Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 4 (24.1.1902)
- Article
- Der Judenzoll und die jüdische Wohlthätigkeit in Ungarn
- Date
- 1902-01-24
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 4- „Die & Welt" Seite 13 Budapest gekommen ist" und nun bitterlich seinen Zionismus bereue! Dann wird auf den Grafen Stephan Szeclienyi verwiesen, der seinerzeit seine Stammesgenossen ermahnte, auch den Vaterni(>rder zu schonen, „weil wir (Magyaren) so gering an Zahl sind". Deshalb empfiehlt auch die jüdische Wochenschrift „Egyenlöseg", die Ungarn mögen bestrebt sein, die nach Rumänien ausgewanderten Ungarn vor Tlomanisierung zu bewahren! Das sind die Gedanken, zu denen die rumänische Judenauswanderimg ein jüdisches Blatt anregt!! Sonst weiss es aus dieser Katastrophe keine Lehren zu ziehen ... Schliesslich wird am 28. October berichtet, dass sich die noch aus der Zeit der russisch-jüdischen Auswanderung übriggebliebene Hilfscommission mit dem von Paul Sandor zugunsten der rumänischen Auswanderer geschaffenen Hilfscomite unter dem Kainen „Comite . zur Unterstützung verfolgter Juden" fusioniert hat, da eine Commission solch „allgemeinen Charakters" nothwendig weiden kann, welcher „zu Zeiten auf tauchender Judenverfolgungen immer von neuem Aufgaben erwachsen können". An der Berathung habe auch der Vertreter der Pariser Allianz theilgenommen. Also bis spät in den Herbst hinein vibrierte das vom Unglücke der rumänischen Juden aufgewühlte Mitleid des ungarischen Judentums. Die Erwärmung kam nicht von den Bergesgipfeln der jüdischen Gesellschaft, sondern verbreitete sich wie das Centraifeuer unseres Planeten von den untersten Schichten nach aufwärts. Selbst der edle Antrieb der ungarischen Regierung ■vermochte nicht, manche pluto- und bureaukratischen Kreise zu beruhigen, dass sie durch eine offene kräftige, Antheilnahme keinen Treubruch gegen den Patriotismus begehen. Man ventilierte verschiedene Methoden der Hilfsaction, aber immer stiess man sich an der Resultante der gefürchteten „Solidarität". Hätte nicht ein Kaufmann, dessen Geist frei von confusen staatsrechtlichen Theorien ist, herzhaft zugegriffen, so wären alle Liebesgaben von einer allgemeinen Verwirrung entwertet und illusorisch gemacht worden. Bemerkenswert ist die Haltung des Redactenrs des melirerwälinten Blattes. Von jüdischer Erziehung, ist er bei privaten und öffentlichen Hilfsactionen als Anreger und Mahner in anerkennenswert her Weise thiitig. Trotzdem lässt er sich von den engagiertesten Assiinilanten und Zionshassern als Schlachtross be nützen . So half er mit, die rumänische Judeimotli und die ungar- ]ändische Hili'saction zu einer gegen die Zionisten gerichteten Campagne voll roher Schmähungen. Verdrehungen und Verleumdungen zu missbrauchen. Es wurde trotz der gegenteiligen Versicherungen der Emigranten die Anregung und Aneiferung zur Massenauswanderung den Zionisten in die Schuhe geschoben und überdies mit beispielloser Dreistigkeit gelogen, die Zionisten hätten den rumänischen Emigranten keine thütige Hilfe geleistet, während doch den Eingeweihten bekannt ist. dass unsere Gesinnungsgenossen sowohl in Kumänien selbst, wie in Ungarn und Oesterreich — speciell in Wien — sich in thatkräftigster Weise an den verschiedensten Hilfsactionen betheiligt haben. Indem ich liiemit den Beitrag zum Vorjahre schliessc, hege ich den Wunsch, bei einer anderen Gelegenheit die sich ergebenden Consequenzen ausführen zu dürfen. f>rib(ii)e. Jüdischer Nationalfonds. Das goldene Buch. Gustav G. Cohen in Hamburg: 10 Pfund Sterling. * Antwort an die Zioniston von Hamburg und Altona: Herzlichsten Dank für Ihre freundliche Depesche. Es wäre aber wünschenswert, dass die Telegramm- Spesen solcher Kundgebungen von nun ab dem Nationalfonds zugewendet werden. H. * N a H w 6 r n a, 9. Sch evvat 5662. Geehrter Herr Redacteur! Eingedenk des Spruches p^wnb nsnDXö nanai nana (etwa: „Heller und Heller summieren sich") habe ich nach Bekanntwerden des Beschlusses des Zioriisten-Congresses, betreffend die Gründung eines jüdischen Natlonalfonds eine sogonnm le\ „Pnlästii.a-Büchse*1 anfertigen lassen, hierauf einen Zeit K mit der Aufsrhi it't "rPölK1? pp« (Jüdischer Natiorinlfonds) aufgeklebt und dh-srdhe an einem geeigneten Orie m meinem liuivau angebracht. Da* Resultat ist. soweit meine Erfahrungen mich bis nun gelehrt haben, ein glänzendes. Den Gesinnungsgenossen, insbesondere allen zionistischen Handelsangestellten, kann ich bestens empfehlen, auf diese Art Spenden für den jüdischen Nationalfonds zu sammeln. Ich bitte Sie, geehrter Herr Redacteur, dieses Schreiben zu veröffentlichen, damit es zur Kenntnis der Gesinnungsgenossen gelangen soll. Hochachtungsvoll mit Zionsgruss Ch. Kleinman n, Bankbeamter. W^SHronik. Die Assimilatoren am Werke. In Cöln hatten bekanntlich im vorigen Jahre die Assimilatoren eine schwere Niederlage dadurch erlitten, dass es den Zionisten im Vereine mit den Conservativen gelungen war, 4 Mandate in die Gemeindevorstellung zu erlangen. Da die in Cöln ansässigen Juden polnischer oder russischer Herkunft zumeist der letzteren Partei zum Siege verliolfen hatten, gedenkt die sogenannte liberale Majorität im Vorstande — Rache zu nehmen. Dieses wird durch einen Antrag angestrebt, der dahin geht, dass den Juden nichtd e u t s c h e r Reichsangehörigkeit, ganz entgegen dem bisherigen preussischen Landesgesetze, das Wahlrecht in die jüdische Gemeindeverwaltung entzogen werden solle. Dass damit den Antisemiten, die ja oft schon den Antrag gestellt haben, die fremden -Juden in Deutsehland in ihren Rechten zu beschränken, licht die braven Deutschen nicht an. Wird es ihnen doch durch Ausschluss der fremden 3uden aus dem Gemeindeverbande möglich sein, ihre Macht zu behaupten — die Macht ist so süss — und ihre assimilierenden Reformbestrebungen durchzusetzen. Wichtiger Fund. Wie die rUnentalist. Literatur-Zeitung" mittheilt. hat rb»r Berliner Forscher Bruno Violet in Damaskus ein in griechischer und arabischer Spt nebe abgefasstes Bruchstück des 78. Psalmes entdeckt. Aus der Colonie Machnajim, dieser Gründung des Vereines „Ahawath Zion" in Tarnow, liegt uns ein Aufruf der Coloni«ten zur Hilfeleistung vor. Die Unterzeichner des Aufrufes beklagen, dass die Colonie, deren Boden sehr fruchtbar sei, infolge der grossen Schuldenlast, mit der das Eigenthum der Ansiedler behaftet ist, zugiuude gehen müsse, wenn die ZionstYeunde nicht alshaid Hilfe schaffen. Auskünfte über die Colonie Machnajim ertheilt die Administration „Rose h Pin ah", die auch etwaige Geldspenden zugunsten der be irängten Colonie entgegennimmt. Juden im bayrischen Justizdienst. im Aus« c h u s s der Kammer d e r E e i c h s r ä t Ii e er klärte der Justizminister zu dem Antrage der Abgeordnetenkammer, Israeliten im Justiz dienste nur im Verhältnisse 7Air Gesammtbevölkerung anzustellen, unter anderem Folgendes : Es sei nicht richtig, wenn gesagt würde, dass jüdische Richter nur in grösseren Städten angestellt würden. Bei der Justizverwaltung sei schon seit längerer Zeit darauf Bedacht genommen, jüdische Richter auch auf dem L a n dje unterzubringen. Wo es geschehen sei, seien noch keine Kläger» laut g e w o r d e n. Auch habe er von keiner Seite gehört, dass man Anstoss genommen habe. Man habe jetzt unter etwa cJ40(> Justizbeamten 51 Juden, was einem Procentsatz von U2S entspreche. Würde man in Zukunft nach dem in der Kammer der Abgeordneten gefassten Beschlüsse bei Anstellung jüdischer Reiner verfahren, so könnten in den nächsten 10 bis \v2 Jahren keine Juden mehr Anstellung finden. Er wolle noch bemerken, dass die j ü d i s c h e n S t a a t s d i e n s t - A s p i r n n t e n i n der Regel sehr tüchtig und dass sie ausnahmslos mit sehr guten Zeugnissen und Noten versehen seien. Sie seien sehr brauchbar und besondere Klagen habe er über sie niemals vernommen. Unter diesen Umständen Erlaube er, dass vielleicht der Ausschuss der Kammer der IVichsräthe empfehlen könnte, im Hinblicke auf die Erklärung des Staatsminister* in der Kammer der Abgeordneten vom ^9. November über den Antrag Dr. Heim zur Tagesordnung überzugehen, was bekanntlich geschehen ist. („Frank f. Ztg.u)