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Die Welt · 1902-01-31 · 5 (31.1.1902) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
5 (31.1.1902)
Article
An die zionistische Studentenschaft Wiens
Date
1902-01-31
Page
11 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 5 ,Die-$ Welt** Seite 11 An die zionistische Studentenschaft Wiens. Die Organisierung jener zionistischen Studenten, welche den bestehenden studentischen Organisationen an den Wiener Hochschulen nicht beitreten können oder wollen, ist heute mehr als je eine dringende Notwendigkeit. Der Mangel einer zionistischen Finken-Organisation bedeutet seit Jahren eine sehr fühlbare Lücke in' der Wiener zionistischen Studenten-Organisation und hat die bedauerliche Stagnation unserer Agitation in jüdischen Studentenkreisen mitverschuldet. Es ist leider eine unbestreitbare Thatsache, dass nicht nur die äussere Propaganda, sondern auch die innere Organisationsthätigkeit, die nationale Erziehungs- und zionistische Vertiefiingsarbeit in weiten Kreisen der Wiener zionistischen Studentenschaft sehr geringe Beachtung und Pflege fand. Diesem Uebel kann und muss ein grosser Studentenverein auf rein zionistischer Grundlage abhelfen. Seine Existenzberechtigung ist ausser Frage. Wer Sinn und Interesse für den Ausbau, der zionistischen Parteiorganisation, für die numerische Stärkung der zionistischen Studentenschaft und ihre innere nationale Ausbildung hat, muss die geplante Gründung einer Finken-Organisation gutheissen und mit allen Kräften unterstützen. Nur durch sie wird verhindert, dass viele zionistische Studenten, wie es heute schon geschieht oder von angeblich jüdisch-nationalen Halbassimilanten, „abgeklärten" Zionisten, demnächst versucht werden wird, auf dem Wege fauler Compromisse in nichtzionistischen, wenn auch rein jüdischen Studentenvereinen dem Zionismus verloren gehen, weil sie innerhalb der zionistischen Partei des Rückhaltes einer festgefügten Organisation, das ist einer Finkenvereinigung, entbehren. Deshalb richtet das unterfertigte Comite an alle nichtincorporierten zionistischen Studenten Wiens die Aufforderung, der Finken-Organisation beizutreten. Ihre Gründung und thatkräftige Förderung ist eine Ehrensache der Wiener zionistischen Studentenschaft, die als stärkste zionistische Studentencolonie überhaupt auf eine wohlorganisierte, der zionistischen Gesammtorganisation angehörende Finkenschaft nicht länger verzichten darf. Das arbeitende Comite: jur. Julius Beer, phil. Arthur Freud, jur. Eduard F r i e d, techn. Alfred Herslikiewicz, techn. Ignatz K o h n, jur. Josef M e i s i, jur. Rudolf Nassau, med. Felix Rosenberger. Anmeldungen und Anfragen sind zu richten an: Rudolf Nassau, L, Universität. Samstag am 8. Februar 8 Uhr abends findet im Restaurant Wendlinger, IX., Seegasse, eine Zusammenkunft der zionistischen Studenten behufs Wahl eines Executiv-Comites und Besprechung der Statuten statt. Ein jüdischer Verlag. Das leitende Comite des „Jüdischen Verlags" in Berlin ersucht uns, unserer Mittheilung in voriger Nummer Folgendes hinzuzufügen: Als geschäftliche Basis des „Jüdischen Verlags" ist die Subscription in Aussicht genommen. Im Laufe des Jahres sollen Bücher, Kunstwerke und Gompositionen zum Ladenpreise von Mk. 30.— herausgegeben werden, welche den Subscribenten zum Vorzugspreise von Mk. 20.— berechnet werden. Die Einzahlung der Subscriptionsbeträge erfolgt pränumerando an die Zahlstelle : Verlagsbuchhandlun g S. G a 1 v a r y & Co., Berlin NW. 7, Neue Wilhelmstrasse 1. Alle Zahlungen haben den Vermerk zu tragen: „Für den Jüdischen Verlag". Zionistische Vereine, welche als Corporationen subscribieren, erhalten den Vorzug, dass sie für den gleichen Betrag, wie jeder Einzelsubscribent, jede Erscheinung des Verlages in zwei Exemplaren erhalten. Ausserdem gemessen sie den Vorzug, dass ihnen die Einzelverlagswerke behufs Weiterverkaufes zum Buchhändlerpreise berechnet werden. Um eine intensive Betheiligung zu ermöglichen, hat das leitende Comite die Schaffung eines Garantiefonds in Aussicht genommen. Die Betheiligung an diesem Garantiefonds geschieht durch Gar antiefonds-Scheine von je 100 Mark. Die Rückzahlung dieser Beträge erfolgt aus 50 Procent der einfliessenden Subscriptionsbeträge. Gesinnungsgenossen und Gesinnungsgenossinnen, die das leitende Comite des Jüdischen Verlags in der Propagierung dieses literarisch-künstlerischen Unternehmens unterstützen wollen, insbesondere Subscriptionen auf die Erscheinungen des Verlages zu beschaffen bereit sind,Werden gebeten, sich sofort mit dem Comite ins Einvernehmen zu setzen. Näheres über die Tendenzen des Verlages, sowie über die für die nächste Zeit geplanten Publicationen wird in einer der nächsten Nummer der „Welt" bekanntgegeben werden. Für das leitende Comite : Berthold Fei wel Berlin SW., Schönebergerstrasse 2. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Unter dem Titel: „Degel Machneh Jehuda" (Das Banner der Schar Juda's) erscheint seitMitte December in Bukarest (Fundaturi Faurai 3) ein neues gesinnungsgenössisches Wochenblatt im Jargon. Von dem Blatte, das sehr flott und gewandt redigiert ist, liegen uns die ersten drei Nummern vor. Sie enthalten neben einem eingehenden Berichte über den jüngsten Congress und interessanten kritischen Würdigungen der Ergebnisse desselben noch manche andere gediegene publicistische und belletristische Beiträge. Originell ist die Umarbeitung einer Parabel von Multatuli ins Jüdisch-Volksthümliche unter dem Titel: »Des Jüdleins Verhängnis*. Ausserdem ist zu erwähnen ein Artikel von Bernard Lazare über „Freiheitssinn bei den alten Hebräern". Ueberaus lebhaft und reichhaltig ist auch die Nachrichten-Rubrik. Das Blatt verdient in hohem Masse die Unterstützung der jüdisch lesenden Gesinnungsgenossen. * Das Jännerheft der Zeitschrift „The Maccabaean" enthält interessante Artikel von C. C. Torrey, G. A. K o h u t, Gersony J. F r i e d 1 ä n d e r, J. H. Greenstone, L. Lipsky, H. P. Mendes, S. Schulmann und D. W. Amram. Ueber den „Fünften Zionisten-Congress" schreibt Richard Gottheil unter anderem: „ . . . Wir haben unsere Sache vor die Tribüne des jüdischen Volkes und mithin der ganzen Welt gebracht. Wir haben dem jüdischen Volke ein Object gegeben, für das es arbeiten mag, und wir haben auch andeutungsweise gezeigt, wie dieses Werk vollendet werden kann. Wir haben den Grund zu einer allgemeinen jüdischen Organisation auf einer breiten und kräftigen Basis gelegt, so dass, wenn diese durchgeführt wird, der Erfolg nicht ausbleiben kann." •''J' * „MevasserethZion" ist der Name einer neuen zionistischen Zeitung, die in Bukarest erscheint, Herausgeber ist Herr Horia C a r p. Die letzte uns zugekommene Nummer (Nr.11) enthält in Uebersetzung die Congressreden Nordaus und Zangwills, einige originelle literarische Skizzen und einen Artikel von H. Carp über den V. Congress. Herr Carp sucht die Wichtigkeit des V.Congresses darzustellen und kommt in einem Resume der wichtigsten Arbeiten des V.Congresses auf die Organisations-Statuten, die Creierung desNationalfonds und die Eröf f nun g der Colonialbank zu sprechen, die er die praktisch wichtigsten Arbeiten des Congresses nennt, durch die der Bewegung ein fester Boden geschaffen worden ist. Herr Carp schliesst seinen Artikel mit einem Aufruf zur Verwirklichung der auf dem V.Congresse gefassten Beschlüsse. Wie wir dem „Mevassereth Zion" entnehmen, wird Herr H. Carp eine Reihe von Vorträge in den verschiedenen Städten Rumäniens über den V. Congress halten und für den Nationalfonds werben. „M evassereth Zion" erscheint wöchentlich und kostet jährlich 6 Francs. Redaction und Administration Calea Dudesci Nr. 120, Bukarest.

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