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Die Welt · 1902-02-07 · 6 (7.2.1902) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
6 (7.2.1902)
Article
Seife und Seifen-Ersatzstoffe in Syrien
Date
1902-02-07
Page
10 (sequence 1)
Language
German
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Seile 10 „Die & Welt6' Nr. % Seife und Seifen-Ersatzstoffe in Syrien. Die Seifenindustrie ist in Syrien nicht unbedeutend, obgleich Toilette- und Rasierseife meist vom Auslande bezogen werden. Grosse Seifenfabriken gibt es in Nabulus, Haifa und Tripolis. Eine sogenannte Mount-Carmel-Seife wird von einer amerikanischen Firma in Haifa hergestellt und erfreut sich eines guten Absatzes in den Vereinigten Staaten. Olivenöl wird in erheblichen Mengen nach Syrien für die Seifenfabrication eingeführt. Zum Waschen von Wollstoffen verwendet man in Syrien in ausgedehntem Masse die Seifenwurzel (Wurzel der Saponaria officinalis, arabisch „Shursh-halawy" genannt) bei deren Gebrauch die Stoße nicht einlaufen sollen. Vortheilhafte Verwendung findet sie auch in Baumwollfabriken, da sie den Vorzug hat, Farben nicht anzugreifen. Wie es den Anschein hat, lohnt es sich, diese Wurzel zu exportieren. In Ballen gepresst, würde sie sich mit Leichtigkeit transportieren lassen. Auskunft über diese Ware ertheilt die Firma H. Sabbay & Söhne in Beyrut (Syrien). Ferner gewinnen die Araber aus der Asche des Strauches „ushran", der zur Pflanzengattung „Salsolaceae" gehört, eine Art Soda, die aufgelöst ein sehr gutes Reinigungsmittel abgibt. Zum Waschen von Kleidungsstücken wird dort vielfach eine Lauge gebraucht, die durch Aussaugen von Holz und Holzkohle gewonnen wird. Sesamöl, das daselbst unter dem Namen „Serey" bekannt ist, wird im allgemeinen zum Reinigen des Gesichtes und Körpers benüzt, auch wird esin Syrien gegen verschiedene Hautkrankheiten angewendet. Möge die Colonialbank, die demnächst eine Filiale in Palästina eröffnen wird, auch auf dieses Gebiet ihr Augenmerk richten. Mit Zionsgruss J. Hurwitz, Seifenfabrikant, Lodz, Milschstrasse 10. Ueber die Zukunft der Cultur von Handelspflanzen in Palästina. Von Universitäts-Piofessor 0. Warburg (Berlin). Von so fundamentaler Wichtigkeit auch der Anbau von Nährpflanzen für das wirtschaftliche Gedeihen der asiatischenTürkei und speciell Syriens inclusive Palästinas unzweifelhaft ist, und so vorzüglich sich gerade jene Länder auch für den Getreidebau eignen, speciell für Gerste und Weizen, die dort ihre Urheimat haben und wahrscheinlich auch dort zuerst dem geregelten Ackerbau zugeführt worden sind, so lässt sich doch andererseits nicht leugnen, dass gerade die eigenthümlicheuWirtsehafts- und Bevölkerungsverhältnisse Palästinas, wie übrigensauch die des Libanon, auf die Pflege anderer und zwar ergiebigerer Culturen mit zwingender Notwendigkeit hinweisen. Ich beziehe hier absichtlich das Libanongebiet mit in die Betrachtung, weil es in gewissem Sinne vorbildlich für die Entwicklung Palästinas sein wird. Dort haben wir ein relativ stark bevölkertes Ländchen, das sich infolge der Autonomie*) des Districtes wirtschaftlich so gut entwickelt hat, wie es seine, durch die Kleinheit des Gebietes beschränkten Hilfskräfte und seine Gebundenheit an die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung der Türkei nur irgendwie zulassen. Jeder, derPalästina vorher besucht hat, ist im Libanon geradezu '!,„• *) ßeiaijnälch%^rtf^;naW den Meteel§ien des Jahres 1860 der Libanon als selbständiges Paschalik von Syrien abgetrennt und unter der Controle der westlichen GrossmKo.nte einem christlichen Gouverneur unterstellt. erstaunt über die intensive Ausnützung des Bodens der theilweise sehr steilen Berge, und zwar zu Anpflanzungen, die in Palästina nur an wenigen begünstigten Orten in kleinem Massstabe betrieben werden. Er entdeckt aber bald, dass es sich hierbei nicht um Nährpflanzen, sondern ausschliesslich um Handelspflanzen handelt. Es sind vor allem perennierende Culturen, Maulbeerbäume, Feigen, Oliven und Wein; an manchen Stellen auch Tabak. Es ist bewundernswert, mit welcher Sorgfalt die Berge mit Terrassen versehen sind, wie die Erde der Terrassen von Steinen völlig befreit oder sogar, falls die dortige Krume nicht reichte, Erde von anderer Stelle hingetragen wurde. Der Besitz des einzelnen Bauern ist meist ein nur sehr kleiner, aber durch Fleiss und Sparsamkeit genügt er doch; viele junge Leute gehen jetzt jährlich nach Amerika, sie kommen aber meist nach einigen Jahren mit etwas Geld zurück, um sich dann mit dem drüben erworbenen kleinen Capital neue Terassen in der Nähe ihrer Dörfer anzulegen und sich ein neues Häuschen zu bauen. Auch den Wert des Waldes haben sie in Amerika kennen gelernt und bemühen sich, die für den Ackerbau nicht tauglichen Partien ihrer bergigen Heimat mit Pinien und Kiefern aufzuforsten, was ihnen auch vortrefflich gelingt. Vergleichen wir nun Palästina mit dem Libanongebiete, so finden wir im allgemeinen grosse Aehnlichkeiten. Die gleichen geologischen und klimatischen Factoren herrschen in den beiden Ländchen. Die Berge des Libanon sind zwar etwas höher, daher im Winter schneereicher, die jährliche Regenmenge ist dort grösser, aber nur an der dem Meere zu gelegenen Westseite, und Palästina hat dafür weniger steile und, wenigstens in Galiläa, besser bewachsene Berge. Jedenfalls unterliegt es keinem Zweifel, dass auch die Berge Galiläas sich ebenso gut mit Pinien, Kiefern und Eichen werden aufforsten lassen, wie der Libanon, und auch für grosse Theile Judäas werden sich passende Bäume zur Aufforstung unschwer finden lassen. In Bezug auf die Ebenen ist Palästina sogar weit besser daran, als das Libanongebiet; abgesehen von der grossen fruchtbaren Ebene am Mittelländischen Meere (Ebene Saron etc.), abgesehen von den tief im Gebirge endigenden breiten Ebenen, die im Libanon kein Analogon haben, findet sich als mindestens gleichwertige Fortsetzung der sich zwischen dem Libanon und Antilibanon hinstreckenden, Bekaa genannten fruchtbaren Ebene, das schöne Ackerland zwischen dem See von Tiberias und dem Meromsee, und südlich daran schliessend die für wärmere Culturen so ausgezeichnet geeignete, und seit alten Zeiten fast gar nicht der Cultur erschlossene, durch den Jordan leicht bewässerbare grosse Ebene, die sich bis zum Todten Meer hin erstreckt. Die Bevölkerung Palästinas ist freilich bei weitem nicht so dicht, wie diejenige des Libanon, immerhin sind es nur die wirtschaftlichen Fragen, von deren Lösung ein rapides Anwachsen der Bevölkerung Palästinas abhängt; Menschen, die nur darauf warten, Palästina zu einem der best bevölkerten Länder zu machen, gibt es genug, es fehlt nur noch die wirtschaftliche Möglichkeit, daselbst zu existieren. Für jeden, der die Verhältnisse Palästinas einigermassen übersieht, unterliegt es keinem Zweifel, dass auch bei der jetzigen Art der jüdischen landwirtschaftlichen Colonisation die Zahl der jüdischen Dörfer noch um ein Mehrfaches gesteigert werden könnte, falls das hierfür nöthige Gapitel herbeizuschaffen wäre. Auf dem Bisherigen W^pif^;« nicht möglich; selbst einem Rothschild ist die Sache schliesslich^ über den Kopf gewachsen, und die Ter-

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