Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 4 (24.1.1902)
- Article
- R. A. in W. fragt / R. A.
- Date
- 1902-01-24
- Page
- 3 (sequence 1)
- Language
- German
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- Beirut 1× ep/1047833
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LMe Welt** Fragekasten für die neue Organisation. R. A. in W. fragt: Ich bitte Sie um Aufklärung über folgenden Punkt: Beim Vergleiche des neuen Organisations-Statutes mit dem alten finde ich im ersteren zwei neue Einrichtungen, nämlich 1, das Congress-Gericht, 2. den Delegierten-Tag. Während ich die Nothwendigkeit des Congress- Gerichtes vollständig einsehe, bin ich mir nicht im klaren über die Einrichtung des Delegierten-Tages, denn Sie sagen in Ihrem letzten Artikel „Unsere neue Organisation* Folgendes : „Um was es sich diesmal handelte, war zwar nicht, eine einheitliche Form in der Organisation der verschiedenen Länder, wohl aber ein einheitliches Princip herzustellen. Dieses Princip besteht darin, dass die Landes-Organisation den Congress nichts angeht, sondern sich aus dem Vereinsleben jedes einzelnen Landes selbständig entwickelt." Wenn nun der Congress sich vom Princip hat leiten lassen, dass die Landes-Organisation ihn*nichts angehe, wozu traf er dann eine Bestimmung, die doch nur Sache der Landes-Organisation ist; wozu mengt er sich in die Einrichtung der Landes-Organisationen, indem er ihnen vorschreibt, dass sie Delegierten-Tage abhalten sollen? Antwort: Sie irren. Der Congress hat sich keineswegs selbst widersprochen, als er bestimmte, dass die tandes- Organisationen einen Delegierten-Tag abhalten sollen und dass sie eine Parfeeisteuer einheben können. Der Congress gieng von dem Grundsaize aus, dass ihn die Einrichtung der Landes-Organisationen und ihr Ausbau im Detail nichts angehe, das heisst er hat den Landes-Organisationen (Föderationen) nicht, wie es im alten Statut steht, vorgeschrieben, dass sie wie die Unterabteilungen sein sollen etc., sondern der Congress wollte, dass die Landes- Organisationen (Föderationen) sich nach der Noth wendigkeit in den betreffenden Ländern, nach der Stärke der Gruppen organisieren sollen. Er wollte aber nur die Stelle angeben, wo diese Organisation, diese Unterabtheilung festgestellt werden sollte. Diese Stelle ist der Delegierten-Tag. Der Congress hat dadurch nicht in die Rechte der Landes- Organisationen eingegriffen, sondern bestimmt, dass die Landes-Organisationen sich an einem jährlich abzuhaltenden Delegierten-Tage selbst die für das Land nothwendigen Einrichtungen geben sollen. Deutsche Unternehmungen in Palästina. Die officiöse „Deutsche Colonialzeitung, deren Ausführungen begreiflicherweise das höchste Interesse verdienen, enthält in ihrer Nummer vom 9. Jänner 1902 an erster Stelle nachstehenden Artikel: Palästina hat schon heute einen nicht unbeträchtlichen Handelsverkehr. Die Ausfuhr umfasst hauptsächlich Erzeugnisse des Pflanzenreiches, wie Orangen. Sesam, Oel, Wein und Gerste, die Einfuhr europäische Producte aller Art. Der Antheil, den Deutschland an der Einfuhr hat, ist schon jetzt nicht unbedeutend, aber starker Ausdehnung fähig, zumal auch die Zahl der in Palästina ansässigen Deutschen ziemlich beträchtlich ist. Insbesondere müssen hier auch die Colonien der Templer hervorgehoben werden, meist württembergischen Ursprungs, die als Winzer, Landwirte, Kaufleute, Fuhrunternehmer u. dgl. ihr gutes Fortkommen finden. Hat so Palästina schon für sich eine nicht zu unterschätzende wirtschaftliche Bedeutung, so wird seine Entwicklungsmöglichkeit in Zukunft noch erheblich gesteigert werden, sobald durch die Bagdadbahn das reiche Mesopotamien, sein natürliches Hinterland, nach tausendjähriger Vernachlässigung zu neuer Blüte gebracht sein wird. In richtiger Würdigung dieser Sachlage bildete sich seinerzeit die wesentlich aus Missionskreisen hervorgegangene „Deutsche Palästina- und Orient-Gesellschaft", zu dem Zwecke, wirtschaftliche Unternehmungen aller Art ins Leben zu rufen und so die reichen Hilfsquellen des Landes zu entwickeln. Sie befand sich vor einer ungemein umfänglichen und weitverzweigten Aufgabe, und ihre einsichtigen Leiter erkannten bald, dass es im Interesse einer gesunden Entwicklung zweckmässig sein werde, schrittweise vorzugehen und zunächst alle Kräfte auf die Begründung einer Bank zu concentrieren. Eine Bank bildete zweifellos die wirksamste Vorbereitung für weitere wirtschaftliche Unternehmungen. Sie hat auch die beste Gelegenheit, im täglichen kaufmännischen Contact mit den wirtschaftlichen Factoren im Lande selbst die geeigneten Kräfte heranzubilden, in deren Hände seinerzeit mit vollem Vertrauen die Durchführung grösserer Aufgaben gelegt werden kann, ein Moment von ausschlaggebender Bedeutung. Diesem Gedankengang entsprechend, hat die Deutsche Palästina-Bank zunächst als reines Bankgeschäft Niederlassungen in Jerusalem und Jaffa errichtet und in den drei Jahren ihres Bestehens sich eine feste und gesicherte Stellung in dem schon jetzt nicht undedeutenden Handelsverkehr zu schaffen gewusst. Die Umsätze der Bank sind schnell gewachsen. Während sie im Jahre 1899 sich auf etwas über 23 Mill. Frcs. beliefen, betrugen sie im folgenden Jahre bereits 52 Mill. und werden für das Jahr 1901 auf über 54< Mill. geschätzt. Der Kreis ihrer Clientel hat sich bedeutend erweitert. Als interessant und vielleicht nicht, allgemein bekannt mag mitgetheilt sein, dass, als vor drei Jahren Se. Majestät der Kaiser zur Bezahlung der von ihm erworbenen und zum Bau einer deutschen katholischen Kirche bestimmten Dormition sofort 6000 Napoiens'dor benöthigte, allein die Palästina-Bank in der Lage war, diese Summe in Gold, wie sie gefordert wurde, zu beschaffen. Weder die Filiale des „Credit Lyonnais", noch auch die zeitweilig in Jerusalem errichtete Agentur der „Banque Ottomane" konnte die Summe sogleich bereitsteilen. Abgesehen hiervon, lassen die bisherigen Erfahrungen der Bank, deren Aufsichtsrath und Directorium satzungsmässig aus Reichsdeutschen bestehen müssen*), schon jetzt klar erkennen, dass der Waren-und Geldverkehr Palästinas schon unter den heutigen Verhältnissen die nutzbringende und gesicherte Anlage weit grösserer Capitalien gestatten, als sie der Bank, die zur Zeit nur mit 450.000 Mark arbeitet, zur Verfügung stehen. Die Bank hat sich daher entschlossen, nachdem sie sich in ihrer Stellung hinreichend gefestigt hat and aus den reinen Bankgeschäften vorderhand eine zufriedenstellende Dividende (5% im Jahre 1900) hat herauswirtschaften können, nunmehr vorsichtig und schrittweise zu weiteren Unternehmungen überzugehen. Ihre bisherige verständige Gebarung ist ganz dazu angethan, auch für ihre weiteren Pläne Interesse und Vertrauen zu erwecken. Zu jeder Expansion gehören in erster Linie die geeigneten leitenden* Kräfte, die sich die Bank nur allmählich heranbilden kann. Unter der Voraussatzung, dass und in dem Masse, wie ihr dies gelingt, beabsichtigt sie nun vorerst, wie wir erfahren, in allen wichtigen Plätzen Palästinas und Syriens, insbesondere zunächst in Beirut und Damaskus, Zweigniederlassungen zu errichten und später, wenn der Ausbau der Bagdadbahn stattgefunden haben wird, Fühler in das wichtige und sicher einer grossen wirtschaftlichen Zukunft entgegengehende Mesopotamien auszustrecken. Hierzu wird sie natürlich ihre Capitalien erheblich vergrössern müssen, *) Die Directoren dürfen auch Deutsch-Schweizer oder Deutsch-Oesterreicher sein.