Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1902-01-31 · 5 (31.1.1902) · p. 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
5 (31.1.1902)
Article
Sterblichkeit und Krankheiten bei Juden und Nichtjuden
Date
1902-01-31
Page
13 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3315709-3315959-3315965-3318304--30338-3318399
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

,*Die & Welt" Seite 13 Erscheinung. An der Hand eines ganz ausserordentlich umfangreichen statistischen Materials wies Redner nach, dass die Mortalität bei Juden oft bis 50 Percent geringer sei als bei Nichtjuden. Die durchschnittliche Lebensdauer ist demgemäss z. B. für Frankfurt a. M. bei den Nichtjuden auf 37 Jahre, bei den Juden auf 483/4 Jahre berechnet. Die geringere Morbidität der Juden hat sich namentlich auch stets bei Epidemien gezeigt, und die Thatsache, dass sie unter der Pest und der Cholera wenig oder gar nicht zu leiden hatten, hat im Mittelalter jenes bekannte und folgenschwere Märchen von den Brunnenvergiftungen gezeitigt. Ebenso ist die Disposition der Juden zu Tuberculose schwächer. Dagegen rnuss die Erscheinung auffallen, dass die Juden percentualiter erheblich mehr zu Nerven- und Geisteskrankheiten inclinieren als die Nichtjuden, und das Gleiche ist gegenüber Blindheit1, "Kurzsichtigkeit u. s. w. der Fall. Die seltene Erscheinung der männlichen Hysterie ist bisher fast ausschliesslich bei Juden, speciell russischen Juden, festgestellt, wogegen Epilepsie und Paralyse wieder unter den Juden verhältnismässig seltener vorkommen als bei Christen. Die geringere Krankheitsneigung und Sterblichkeit, namentlich auch Kindersterblichkeit, bei den Juden erklärt der Vortragende nicht etwa, wie von anderer Seite vielfach behauptet wurde, aus der grösseren Wohlhabenheit der Juden (dagegen spricht vor allem, dass die gleichen Erscheinungen auch bei den unter ungünstigen socialen und hygienischen Verhältnissen lebenden russischen und polnischen Juden beobachtet wurden), als vielmehr aus der historischen Thatsache« dass die Juden von heute ein Product jahrhundertelanger „Auslese" darstellen, die unsägliche Leiden überstanden haben, und ferner aus der notorischen Massigkeit der Juden und ihrem innigeren Familienleben, wodurch die grossen, in ihren Wirkungen unberechenbaren Volksseuchen des Alkoholismus und der Syphilis aus ihren Reihen gebannt sind, während andererseits eine sorgfältigere Kinderpflege dadurch gewährleistet wird. Zum Ehrenmitglieäe der Berliner Secession ist der holländische Meister Josef Israels ernannt worden. fVus dei) \)ereii)*t). Voranzeigen. Wien. (Der j ü di s c h - n ati o n a 1 e Arbeiterverein) hält Samstag den 1. Februar in Herlingers grossem Saale, XIV.» Schwendergasse 1, sein Gründungsfest ab und lädt hierzu alle Gesinnungsgenossen und gesinnuiigsgenössischen Vereine ein. Karten im Vorverkaufe ä 50 Heller, an der Cassa 60 Heller sind zu haben bei allen Studenten - Vereinigungen, im „Allgemeinen jüdischen Arbeitervereine", XX., Traunfelsgasse 1, in der Toynbee- Halle, XX., Karajanlasse 20, bei Hei Herrn Inspector Ed eist ein, im Cafe* Fischer, IL, Schreigasse 13, im Cafe Neufeld, Mariahilferstrasse, bei Herrn H a s t e r 1 i k. VL, Windmühlgasse 39, und bei sämmtlichen Ausschuss- Mitgliedern. Die ursprünglich für den 6. Jänner lautenden Karten behalten ihre volle Giltigk e i t. Wien. Im „Jüdischen Verein jugendlicher Arbeiter", XX., Traunfelsgasse 1, findet Sonntag d^n 2. Februar 7 ühr abends ein Vortrag des Herrn Hugo Zuckermann statt. Gäste willkommen. Wien. (Gesangverein „Z i o n".) Der unter der Aegide des Einzelvereines „Fünfhaus* des „Zion" stehende Erste Wiener Gesangverein „Zion* fordert alle sangeskundigen und san^eslustigen Gesinnungsgenossen auf, diesem als Mitglied beizutreten. Die Ausbildung besorgt Chormeister Obercantor Schleifer und sind Anmeldungen schriftlich an den Obmann Albert Ehrlich, XV., Turnergasse 22, zu richten. Wien. (Jüdische Vereinigung „Jordani a", IL,Rembradtstrasse3.) Samstag den 1. Februar, 8 Uhr abends Discussionsabend: „Welche Anregungen und Beschlüsse des jüngsten Congresses bilden unser nächstes Arbeitsziel?u Referent: Gesinnungsgenosse Wilhelm Epstein. Gäste willkommen. Wien* (Literarischer Geselligkeits-Verein jüdischer Mädchen „Mori a".) Sonntag den 2. Febr. d. J., nachmittags um 372 Uhr, wird Herr Adolf Donath eigene Dichtungen vorlesen. Gäste, Damen herzlich willkommen. Die Vorlesung findet im Religionssaale der israelitischen Cultusgemeinde, L, Seitenstettengasse Nr. 2, II. Stock, statt. Berichte. Antwerpen. Hier hat sich ein neuer zionistischer Studentenverein gebildet. Ausschuss: L^on Rosenfeld Präsident; Jaques Brüll, GeneraUSecretär; O. Schapiro N. Scherteoff, David layersohn, Säckelmeister; O. Nissen bäum, A. Dienermann, Secretär; M,3 Platzmann. Bukarest. Verein „Moses M o n t e f i o r e" („ J o rriania*). Generalversammlung am 8. Jänner. Gewählt: Präses Herr Carol D. Silber st ein, Vice-Präses Herr Dr. P. Grü n b e r g und Herr M. Gottesfeld (zugleich Generalcassier), Schriftführer Herr Benedict Mihalovits und HerrPincuSil b erm a n n, Cassier Herr D. Schräger, Controlore Herr Israel Jancovits und Herr Leon Jacob, Rathsmitglieder Herren Pascu Silbermann, Mayer Fischer, Josef G oldstein, N. Abaza, Rubin Wechs eLberg. In Verbindung mit den Local-Sectionen „Rabbi A k i v a" und „Aghidas Zio n" schuf der Verein einen zionistischen Rede- und Discutier-Ciub. Präses: C. D. Silberstein, Schriftführer: Rubin Wechselberg. Kiew. Am 18. d. M. fand hier eine grosse zionistische Versammlung statt, in der die Kiewer Congress-Delegierten ihren Bericht über den V. Zionisten-Congress erstatteten. H-rr Professor M. Mandelstamm eröffnete die Versammlung. Herr Dr. Mandelberg erstattete sodann Bericht über den Congress und die ihm vorangegangenen Confei enzen. HerrL osinsky sprach über die Resolutionen, die vom Congresse angenommen wurden, insbesondere über den Nationalfonds. Schliesslich sprach roch Herr Zuck ermann über die Conferenz der studierenden Jugend. Eine Ergebenheits-Resolution, von Herrn Dr. Erlichmann eingebracht, wurde einstimmig angenommen. Nun las der Schriftsteller H. Rabbinowitsch (Scholom-Aleichem) eine neue, überaus geistreiche Skizze, die „Eine Actie der Jüdischen Colonialbank" betitelt ist. Zum Schlüsse sang Herr W arschawsky einige seiner trefflichen Volkslieder unter ClaVierbegleitung. Aus dem Publicum. Wien. (Bar-Kochba,) Montag den 13. d. M. wurde unser Mitglied Markus Wachsmann zum Doctor der Philosophie promoviert. , Frau O. Kadisch (IX. Grüne Thorgasse 31, Th. 4) hat eine modern geleitete Sprachschule für Französisch in mehreren Cursen eingerichtet. Schulgeld 3 bis 4 Gulden. Einschreibung von 11—3 Uhr. Lose Blätter. (Aus Galizien.) Von David Rothblum. Wohlthätigkeit. Als der Rabbi von Sanclec verschied, weinten und trauerten um ihn seine Treuen. Im Familienkreise erzählten die grauen Väter seine frommen Thaten, die Söhne horchten ehrfurchtsvoll auf und die kleinen Kinder erschauerten. Und in den Bethäusern scharten sie sich zusammen und theilten einander seine Grösse mit. Die einen erzählten: Er hätte Dinge vorausgesagt, die in der Tliat eintrafen. Die anderen: Es zitterten vor ihm die Fürsten des Landes. Niemand hätte ihm eine Bitte abgeschlagen. Er hat nur sprechen müssen und all seine Wünsche -gicngen in Erfüllung. Und noch andere: Er wäre bei allen Kathsversammlungen im Himmel zugegen gewesen. Und wieder andere: Er hätte sein ganzes Geld an Arme vertheilt. Da sass ein Greis und schwieg. . Und als niemand mehr vom Rabbi zu erzählen wusste, da begann er: „Und dennoch kennt kein einziger , von Euch seine Grösse . . . Ihr fasset ja gar nicht seine Heiligkeit . . . Ich will Euch eine kleine Geschichte von ihm erzählen." „■Wir wollen hören." „Ihr wisset ja, dass er den armen Witwen seiner Stadt einen wöchentlichen Gehalt zukommen liess. So manche Familie wäre ohne ihn zugrunde gegangen. Da war eine Witwe, der er fünf Gulden wöchentlich gab, denn sie hatte sieben Kinder. Da kam eines Tages der Gaboi*) und sagte: *) Eine Art Kammerdiener des Rabbi.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.