Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 5 (31.1.1902)
- Article
- Ararat
- Date
- 1902-01-31
- Page
- 10 (sequence 3)
- Language
- German
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Sn»c io „Die & Welt" Nr. 5 den Zeitungen erschienene Proclamation des Herrn Noah in New-York seine Meinung öffentlich abgegeben. Er behauptet, dass Herr Noah keinen Beruf zu seiner fast in prophetischem Ton verkündigten Sendung habe und wohl nicht werde erweisen können, dass die Schrift einen nordamerikanischen See zum Sammelplatze des zerstreuten Israel bestimme. Er (Cologna) sowohl, als die Londoner Oberrabbiner Herschell und Meldola, könnten die Ernennung des Herrn Noah nicht annehmen, da, wie sie glauben, Gott allein die Zeit kennt, in der Israel wieder eingesetzt werden soll, und dass alsdann wohl unzweideutige Zeichen dies der Welt kund thun würden; jeder Versuch zu einer politisch-nationalen Vereinigung sei im Talmud verboten8). Herr Noah habe nicht erwogen, dass die rechtgläubigen Juden den Ländern, wo sie sich niedergelassen, anhängen und den Regierungen, bei welchen sie Freiheit und Schutz finden, ergeben sind; sein ganzer Plan sei das Vorhaben eines gutherzigen Schwärmers. (Berlinische Nachrichten". (Redacteur Carl Spener) Nr. 269. Donnerstag den 10. November 1825.) So weit die Nachrichten aus den Berliner Blättern. Einige wenige Notizen über den Autor des „Ararat" mögen noch folgen, die uns seine Persönlichkeit näherzubringen in der Lage sind. Mordechai Manuel Noah wurde 1785 zu Philadelphia geboren und zu. Charleston, wo er sich als Knabe aufhielt, erzogen. In den Jahren 1813—1816 war er in Marokko Consul der Vereinigten Staaten von Nordamerika und wohnte nach seiner Rückkehr in New-York, wo er viele städtische und politische Ehrenämter (Sheriff, Judge. Surveyer, Commissioner u. a. m.) bekleidete. Er war nacheinander und zu verschiedenen Zeiten Herausgeber und Eigenthümer verschiedener Zeitungen, und zwar von: „National", „Advocate", „Enquirer", „Courier and Enquirer", „Evening Star'*, „Sun"-, „Morning Star" und endlich „Weekly Messenger". Von seinen zahlreichen schriftstellerischen Arbeiten erwähnen wir nur nach Allybone die folgenden: 1. Travels in England, France, Spain and the Barbary States in 1812—1815. New-York 1819, 8°. 2. Essays on Domestic Economy," Ursprünglich im „National Advocate" unter dem Pseudonym „Howard" herausgegeben. 3. Translation of the Book of Jasher (referred to in Joshua and second Samuel) 1840. Siehe: Hive, Jacob: Hornes Biblioth.-Bibl. 1839, 142—148. 4. A Discourse on the Restoration of the Je ws 1845.9) 8°. 5. Gleanings from a Gathered Harvest. (Sammlung seiner Zeitungsartikel.) 1845, 12°. Ausserdem wurden von ihm viele Theaterstücke mit Erfolg aufgeführt. Darüber siehe in Thomas' Reminiscences; D u n 1 a p s History of the American Theativ; New-York International Magazine III, 282. Interessant wäre es zu wissen, in welchem Zusammenhange M. M. Noah mit dem Autor 8) Die talmudische Stelle (Tract. Kethubboth f. III a), aufweiche Herr Cologna sich bezieht, lautet folgendermassen : „Rabbi Jose Sohn des Rabbi C h a n i n a, sagt: Die drei Eide im hohen Liede (Cap. 3, 5, 8) bezeichnen Folgendes: Einmal hat Gott die Israeliten beeidigt, dass sie nicht mit gewaffneter Hand nach dem gelobten Lande gehen; zweitens, dass sie sich nicht gegen die Nationen empören; drittens aber hat der Herr den Völkern einen Eidschwur abgenommen, dass sie die Juden nicht allzu sehr drücken sollen." 9) Um das Anrecht der Juden auf Amerika zu beweisen, suchte Noah darzuthun, dass die Ureinwohner Amerikas Hebräer seien. Von seinem diesbezüglichen Buche ist eine deutsche Uebersetzung erschienen, unter dem Titel: Beweis, dass die amerikanischen Indianer die Abkömmlinge der verlorenen Stämme Israels sind, von M. M. Noah. Aus dem Englischen. Altona: Hammerich 1838,12° (*/3 Reichsthaler). des Buches „Neu-Judäa" steht, von dem ich einen Auszug in dem letzten zionistischen Volkskalender von Theodor Zlocisti gegeben habe. Gestorben ist Mordechai Manuel N o a h im Jahre 1851. Mögen meine Mittheilungen für unsere Mitarbeiter in Amerika die Anregung bilden, uns bald mehr und Genaueres über Noah und Ararat hören zu lassen. Israel Zangwill in Antwerpen. Die günstige Wirkung des letzten Congresses macht sich, wie übrigens an allen Orten, auch schon in der Hafenstadt an der Scheide fühlbar. Die französische Tageszeitung „Le Matin", die sich bereits zu öfteren Malen über die zionistische Bewegung überaus beifällig geäussert hat, veröffentlicht mehrere Leitartikel, in denen sie theils die Geschichte des Zionismus in sachlicher Weise entrollt, theils ihre Sympathien für die jüdisch-nationale Strömung ausdrückt. In einer der letzten Numern bringt sie ein Interwiew mit Israel Zangwill, der sich auf seiner Heimkehr vom Baseler Congresse mehrere Tage in Antwerpen aufhielt, und von einem Redacteur dieses Blattes üher die Ergebnisse des Congresses, über die allgemeinen Ziele des Zionismus und noch über manches andere befragt wurde. Aus dem interessanten Interview ist besonders die Antwort Zangwills auf die Frage hervorzuheben., ob sämmtliche Juden der zionistischen Bewegung sich angeschlossen haben. „Xein" — antwortete hierauf Zangwill — „in England zum Beispiel haben wir noch viele Gegner. Aber wir dürfen uns davon nicht abschrecken lassen. Sie kennen wohl Ibsens Drama: „Die Praxi vom Meere"? Er schildert uns darin eine Prau, die ein ganzes Leben lang von einem geheimnisvollen, unbekannten Manne geträumt hat, "der sie weit, weit über die Meere führen sollte. Eines Tages erscheint dieser Mann. Der Gatte der Heldin gibt ihr die Freiheit., ihren schönen Traum zu verwirklichen, sie aber — weigert sich, jenem zu folgen. In einer ganz ähnlichen Lage befinden sich auch die Juden. Seit Jahrhunderten leben sie unter einem demütragenden Drucke, und träumen von Freiheit und Unabhängigkeit. Nun sind Männer aufgetreten, die ihnen den Weg zu ihrem Ideale weisen, sie aber sind unschlüssig, verwirrt, fassungslos. Indessen hege ich die Gewissheit, dass dieses Phänomen nur vorübergehend ist, und dass alle unsere Stammesgenossen eines Tages mit uns zusammengehen werden/4' — Am Tage der Abreise Zangwills wurde zu seinen Ehren ein Abschiedsbankett veranstaltet, das einen animierten Verlauf nahm, und bei welcher Gelegenheit mehrere Toaste von den Herren Grünau, Tolkowsky, Lew in u. a. auf den Dichter der „Kinder des Ghetto" gesprochen wanden. Zangwill erwiderte dankend in einer längeren, mit Beifall aufgenommenen Ansprache, in der er unter anderem die Stellung des jüdischen Dichters zu seinem Volke beleuchtete. Zum Schlüsse des Banketts wurde noch Zangwill mit der Ehrenpräsidentschaft des Antwerpener Zionsvereines „Agudath Zion" betraut, unter dem erfreulichen Hinweis darauf, dass dieser Verein nunmehr seine Thätigkeit kräftiger anspornen werde, um in zionistische]- Arbeit das nachzuholen, was bisher noch versäumt wurde. H. G. ^Mbuije. Genf, 6. Jänner 1902. Hochverehrter Herr Redacteur! In Nr. 1 der „Welt* vom 3. Jänner 1902 in dem Berichte über den Congress findet sich (Seite 4, Spalte 1) auch der Bericht meiner Rede, der aber wesentliche Irrthümer enthält, die ich zu berichtigen bitte, damit sie nicht in das officielle Protokoll hineinkommen. 1. Ich sagte nicht, „ich sei officiell zur Erklärung berechtigt", sondern offieiös, und nicht von der Regierung der Schweiz (man könnte darunter den Bundesrath verstehen), sondern von Führern des Schweizervolkes (ich meinte damit Nationalräthe und cantonaie Staatsräthe). 2. Ich sagte nicht, der Zionismus hätte in Baden Verbreitung gefunden, sondern erwähnte nur Zürich und Biel, dagegen bekämpft Baden, als Centrum des orthodoxen Judenthums, den Zionismus mit allen Mittein. Dr. D. Pasmanik, Privatdocent an der Genfer Universität.