Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 3 (17.1.1902)
- Article
- General-Versammlung des "Jewish Colonial Trust (Jüdische Colonialbank) Limited"
- Date
- 1902-01-17
- Page
- 9 (sequence 3)
- Language
- German
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- Tunis 3× ep/1048155
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Nr. 3 Die # Welt" Seite 9 Actionscomite zur Verfügung zu halten zum Zwecke der Beschleunigung der präliminaren Schritte, Concessionen für die Bank zu erlangen. Es wurde beschlossen, dem Directorium zu empfehlen, eine Filiale in Russlani unter der Firma des Jewish. Colonial Trust zu errichten unter den nöthigen gesetzlichen Formalitäten, um sich mit rein b an! massigen Angelegenheiten zu beschäftigen. Es wurde dem Aufsichtsrathe und dem Directorium ferner empfohlen, eine Filiale in Palästina unter der Firma des Jewish Colonial Trust in irgendeiner Form mit einem Maximal-tCapitale von fr'rcs. 400.000 zu errichten welche bis zu djem Zeitpunkte, wo Colonisation auf legaler Basis möglich sein wird, die verschiedener! Branchen des Bankgeschäftes betreiben soll. Es wurde ferner beschlossen, dass die jährlichen Berichte des Jewish Colonial Trust gedruckt und 14 Tage vor der Generalversammlung erhältlich sein und an die anwesenden Actionare vor Eröffnung der Versammlung vertheilt werden sollen. Der Vorsitzende berichtet alsdann, dass die neue Lebensphase, in welche die Bank infofge ihrer Actionsfähigkeit getreten sei, die Directoren veranlasst hatte, en bloc zu resignieren, und er legte daher seine Demission und diejenige seiner Coilegen in die Hände der Actionäre. Hierauf ersuchte Dr. H e r z 1, Präsident des Aufsichtsrathes, Herrn W olffs o hn, den Vorsitz zu behalten, bis das neue Directorium gewählt se;n würde, und die alsdann vorgenommene Neuwahl ergab folgende Resultate: Es wurden wiedergewählt die Herren D. Wolffsohn, Samuel Barbasch, Dr. N. Katzeneis o h n, und die Herren Hugo Urysohn, Israel Bachrach neugewählt. Die gewählten Herren nahmen die Wahl an und sprachen ihren Dank für dieselbe aus. Der Antrag des Herrn J. Selig mann, die Herren Jackson, Pezley & Co. als Rechnungsrevisoren wiederzuwählen, wurde einstimmig angenommen. Der Antrag des Herrn Dr. Kornhäuser, unteistützt von Herrn Rosen thal, dass die Versammlung den Directoren für deren bisherige Thätigkeit den besten Dank ausspricht und ihrem ununterbroclejien Vertrauen hierdurch Ausdruck gibt, wurde ebenfalls einstimmig angenommen. Schliesslich wurde der Antrag des Herrn Fin'kelstein, unterstützt vom Präsidenten des Aufsichtsrathes, dass die Versammlung ihren Dank auch dem Manager, dem Secretar und dem Personale in London ausspricht, einstimmig angenommen. Nachdem Herr Le vontin und Herr Loewe sich für diese Anerkennung bedankt hatten, wurde die Versammlung geschlossen. * Bekanntlich hat das Directorium anfangs vorigen Jahres an die säumigen Subscribenten ein Ultimatum erlassen, in welchem angezeigt wurde, dass, falls sie die lückständigen Ratenzahlungen nicht bis 31. Mai 1901 lsisten, die Anzahlungen als verfallen erklärt werden. In Ausführung dieser Kundmachung hat nun das Directorium im Deceniber 1901 beschlossen, diese Anzahlungen der säumigen Subscribenten für verfallen zu erklären. Um jedoch in berücksichtigungswerten Fallen den Subscribenten die Nachzahlungen zu ermöglichen, wurde zugleich aus diesen verfallenen Geldern ein Rcsei vefond von 10.000 Livres Sterling gebildet. So lange dieser Fond nicht erschöpft ist, können demnach noch Subscribenten, welche unverschuldeterweise ihre Zahlungen nicht einhalten konnten, wenn sie die rückständigen Räten bezahlen, die subscribierten Actien erhalten, indem ihre als verfallen erklärten Anzahlungen aus diesem Reservefonds ersetzt werden. Wenn also beispielsweise jemand 20 oder 40 Percent angezahlt, den Rest aber nicht geleistet hat, so kann er, wenn er bereit ist, 80, respeclive 60 Percent nachzuzahlendem Gesuch an das Directorium richten, und dieses wird, wenn es die angeführten Umstände als berücksichtigungswert erkennt, aus dem Reservefonds die nothwendigen 20 oder 40 Percent zur Vollzahlung der Actien aufwenden. Es wird also der berücksichtigungswerte Gesuchsteller für seine restlichen 60, respective 80 Percent eine vollbezahlte Actie erhalten, so lange eben der Reservefonds ausreicht. Durch diese Massregel hat das Directorium alles, was in seinen Kräften steht, vorgekehrt, um den ersten Subscribenten, die nicht aus eigenem Verschulden säumig waren, ihre Anzahlung zu retten. Die Juden in Tunis. Ein heute von dort zurückgekehrter Freund erzählt von de» tunesischen Juden: Ihre Anzahl wird von ihren Würdenträgern auf 40 000 angegeben. Sie leben meistens in guten materiellen Verhältnissen, da fast der ganze Handel in ihrer Hand liegt und sie allein den Geschäftsverkehr zwischen Fremden und Arabern vermitteln. Ihre Umgangssprache ist arabisch, ein grosser Theil spricht hebräisch, mit Ausländern französisch. Thre Wohnstätte ist das Souk3 das Araberviertel, wo sie im besten Einvernehmen mit ihren Nachbarn leben. StaallH e Ausnahmegesetze für Juden gibt es nicht, es sei denn., dass sie vom Militärdienste befreit sind, ihre Religions -und Unterrichtsverhältnisse sind dieselben wie bei uns. Die Jugend wird grösstenteils im Cheder, theil weise in den Schulen der Al'Iiance Israelite erzogen. In den Anschauungen des Volkes macht sich eine grosse Naivität geltend, auch ist der Aberglaube noch stark verbreitet, dagegen stehen die Begriffe von Moral und Sittlichkeit auf der Höhe. Obligat ist die arabische Tracht, ohne Schleier bei der Frau. Vielweiberei gibt es nicht. Was unsere Bewegung anbelangt, ist Kenntnis davon nach Tunis bereits gelangt, und zwar durch die „Hazefirah**. die von Einzelnen bezogen wird. Wie gute Gewährsmänner, deren Namen uns bekannt sind, angeben, hätten wir längst die ganze Judenschaft von Tunis bei uns, wenn nicht der Vertreter der Alliance Israel ite dem Zionismus entgegengetreten wäre, und ohne die Meinung der Bevölkerung, dass die französische Regierung dein Zionismus missbiligend gegenüberstände. Seine kurze Aufenthaltszeit benützte unser Freund., um zu erzählen., dass in Paris zionistische Vereine mit behördlicher Genehmigung existieren, und diese Erklärung hatte augenblicklichen Erfolg. Aus der tunesischen Kpsteiistaät Sfax ist schon ein Brief bei ihm eingetroffen, gezeichnet von deu Herren Nissiin in d (JoMji r, mit der Nachricht, dass 100 tunesische Juden in einem Schriftstück ihre Gefolgschaft für den Zionismus aussprachen. Wie der Berichterstatter uns versicherte, würde eine mühelose, aufklärende Agitation in Tunis uns überraschende Erfolge sichern, was bei dem Wohlstande der Bevölkerung namentlich für die Colonial - bank grosse Bedeutung hätte. Doch liegt die Schwierigkeit, darin, arabische Redner aufzubringen. Von competentor Seite wurden alle Massnahmen bereits ergriffen. Jüdische Kunst. Referat, erstattet auf dem V. Zionisten-Oougressr zu fl***\ ant 27. Deeember lüO] von Martin Huhrr. Verehrte Congressniitgieder! Herr Dr. Max Nordau hat. heute über die Fragen der geistigen Hebung des jüdischen Volkes in einer Weise zu ihnen gesprochen, die auf meine Freunde und mich, und ich darf wohl sagen, dass meine Freunde und ich hier einen guten Theil der jungen zionistischen Generation vertreten — einen überaus schmerzhaften Kindruck gemacht hat. Wir haben, seit wir Z ionist. en sind, Max Nordau Liebe und Verehrung entgegengebracht. Gerade deshalb aber muss ich hier Zeugnis ablegen, dass wir durch die Art, wie Nordau diese unsere Sache behandelt hat, in unserem tiefsten Empfinden, im Kerne unseres seelischen Zusammenhanges mit dem Zionismus verletzt wurden. Dr. Max Nordau hat es für eine Leichtfertigkeit und Phantasterei erklärt, hier die Fragen der geistigen Hebung zu erörtern. Aber er hat nicht berücksichtigt, dass diese Fragen nichts Geringe res betreffen, als das wunderbare Keimen einer neuen jüdischen Volkscuitur. (Lebhafter Beifall.) Sollen wir hier, in dieser einzigen Versammlung, in der das jüdische Volk sich selbst erkennt, sich seiner selbst bewusst wird, über sich selbst beschließt, sollen wir in den einzigen Zionstagen des Oolusjahres an dieser, vor kurzem noch ungeahnten, von Tag zu Tag fortschreitenden Umwandlung stumpf vorübergehen? Sollen wir hier keine Stellung zu ihr nehmen, sollen wir nicht versuchen, sie zu fördern, so weit es unseren Kräften möglich ist? Wenn wir es nicht thun, wenn wir hier kein Wort haben 'für, diese Auferstehung, erfüllt dann noch dieses jüdische Parlament seine Aufgabe? Sind wir dann nicht wie Leute, die an einem menschlichen Organismus Nerven und Muskeln, Knochen und Adern sehen., aber die Seele nicht erkennen? (Beifall.)