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Die Welt · 1902-01-10 · 2 (10.1.1902) · p. 2

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Journal
Die Welt
Volume
6 (1902)
Issue
2 (10.1.1902)
Article
Ein Epilog
Date
1902-01-10
Page
2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 „Die & Welt44 gebungen beweisen, die in die Oeffentliehkeit dringen, zuletzt der hochherzige, von Achtung erfüllte Brief, welchen der Regierungsrath der gastlichen Stadt Basel an den Congress spontan gerichtet hat .... Wir sind auf unserem Wege den albernsten und weithergeholtestenEinwürfen undVorwürfen begegnet. So wurde auch der gemacht, unsere Congresse seien deshalb so gut besucht, weil sie in Ferien- und Eeisemonaten stattfinden. Nun, wir wussten es wohl, dass unsere Delegierten keine Vergnügungs- und Badereisenden sind, sondern nur, von Begeisterung und Pflichttreue für die heilige Sache erfüllt, auf denCongressen erscheinen. Der heurigeCongress, der verschiedener Umstände halber in der ungünstigsten, schlechtesten Jahreszeit einberufen werden musste, hat auch die Ungläubigsten belehren müssen, denn trotz des Winters sind bei 300 Delegierte über unseren Aufruf herbeigeeilt, während die dreifache Anzahl von nicht mit Mandaten versehenen Zionisten aus allen Weltgegenden nach Basel gekommen war, um den Berathungen des Congresses mit fieberhafter Spannung zu folgen. Ein Delegierter ist aus Tschita in Sibirien an der mandschurischen Grenze gekommen, und brauchte hierzu 21 Tage Eisenbahnfahrt! Er brachte dem Congresse die Grüsse und Zustimmung der zahlreichen sibirischen Zionisten und erzählte uns unter anderem, dass in Urga in der chinesischen Mongolei, 3000Werst östlich von Tschita, Zionisten vorhanden seien. Ausserdem waren auf dem Congresse vertreten durch eigens aus diesen Ländern gekommene Delegierte: Neu-Seeland, Südafrika, Nordamerika und Canada, sowie natürlich auch alle Länder von Europa. Besonders stark war neben Kussland, auch Deutschland, England und Italien repräsentiert. Tausende von Depeschen und Briefen aus der ganzen Welt überbrachten dem Congresse die Kundgebungen des Welt-Zionistentages. Die Congresstage sind wahrlich keine Erholungstagc für die Delegierten. Fanden doch täglich meist drei Congress-Sitzungen statt. Dazwi sehen versammelten sieh die einzelnen Ausschüsse, welche enorme Arbeiten zu bewältigen hatten. Wer den Congress-Sitzungen beizuwohnen Gelegenheit hatte, musste von dem Ernste und der Würde, dem Verständnisse und dem Pflichteifer der Berathungen eine hohe Meinung bekommen. In welchem Vertretungkörper der Welt dürfte es noch vorkommen,dass um 4 Uhr morgens — nachdem die Sitzung mit einer nur zweistündigen Mittagspause von 10 Uhr morgens an gedauert hatte — noch 87 Delegierte für die Fortsetzung der Sitzung stimmten, wobei mehr als 200 Delegierte und 29 Gäste im Saale anwesend waren? Der V. Congress war nicht nur ein Erfolg durch seine Tagung, sondern hat auch mehrfach und weittragende positive Erfolge gebracht. Was die Arbeiten des Congresses betrifft, so wurde unsere Organisation nach den Erfahrungen der letzten fünf Jahre weiter ausgestaltet und verbessert. Dann wurde die Institution des Jüdischen Nationalfonds, zu dem unser leider zu früh verstorbener Gesinnungsgenosse Professor Schapira in Heidelberg schon auf dem ersten Congresse die Anregung gegeben hatte, und von dem wir uns sehr viel versprechen, endgiltig ins Leben gerufen. Endlich bildete die Frage des Beginnes der Thätigkeit unserer actionsfähig gewordenen Bank einen Gegenstand intensivster Berathungen, bei denen die Meinungen scharf aufeinanderplatzten, x\n dieser Stelle sei der Genugthuung Ausdruck gegeben, dass die Vorlagen und Anträge, sowohl des Actionscomites, wie auch der einzelnen Delegierten niemals ohne Weiteres angenommen wurden, sondern stets einer gründlichen sachlichen Berathung und Prüfung unterzogen wurden. Unsere Gegner concludieren in ihrer hinlänglich bekannten feindseligen Weise, dass sich innerhalb des Zionismus Spaltungen und Parteibildungen zeigen. Wir aber freuen uns dieser durchaus nicht factiösen, sondern sachlichen Opposition nach dem bekannten Ausspruche des englischen Staatsmannes: „Wenn ich keine Opposition hätte, würde ich mir eine solche schaffen". Denn das Vorhandensein einer sachlichen Opposition trägt dazu bei, da,ss die Frage nicht nur nach ihren Lichtseiten, sondern auch nach ihren Schattenseiten untersucht werde. Neue Gesichtspunkte kommen hierbei zum Ausdrucke und die Sache selbst, um die es sich handelt, kann dabei nur gewinnen. Und dies documentierte sieh auch mehrfach auf diesem Congresse und ergab Resultate, welche zum Schluss allen Interessen und Erwägungen gleichermassen Eechnung trugen. Ausser diesen schon genug umrissenen Resultaten hat der Congress auch nach vielen anderen Seiten anregend gewirkt, Saaten ausgestreut, die, wenn sie auch momentan nicht zurFrucht gereift sind, doch nicht unfruchtbar bleiben werden, sondern den Ausgangspunkt bilden werden für weitere Studien, Beobachtungen und Erwägungen. Der Vortrag Max Nordaus war schon dadurch eine That, dass er vieles sagte, was zu sagen sonst niemand den Muth findet. Der Vortrag enthält sehr viele tiefe Gedanken, sehr scharfe Beobachtungen und sehr ernste Vorschläge, so dass er noch lange fortwirken und für viele Congresse den Beratliungsgegenstand abgeben wird. Dann kamen die prächtigen Einzelreferate von Sokolow, Buber, Dr. Jeremias und Dr. Moses, sowie das nur in Druck vorliegende Referat von Dr. Ehrenpreis,*) welche von allen Zionisten gründlieh studiert werden sollten und für die nächste Zeit hinreichenden Stoff für eine erfolgreiche Thätigkeit der Einzel vereine, abgeben werden, um auf dem nächsten Congresse durch statistische und sonstige Belege unterstützt, wieder auf die Tagesordnung zu kommen. Endlich ist die Rede Israel Zangwills zu erwähnen. Der Präsident des Congresses hat zwar den Antrag Zangwills, in welchen seine Rede ausklang, als einen nicht zum Wirkungskreise des Congresses gehörigen, nicht zur weiteren Erörterung und Abstimmung gebracht, aber die kräftigen Worte des nicht nur im jüdischen Volke verehrten grossen Dichters werden in der ganzen Welt Aufsehen erregen und auch zu denen dringen, die sich bisher den Klagen des jüdischen Volkes gegenüber hart und unempfindlich gezeigt haben. So hat denn dieser Congress ein enormes Stück Arbeit geleistet und den Zionismus theils weiter ausgestaltet, theik ihm neue Aufgaben für die Zukunft gestellt. Darin werden uns selbst die strengen Gegner rechtgeben müssen: Die Zionisten dürfen mit dem V. Congresse sehr zufrieden sein. * I. Tag. III. (Nacht-) Sitzung. Beginn: Donnerstag 9 Uhr abends. Vorsitzender : Dr. E. W. T s c h 1 e n o w. Im Namen der Permanenz-Commission schlägt Dr. A. Marmorek für den Cultur- und den Colonisations-Ausschuss folgende Delegierte vor, die der Congress auch wählt: Cultur-Ausschuss: Dr. W ei z mann, Genf, N. Sokolow, Warschau, Ben-Ami (Rabinowitsch), Rabb. Reines, Lyda, J. Klausner, Dr. Bruck, Hornel, Schuchmann, Nikolajeff, Dr. E d e Is t e in, Bonn, Dr. Frank, Altona, M. Buber, Wien, B. F ei w e 1, Brünn, E. M. Lilien, Berlin, Dr. Israel Friedländer, Strassburg, Herbst, Sofia, Dr. Rymalowski, Bulgarien, Dr. J. E. Landau, Manchester, Dr. S c h a f f e r, Baltimore, Rev. Ravinsohn, Liverpool, M. A. Goldblum, London, Doctor A. Marmorek, Paris, Rev. Wasserzug, Südafrika, *) Wir werden alle diese Referate in den nächsten Nummern im Wortlaute abdrucken. (Anm. der Red.)

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