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Die Welt · 1902-01-31 · 5 (31.1.1902) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
5 (31.1.1902)
Article
[Kommentar]
Date
1902-01-31
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Se 'e 15 „Die # Welt" Nr»; 5 Heine in Rumänien. In der Halbmonatschrift „Aus fremden Zungen" schreibt Georg.Adam: Heine ist der bekannteste deutsche Dichter in Rumänien: nicht nur, dass von vielen seiner Dichtungen bereits mehrfache Uebersetzungen vorhanden sind, man singt dort auch allenthalben seine Lieder. Doch nur äusserst selten ist es den Uebersetzern gelangen, den Beiz und den Reichthum Heine'scher Poesie einigermassen getreu wiederzugeben. Die meisten vermochten nur Bruchstücke davon hinüberzuretten, die sie in eine mehr oder weniger gefällige Form zu kleiden verstanden. So erklärt es sich wohl auch, dass der Einfluss Heines auf die rumänischen Dichter verhältnismässig durchaus unbedeutend geblieben ist Die ersten Uebersetzungen erschienen bereits zu Lebzeiten Heines, in den Vierzigerjahren, zunächst in den Zeitschriften der Siebenbürger Rumänen. Hier sind als Uebersetzer zu nennen: Josif M any, Josif Vulcan, später P. D u 1 fu, AI Macedonschi, Bonachi und andere. In Rumänien selbst erschienen die ersten Heine-Uebersetzungen in den Sechzigerjahren, darunter solche von A. Pileski, Pencioin, N. Skelitti; wertvolle Uebertragungen, allerdings nur einzelner Stücke, lieferten J. Negruzzi und 0. Carp. Weit über der Masse der bisherigen Heine-Uebersetzungen steht nun als wirkliches Kunstwerk die neuerdings erschienene Sammlung des begabten jungen rumänischen Lyrikers St. O. Josif (Romante si ciatece de Heine. Traducere in versure de St. O. Josif. Bucarest 1901). Josif ist es gelungen, das Wesen der Heine'sehen Poesie in Inhalt und Form ganz in sich aufzunehmen, es in rumänischen Klängen lebendig wiedererstehen zu lassen und so den Rumänen den echten Heine zu geben. * In unserem Berliner Bruderblatte, der „Israelitischen Rundschau", finden wir folgende kurze und scharfe Abfertigung an die Adresse des bekannten Mainzer .,Israelit": rDas Mainzer Jesuitenblatt bringt in der Nummer vom 24. December einen „leitenden Artikel*'.,., in dem nicht mehr oder nicht weniger behauptet wird, als dass wir im Dienste der Judenmission stehen. Affectierte Heiligkeit und Verleumdungssucht scheinen miteinander unauflöslich verbunden zu sein. Im übrigen würde es schade um das Papier sein, wenn wilden vorsichtigerweise anonymen Verfasser des Elaborats einer Widerlegung würdigten." W*lr*iSbF©i)ik- Die grössten judischen Gemeinden. Laut den neuesten statistischen Zählungen, die, von Kleinigkeiten abgesehen, genau und zuverlässig sind, ist New-York'die grösste jüdische Gemeinde des Weltalls. Diese Hauptstadt der grossen amerikanischen Union zählt nicht weniger als 400.000 jüdische Mitglieder. Auf New-York folgt gleich Warschau, das fast zur Hälfte von Juden bevölkert ist: 250.000. Dann kommt Budapest mit 170.000, Wien und Odessa mit 140.000. London 120000, Berlin 106.000, Philadelphia 100.000, Paris, Amsterdam, Wilna, Lodz, Lemberg, Minsk, ßerditschew, Scbitomir, Witebsk, Kowno, Salonichi und Jerusalem mit je 50.000. Die „Frankfurter Zeitung" schreibt: Dr. Sigls Testament enthält laut „Bayrisch. Vaterl" ein Legat in der Höhe von 2000 Mark an den Münchener Journalisten- und Schriftstellerverein; jedoch hat Dr. Sigl daran die Bedingung geknüpft, dass von der Nutzniessung dieses Legates Preussen ausgeschlossen sind. Dürfen denn aber die von Dr. Sigl doch ebenso heiss geliebten Juden daran participieren? Man darf das wohl annehmen, da Dr. Sigl nach der „Münch. Post" einen jüdischen Rechtsanwalt zu seinem Testamentsvollstrecker bestellte. Jüdische Kolonisten i*i »Palästinß. Während der letzten 20 Jahre sind von Juden in Palästina 51 540 Hektar Land erworben und auf denselben 20 Dörfer und 13 Plantagen errichtet worden. In den Colonien leben in 708 nach europäischem Muster errichteten Steinhäusern 1205 Familien mit 4935 Seelen. 4340 Hektar sind dem Getreide-, 2307 Hektar dem Wein-, 1330 dem Obst- und 245 dem Gemüsehau gewidmet. Der Viehstand zählt 1575 Stück Arbeitsvieh, 1171 Kühe und 2586 Ziegen und Schafe. Die Einnahme der Winzer beträgt zwischen 610 und 245 Frcs. pro Hektar. Die Colonisten sind meist aus Russland eingewandert. (Prager Tagblatt v. 2. 11. 1901.) Vor wenigen Tagen wurde im Warschauer Kreisgericht (Okruschnoj Sud) in Gegenwart der Richter und Executoren das Testament des steinreichen Warschauer Juden Johann Stern eröffnet der am 25. December v. J. verschieden ist. Der Inhalt dieses Documentes, welches gänzlich im „Kurjer Warszawski" vom 13. Jänner a. c. abgedruckt ist, kann als Charakteristik der Toleranz jüdischer Millionäre dienen, die Dr. Max N o r d a u so meisterhaft in der letzten Congressrede geschildert hat. Dieses Vermächtnis charakterisiert zugleich auch unsere Warschauer Assimilatoren, die sogenannten Polen mosaischer Confession, deren Zahl in der letzten Zeit, dank der zionistischen Bewegung, beträchtlich abnimmt. Der Verschiedene hinterliess für Wohlthätigkeitszwecke 250.000 Rubel, von denen nur 20.000 Rubel für das jüdische Krankenhaus bestimmt sind, 10.000 Rubel zur Unterstützung polnischer, auf dem Gebiete der Wissenschaft thätiger, Schriftsteller. (Um die jüdische Literatur scheint sich Herr Stern blutwenig gekümmert zu haben.) Das Uebrige vermachte der Testator gänzlich der Warschauer Wohlthätigkeits-Gesellschaft mit der Bestimmung, das verschiedene Asyle „für Katholiken und Juden" errichtet werden. Betreffs der zu gründenden Asyle äussert der Verblichene er den Wunsch: 1. dass die Zahl der katholischen Kinder zweimal grösser sein solle als die der jüdischen; 2. dass zu Weihnachten und Ostern den Kindern Leckerbissen und Kleidungsstücke als Geschenke vertheilt werden. (Die jüdischen Kinder scheint der Verstorbene ganz vergessen zu haben; vielleicht wollte er ihnen aber ihr kummervolles Dasein nur an den katholischen Feiertagen versüssen.) An einer anderen Stelle dieses merkwürdigen Testamentes verordnet Herr Stern, dass, falls eines von seinen Lotterielosen die Summe von 75.000 Rubel gewinnt, die Zinsen hiervon zur Gründung eines Asyls „für arme Katholiken und Juden" verwendet werden, wenn die letzteren darauf eingehen würden, von der gemeinsamen christlichen Küche Nahrung zu empfangen. Auf dem Grabdenkmai wünscht Herr S t e r n seinen Namen nur in polnischer Sprache ausgehauen zu haben. A. F—n. Die Mineralschätze Palästinas. In Kirchhofes technischen Blättern schreibt ein deutscher Bergbau-Ingenieur: Wertvolle Mineral schätze sind kürzlich in Palästina entdeckt worden, so dass man mit Sicherheit prophezeien kann, dass das industrielle Erwachen des Heiligen Landes nicht länger ein Traum bleiben wird. Die neu entdeckten Mineralläger befinden sich zu beiden Seiten des Jourdans und des toten Meeres. Auch die Salzablagerungen der letzteren lassen sich industriell verwerten j das Wasser des toten Meeres enthält Chlor-Magnesium, . Brom-Magnesium und Kalisalz. Als das wichtigste aller palästinensischen Mineralien dürfte sieh das Phosphat herausstellen, dessen immense Läger östlich und westlich vom . Jordan nur bessere Transportmittel zu ihrer Ausbeutung beanspruchen würden. Sterblichkeit und Krankheiten bei Juden und Isichtjuden. Im „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" hielt an einem der letzten Abende in Königsberg Herr Dr. Hoppe vor einem sehr zahlreichen Auditorium einen interessanten Vortrag über „Sterblichkeit und Krankheiten bei Juden und Nichtjuden". Der Vortrag gründete sich im wesentlichen auf die Erfahrungen, die Referent in seiner langjährigen, nervenärztlielien Praxis erworben hat, und deckt sich zum Theil mit einem Aufsatz, der vor einiger Zeit aus seiner Feder in der „Medicin. Wochenschrift" erschienen. Die Thatsache, dass sich das Judenthum durch Jahrtaiisende fast unverändert erhalten, stehe fast ohne Analogon in der Geschichte da. Die Lebenskraft des Judenthuins trete denn auch in einer wesentlich geringeren Sterblichkeit und Krankheitsneigung in die

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