultivieren, ohne Brache oder Wechselwirtschaft zu erfordern. Viertens kann der Tabak an Ort und Stelle zu einer Gigarettenindustrie verwertet werden, die viele Hände beschäftigt, aber weder theure Maschinen, noch feststehende Fabriken erfordert, es ist also diese Industrie im höchsten Masse für Städte wie Safed, Tiberias und Jerusalem geeignet, und vermag durch ihre Beweglichkeit leicht den Chicanen erpresserischer oder übelwollender Beamten zu entgehen. Weit schwieriger schon ist die Einführung einer grösseren Baumwoll-Cultui in Palästina. Da die Baumwolle im Mittelmeergebiete fast überall eine mehrmalige Bewässerung erfordert, so sind die für diese Cultur geeigneten Gegenden in Palästina relativ beschränkt In der Küstenebene lässt sich freilich fast überall genügend Wasser durch Brunnen schaffen, doch ist die Anlage derselben kostspielig und jeder Brunnen genügt auch nur für ein kleines Areal. Wie geschaffen zum Baumwollbau ist hingegen ein Theil des Jordanthaies, falls man das Recht erhält, den Jordan zur Berieselung der Felder abzuleiten. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, dass dieses erreicht wird und dann ist auch eine blühende Baumwoli-Cultur in Palästina zu erwarten. Freilich müsste bis dahin auch die Eisenbahn von Haiffa bis ins Jordanthal vollendet sein, denn erst dann wird man den grossen und voluminösen Export in.billiger Weise bewältigen können. Auch eine Verarbeitung der Baumwolle in Spinnereien und Webereien wird man dann später erwarten können, voiiausgesetzt, dass die Türkei nicht wie bisher jede grossindustrieile Entwicklung unterbindet und dass sie ferner gestattet, die grossartige Wasserkraft des Jordan zum Betriebe der Maschinen zu verwerten. Immerhin wird es bei den billigen Arbeitskräften auch möglich sein, durch eine sicli rentierende Hausindustrie einen Ersatz für die Grossindustrie zu schaffen, oder auch die orientalische Weberei mit einfachen Stühlen, wie sie schon in der Handwerkerschule der Alliance in Jerusalem mit Erfolg betrieben wird, weiter auszubilden und zu verbreiten, in ähnlicher Weise, wie es ja schon mit der Seide in der jüdischen Golonie Rosch-Pinah geschieht. (Schluas folgt-) 3) Wie Zangwill in seiner Rede Xjp. Articl^-.Glub angibt, verdienten die Pflanzer hiermit zwanzigmal menr, als "mit Getreide.

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