Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 3 (17.1.1902)
- Article
- Juden in der französischen Akademie
- Date
- 1902-01-17
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 14 „Die # Welt" Nr. S Acadömie des Inscriptions et Belies-Lettres: MM. Bräal, Jules Oppert, H. Weill, Salomon Reinach und Hartwig Derenbourg. Aeadämie des Sciences: , MM. Lippman, M. Loewy, Maurice Levy, Michael Levy und A. Bischoffsheim. Academie des Sciences Morales: M. Leon Caen und M. Bergson. Acedemie des Beaux Arts: Baron Alphonse de Rothschild. Die Juden Rumäniens und das neue Polizeigesetz. Durch das dem rumänischen Parlament zur Berathung vorliegende Gesetzesproject über „Reform der Polizei" in den Landgemeinden werden auch die bisher in Kraft stehenden Bestimmungen über die Niederlassung von Fremden und von nichtnaturalisierten einheimischen Juden in den Landgemeinden abgeändert Die alte Verfügung, welcher zufolge nur rumänischen Staatsbürgern das Recht der Freizügigkeit und das Recht der Ansässigmachung in den Landgemeinden zusteht, während Fremde, das heisst Juden, welche sich in einer Landgemeinde niederlassen wollen, hierzu der Genehmigung der betreffenden Gemeindevertretung bedürfen, bleibt aufrecht. Nur wird im neuen Gesetze die Bestätigung jeder derartigen Niederlassungserlaubnis durch das Ministerium des Innern vorgesehen, welches auch ebenso wie bisher die Berufungsinstanz in jenen Fällen bildet, in welchen ein Bewerber um das Ansiedelungsrecht gegen die Abweisung seines Gesuches Recurs einlegen will. Dadurch ist den Dorfbürgermeistern die Gelegenheit entzogen, Fremden-, beziehungsweise Judenausweisungen auf eigene Faust zu veranstalten, wie das im Laufe der letzten Jahre wiederholt vorgekommen ist. Leider wird aber diese Regelung des Niederlassungsrechtes durch die Beschränkungen wieder in Schatten gestellt, welche das Landpolizeigesetz der Erwerbsthätigkeit der Fremden in den Ruralgemeinden zieht. Nach dem bisherigen Spirituoseng^setze war der Ausschank von Spirituosen ein Privilegium der rumänischen Staatsbürger. Das neue Ruralpolizeigesetz fordert als Vorbedingung für die Haltung eines öffentlichen Locals oder eines Kaufladens in den Landgemeinden von dessen Inhaber den Besitz des rumänischen Bürgerrechtes. Tritt diese Gesetzesbestimmung in Kraft, so werden durch dieselbe viele hunderte von einheimischen Juden, welche sich bisher ihren Lebensunterhalt als Kleinkaufleute in den Dorfschafden Rumäniens erworben hatten, mit einem Schlage erwerbslos gemacht und sammt ihren Angehörigen dem unglückseligsten Proletariat zugeführt. Hochofenbetrieb vor 3000 Jahren. Bei den Ausgrabungen in Tel el Hesy (Südpalästina) sind Funde gemacht worden, die darauf hindeuten, dass das Heissluftgebläse für Hochöfen, das im Jahre 1828 dem Ingenieur Neils on patentiert wurde, schon etwa 1400 Jahre v. Chr. im Morgenlande bekannt gewesen ist. Die Nachforschungen an der bezeichneten Stätte haben die Ueberbleibsel von acht Städten zutage gefördert, die in der Zeit von 1500—500 v. Chr. aufeinander gefolgt sein müssen. Der wichtigste Fund, der dabei gemacht wurde, war eine keilförmige Tafel, die erste Urkunde des vorisraelitischen Kanaan, die der Boden von Palästina bisher geliefert hat. Von grossem Interesse war aber auch die Entdeckung eines Hochofensfür Eisenbereitung, der nach Angabe des Archäologen eine Vorrichtung besass, um die Aussenluft vor ihrer Einführung in den Ofen zu erwärmen. Trinkwasser in Jerusalem. Aus Jerusalem wird berichtet: Seit Anfang December ist die heilige Stadt mit reichlichem frischem Trinkwasser versehen, was als ein bedeutender Fortschritt in den gesundheitlichen Verhältnissen Jerusalems bezeichnet werden rnuss. Mit grosser Feierlichkeit wurden die beiden neuen grossen Röhrenbrunnen eröffnet, die der Bevölkerung täglich 90.000 Gallonen vorzügliches Wasser liefern. Der eine Brunnen ist für die Mohammedaner bestimmt und steht im Hofe der Omar- Moschee, an dem Platze des alten salomonischen Tempels; der zweite Brunnen befindet sich mitten auf fcder Strasse zwischen dem Bahnhofe und dem Jaffa-Thore an dem Platze des alten Birket-Es-Sultan. Von beiden Schöpfstellen aus kann das Wasser durch Träger, Wagen und kleine Leitungen der ganzen Stadt übermittelt werden. Die Anlage ist ein Verdienst des Gouverneurs Dschewad Pascha, der alles daransetzte, um das Werk mit den zur Verfügung gestellten geringen Geldmitteln von 8000 türkischen Pfund durchführen zu können. Das Wasser wird aus einer Entfernung von fünf geographischen Meilen nach Jerusalem geleitet und die alten Wasserbauten aus der Zeit1 Salomons konnten nur bei der Herstellung des Reservoirs mit benützt werden. Zweierlei Juden. Roman von Max Viola. (Fortsetzung.) Als er geendet, flüsterte ihm Finkelstcin zu, er möge doch gehen und die Tante und Clara erwarten, die nun die Synagoge bald verlassen würden. Paul nickte leise; er gieng und stellte sich vor dem Seitengange des Tempels auf, von wo eine Treppe zur Frauenabtheilung führte. Bereits nach wenigen Minuten hörte er ein Poltern. Kinder eilten über die hölzernen Stufen hinunter. Nach einer Pause kamen die Frauen und Mädchen, einzeln oder in kleinen Gruppen, unter ihnen Tante Minna, im schwarzen Seidenkleide, einen Hut mit rother Feder auf dem Kopfe, eine grosse rothe Korallenbrosche am Halse und ein weisses Taschentuch und das Gebetbuch in den Händen. Er begrüsste sie und wollte sie heimgeleiten, sie aber wendete sich nach Clara um. Da kam sie, doch nicht aliein, sondern in Gesellschaft eines Mädchens. Paul stand wie gebannt, und er fühlte, wie sich seine Augen unnatürlich vergrösserten. War das möglich? Gab es in der Wirklichkeit ein Wesen, wie dieses, das da an der Seite Claras daherkam? Solche Schönheit lebte, war nicht ein Zauber, den Tizian oder Giorgione oder Botticelli geschaffen? Ein Mädchen von kaum achtzehn Jahren von hohem, stolzem, schmiegsamem Gliederbau, mit einem rosigen frühlingsfrischen Antlitz, in dem zwei lachende blaue Augen glänzten, die mit dem Zuge leiser Schwermuth um die blühenden Lippen seltsam contrastierten; das märchenschöne Gesichtchen überstrahlt von einer reichen Fülle goldblonden Haares und die Hände von to edlem Schnitte, wie die einer Prinzessin. Er stand da wie gebannt Erst als ihn Clara mit dem schönen Mädchen bekannt machte, gewann er seine Fassung wieder. Wären nicht ihre Augen zu Boden geheftet gewesen, sie hätte den tiefen Eindruck bemerken müssen, welchen sie auf ihn ausübte; doch sie blickte erst auf, als er das Wort an sie richtete, als er sie fragte, ob auch ihre Mutter dem Gottesdienste beigewohnt habe. „Meine Mutter ist todt/ erwiderte sie leise. Er ärgerte sich über seine Frage, aber als er nun mit ihr, mit Tante Minna uud Clara durch die Gasse gieng, wusste er auch nicht viel Kurzweiliges zu sagen. Das Mädchen antwortete ihm mit freundlichen Worten, schien sich jedoch erleichtert zu fühlen, als sie am Eingänge zur langen Gasse stehen blieb, um sich zu verabschieden, da sie einen anderen Weg einschlagen musste. Er konnte ihr seine Begleitung nicht anbieten, weil er sonst die Tante und Clara hätte verlassen müssen, und so gieng sie allein. Er blickte ihr in stummer Bewunderung nach, bis ihn die Tante Minna mit der Frage aus seinen Träumen riss; „Nicht wahr, Paul, ein Mädchen wie Mirjam Goldner sieht man auch in der Hauptstadt nicht alle Tage?" „Bei Gott, ich erinnere mich nicht, jemals ein so schönes Mädchen gesehen zu haben," erwiderte er. „Du siehst also, wir haben auch in Lobenstein unsere Sehenswürdigkeit. Wir sind aber auch stolz auf sie. Alle, gross und klein, den sie ist nicht allein herrlich schön, sondern auch brav und gut" „Und gebildet," setzte Clara hinzu. „Gebildet?'* fragte er verwundert. „Woher?" „Von ihrem Onkel, dem Director Heinrich Goldner. Das ist ein Gelehrter, wie man weit und breit feinen zweiten findet. Er sitzt immer daheim und studiert, denn er ist auf beiden Füssen gelähmt.'4 „Der Arme!14 „Wer ist der Arme?" fragte Onkel Finkelstein, der m diesem Augenblicke, aus dem Tempel kommend, im ihnen stiess. „Wir sprechen von Mirjams Onkel,4* sagte Tante Minna, nachdem sie ihn begrüsst hatte. ,/Von Dr. Goldner? Ein gelehrter Mann, aber ein bisschen zerstreut im Oberstübchen. Seit acht Jahren sitzt er daheim und schreibt die Geschichte der Verfolgung der Juden. Fünf Bände hat er bereits fertig, aber er sagt, es sollen zwölf werden." „Weiss er sich nichts Klügeres?" fragte Paul.