Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 6 (1902)
- Issue
- 1 (3.1.1902)
- Article
- Rede Israel Zangwills
- Date
- 1902-01-03
- Page
- 14 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 „Die # Welt" Nr. 1 grossen Congress auf, nicht auseinanderzugehen, ohne gegen die Haltung jener zu protestieren., die verhungern lassen und vernachlässigen, wo sie nähren und pflegen könnten, die kleinliehe Ansichten von ihren Pflichten als Testamentsvollstrecker eines grossen Wohlthäters haben, als Testamentsvollstrecker eines leidenden Volkes. Ich beantrage, dass dieser Congress die Haltung und das Vorgehen der Hirsch/sehen. Testaments-Vollstrecker öffentlich verurtheile. (Stürmischer, lang anhaltender, wiederholt sich erneuernder Beifall und Händeklatsehen.) Letzte Berichte. Ueber den Verlauf und die Ergebnisse der Verhandlungen der ersten Nachtsitzung und des zweiten, dritten, vierten und fünften Tages — auf Antrag des Delegierten Lilien wurde nämlich die Tagung des Congresses um einen Tag verlängert — werden wir in der nächsten Nummer ausführlich berichten. Heute nöthigt uns die Knappheit des verfügbaren Raumes, uns auf die Registrierung der allerwesentlichsten Momente dieser Verhandlungen zu beschränken. In der Nachtsitzung des ersten Tages referierte Sir Francis Montefiore unter grossem Beifall über die Jüdische Colonialbank. An das Referat schloss sich eine lebhafte Debatte, die aber nicht zum Abschluss gelangte und vertagt werden musste. Auf der Tagesordnung der Sitzung vom Freitag stand das Generalreferat und die Specialreferate über die Fragen der körperlichen, geistigen und wirthschaftlichen Hebung des jüdischen Volkes. Das meisterhafte Generalreferat Max Nordaus bringen wir im Wortlaute an einer anderen Stelle dieser Nummer. Das Specialreferat über körperliche Hebung erstattete Dr. Carl Jeremias (Posen.) Seine Ausführungen gipfelten in detaillierten Vorschlägen zur hygienischen Erziehung der jüdischen Massen. Ueber jüdische Wissenschaft und Geschichte referierteRedacteur M. S o k o 1 o w (Warschau). Er führte aus, die jüdische Wissenschaft habe nur dann Sinn und Berechtigung, wenn sie Wissenschaft des Volkslebens sei. Die Pflege der jüdischen Wissenschaft und Geschichte sei ein nationales Erfordernis; aber das Judenthum solle nicht wie eine Monstrosität klinisch demonstriert werden, sondern das jüdische Volk soll in seinen Erlebnissen und in seinem Schaffen erforscht und dargestellt werden. Die jüdische Wissenschaft müsse wieder Eigenthum des ganzen Volkes werden. (Beifall.) An das Referat Sokolows sollte sich das des Dr. Ehrenpreis über hebräische Sprache schliessem Das Referent war aber im letzten Momente an der Reise zum Congress verhindert worden; deshalb fiel das Referat aus, wurde aber über Beschluss des Congresses den Delegierten im Druck vorgelegt. In der Sitzung von Samstag abends verlas Dr. Herz 1 zunächst das an zweiter Stelle unserer heutigen Nummer abgedruckte Begrüssungsschreiben des Regierungsrathes des Cantons Basel-Stadt. Diese Zuschrift wurde von der Versammlung mit lebhaften Hochrufen auf die Schweiz und die Stadt Basel aufgenommen. Sodann verlas Dr. Herzl unter gespanntester Aufmerksamkeit das an der Spitze unseres Blattes veröffentlichte Telegramm Sr. Majestät des Sultans. Die Versammlung erhob sich zu einer stürmischen, minutenlang währenden Ovation. Doctor Herzl erklärte, diese Kundgebung dem Sultan in geeigneter Weise übermitteln zu wollen. Nunmehr referierte Dr. Moses (Mannheim) über die Frage der wirtschaftlichen Hebung. Die leitenden Gesichtspunkte des Referates sind unseren Lesern theilweise schon aus dem Artikel des Referenten in Nr. 50 der „Welt" bekannt. Hierauf ergriff Dr. Herzl, mit kfcjiaften Zurufen begrüsst, das Wort zum Referate üÜer Organisation. Wir werden dieses Referat, sowie das vom Congresse angenommene neue Organisation - Statut und den Motivenbericht Dr. Bodenheim ers hierzu in nächster Nummer bringen. Eine überaus lebhafte Debatte entspann sich über die Frage, ob der Congress wie bisher alljährlich oder in längeren Zwischenräumen stattfinden solle. Die Sitzung schloss um halb 9 Uhr früh, ohne dass in dieser Angelegenheit ein principieller Beschluss gefasst worden wäre. Vielmehr wurde es dem Actionscomite anheimgestellt, den Congress nach seinem Ermessen einzuberufen. In der Sonntag-Vormittagssitzung referierte Doctor Schallt — da Referent Kremenezky verhindert war — über die Schaffung eines jüdischen Nationalfonds. Die Discussion über dieses Referat dauerte bis gegen 4 Uhr nachmittags. Es handelte sich dabei um die Frage der vermögensrechtlichen Sicherung des Fondes durch Schaffung einer juristischen Person. Dr. B o denh eimer beantragt, von der Stiftung des Nationalfondes insolange abzusehen, als diese Sicherheiten nicht gegeben sind, wogegen sich Dr. Herzl und andere Redner entschieden wenden. Der Congress beschliesst denn auch, an die Stiftung des Fonds ohne Verzug heranzutreten. Das Actionscomite wird beauftragt, auf dem nächsten Congresse einen Vorschlag bezüglich der Creierung einer juristischen Person für den Fonds zu erstatten und sich zu diesem Zwecke mit einer eigens hierzu gewählten juristischen Commission ins Einvernehmen zu setzen. In der Sonntag-Abendsilzung hielt Israel Zangw i 11 die an anderer Stelle im Wortlaut gebrachte Rede, die ungeheures Aufsehen erregte und stürmischen Beifall weckte. Sodann wurde dte Specialdebatte über den neuen Organisationsentwurf fortgesetzt. Der Gedanke der Decentralisation, dem Dr. Herzl in seinem Referate das Wort geredet hatte, fand in der Bestimmung Annahme, dass die Bildung von Organisationen ausserhalb der schon bestehenden Landes-Organisation unter gewissen Umständen mit Bewilligung des engeren Actions- Comites und der A.-C.-Mitglieder des betreffenden Landes zulässig sei. Hierauf wurde die in der vorigen Nachtsitzung eröffnete Debatte über das Bankreferat zu Ende geführt. Sehluss der Sitzung um 3 Uhr morgens. Montag vormittags um 10 Uhr fand die General- Versammlung der Actionäre der Jüdischen Colonialbank statt. Wir werden darüber in nächster Nummer ausführlich berichten. Auf dem Congresse selbst wurde die Bank-Debatte um 11 Uhr vormittags fortgesetzt. Von den überaus wichtigen Beschlüssen erwähnen wir diesmal nur die Annahme des Antrages Ussischkin, wonach in Palästina eine Geschäftsstelle der Bank zu errichten sei, die sich bis auf weiteres nicht mit Colonisations-, sondern mit Bank- und Handelsgeschäften zu befassen habe. In der Montag-Abendsitzung wurden die Wahlen in das engere und weitere Actionscomite vorgenommen. In das engere Actionscomite sind gewählt: Dr. Theodor Herzl, Dr. 0. Ko k e s ch, Arch. Oscar Mar m orek, Dr. Leopold Kahn und Johann Kremenezky. Russland erhält anstatt der bisherigen 12 Actionscomite-Mitglieder 13. Der Sitz des dreizehnten ist in Lodz. In der Schlussrede Dr. Herzls, die von stürmischen Beifallskundgebungen begleitet war, erregte namentlich die Mittheilung Aufmerksamkeit, dass die Stadt Basel bezüglich der Schaffung einer juristischen