Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 52 (28.12.1906)
- Date
- 1906-12-28
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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«- DIE^ELT No. 52 C^kehr4* vor. Alle Vorträge wurden lebhaft akklamiert, so daß die einzelnen Künstler Zugaben machen mußten, per Verein hat sich; durch diese gelungene Veranstaltung in die hiesige Oesellschaft gut " eingeführt, so daß zu erwarten ist, daß bei seinen nächsten Veranstaltungen auch die übrige nichtzionistische jüdische Bevölkernng Osijeks vertreten sein wird. Teplitz-Schönau. Am 16. Dezember vereinigten die Säle des »Lindenhofs" eine zahlreiche Versammlung zur Makkabäerfeier. Eröffnet wurde diese durch Nossigs packenden Prolog „Die Makkabäer", gesprochen von Frl. Camilla Dühren, einer der vorzüglichsten Kunstkräfte des hiesigen Theaters. Darauf folgte Dr. Heinrich Lowes Vortrag „Das Land der Makkabäer". In einer langen Reihe wirkungsvoller Skioptikonbilder, begleitet von begeisterten und begeisternden Ausführungen, ließ uns Löwe die Stätten schauen, für die die Makkabäer gekämpft, um die auch wir heute ringen. In atemloser Spannung ließ die Versammlung die Bilderreihe an sich vorüberziehn, manchen Anblick, manches Wort des Vortragenden mit begeistertem Beifall begrüßend. In diesem, in seiner Art bei uns neuen, aber durch den Nachweis von Realem und Praktischem um so wirksamem Vortrag wurde unsem Gästen tief anregende Belehrung und zugleich Unterhaltung geboten. — Einen angenehmen Genuß bereiteten die Liedervorträge des Bassisten des hiesigen Theaters, Herrn Flaschner, sowie die Rezitationen des Frl. Dühren. NACHRICHTEN Die „Nationale Konzentration" in Polen und die Judenfrage*) Aus Warschau wird uns geschrieben: Im „Przeglad poranny44 wurde ein offener Brief von Dr. I.Frenkiel veröffentlicht, worin der Verfasser dem Jüdischen Wahlkomitee den Vorschlag macht, eine „goldene Brücke des Friedens zu bauen" und sich der „Nationalen Konzentration" anzuschließen. Wie bekannt, repräsentiert das Jüdische Wahlkomitee nur gewisse, - .hauptsächlich nationale Strömungen des Judentums, die jüdischen -^Assimilatoren halten sich vorläufig fern von der Agitation. Und;<i*jswegen ist es auch überraschend, daß die Anhänger des polnischen -.Nationalismus, die sich in der „Konzentration" zu gemeinsamer Aktion vereinigten, um die Gunst des Jüdischen Komitees werben, das, wie gesagt einen vorwiegend jüdisch-nationalen Charakter trägt. Es erschien um so überraschender, da ja dieselbe Nationaldemokratie, die an der Spitze der „Nationalen Konzentration" steht, noch vor einigen Monaten sich aufs schärfste gegen irgendwelche Wahlkompromisse mit Juden ausgesprochen und sie sogar als Verrat gegen die polnische nationale Sache gebrandmarkt hat. Aber das Unwahrscheinliche ist doch wahr! In der letzten Nummer des Organs der polnischen progressiven Partei „Przelom" erschien ein Artikel, worin die Nachrichten von diesen Annäherungsversuchen der „Nationalen Konzentration" an das Jüdische Wahlkomitee bestätigt werden. „Przeloni" teilt mit, daß das Jüdische Wahlkomitee die Frage des Blocks mit der „Konzentration" einer gründlichen und ernsten Prüfung unterzogen habe. Der eigentliche Zweck dieses Artikels war natürlich, das Jüdische Wahlkomitee in die Netze der „Konzentration" hineinzuziehen. Um* das zu erreichen und diese . Organisation durch das Versprechen der Gleichberechtigung und Ausrottung. des Antisemitismus zu gewinnen, wurde ein ganzes Arsenal von jesuitischer Dialektik verbraucht. Und derselbe „Przelom", welcher noch vor wenigen Tagen über „den jüdischen Nationalismus unter dem Deckmantel des Fortschritts" spottete und zu den Alliierten der Nationaldemokratie gehört, (die ja während der vorigen Wahlen einen Kreuzzug gegen die progressivdemokratische Partei veranstalteten, weil diese einen Wahlblock mit der jüdischen Gemeinde geschlossen hatte), schmeichelt jetzt dem jüdischen Komitee, indem er sagt: „Es ist die Pflicht der Juden, sich der „Konzentration" anzuschließen. Und wir wünschen heiß diese Vereinigung. Erstens deswegen, weil wir in den Juden als einer /. immer progressiven politischen Gruppe, eine feste Stütze im Kampfe .Vffir dievFreiheitsrechte finden werden, und. zweitens, weil wir ihre V~ Hufe bei der Durchführung der jüdischen Gleichberechtigung brauchen werden. .. So schreibt „Przelom-. Welch eine Veränderung der Dekoration seit der Zeit, wo die_poJnische. progressive Partei die M\ Sößdarität mit den Jaden als Vaterlandsverrat gestempelt hat ':;l.Wenn diese Evolution von rein antisemitischen Ansichten zu ü&ju&m Oberzeugung, daß die Juden ein stets progressives Element ifpr'tSden, nicht ein Sprung geschickter' Politiker, sondern - eine tiefe g^'*? * ■•—'-■ . . - fe>r;5j# VgLhUreu unser« Ausführungen In der „Pol. Revue". * -SS^'rwfer'v-. - .-' , - » ■.. Ä^/J^kSa^V r....... Oberzeugung wäre, so könnte sie nur gelobt werden. Aber die Maske ist zu durchsichtig, als daß das judische Komitee diese taktische List nicht durchschauen könnte. Die Judenfrage als soziales Problem, als Postulat der echten . Emanzipation des Menschen und Staatsbürgers, ist mit den Freiheitsidealen fest verbunden. Der Kampf um die jüdische Gleichberechtigung kann deswegen nur in einem solchem Lager geführt werden, das die Erreichung der Ideale des Fortschritts und der Demokratie zu seiner Aufgabe macht. Unter den Juden herrschen verschiedene Strömungen und Tendenzen, aber fast alle haben sich, sei es bewußt oder instinktiv, der Freiheitsbewegung angeschlossen. Sie haben eine harte Schule des Unglücks hinter sich, durch die sie die Reaktion hat gehen lassen, und deswegen wird die Mehrheit der Juden niemals ihr Schicksal von der Gnade oder Ungnade der rechten politischen Parteien abhängig machen. Eine Revision im jüdischen Krankenhause in Warschau In der Nacht vom 9. auf den 10. d. M. wurde das jüdische Krankenhaus, welches sich in der Vorstadt Tschyste befindet, von allen Seiten vom Militär umringt Eine Militärabteilung mit Polizisten und Gendarmen an der Spitze drang in die Spitalräume ein und unterzog alle Kranken, ohne Ausnahme, einer strengen Revision. Man verlangte von-jedem Kranken die Vorzeigung der Legitimationspapiere und die Bestätigung des Arztes, daß der Betreffende sich im Krankenhause nur wegen seiner Krankheit befindet. In der Abteilung für Geisteskranke wäre es fast zum Blutvergießen gekommen, da manche von den Kranken sich über die Soldaten warfen und eine Schlägerei anfingen. Die Soldaten wollten schießen, wurden aber von einem Offizier davon abgehalten. Die Revision dauerte die ganze Nacht, da ja die Zahl der Kranken und der Bedienung sehr groß ist. Es wurde nichts Verdächtiges gefunden. Dieser Vorgang rief in der Stadt eine große Empörung hervor. Jüdischer Volksverein in Berlin Am Sonntag, den 9. d. M. fand die 2. Generalversammlung des Jüdischen Volksvereins im Fürstenbergbräu, Rosenthaler Straße 38. statt, welche sehr zahlreich besucht war ixnd vier Stunden dauerte. Der 1. Vorsitzende, Herr Dr. Hans Mühsam, eröffnete die Versammlung, indem er mit beredten Worten über die Geschichte und die Tätigkeit des Vereins referierte. In einundeinhalbstündiger Rede wies er an der Hand eines reichen statistischen Materials nach, daß der „Volksverein44 trotz seines kurzen Bestehens schon Außerordentliches geleistet hat Er beschrieb die kulturellen und wirtschaftlichen Einrichtungen des Vereins; unter den kulturellen erwähnte Redner besonders die zahlrefchen Vorträge, Fortbildungs- und Sprachkurse, die der Verein eingerichtet hat. Die wirtschaftlichen Einrichtungen sind so zahlreich* daß man sie in einem kurzen Bericht nicht aufzählen kann. Sie werden im Jahresberichte des Vereins aufs genauste beschrieben sein. Bemerkenswert in dem Bericht über die wirtschaftlichen Einrichtungen war, daß die Zahl der Mitarbeiter in sämtlichen Gruppen zur Zeit 107 beträgt und im letzten Geschäftsjahr nicht weniger als ca. 21000 Auskünfte erteilt wurden. Die Ausgaben des Vereins betrugen für die einzelne . Auskunft durchschnittlich 6 Pf. An die Rede des Herrn Vorsitzenden schloß sich der Kassenbericht des Schatzmeisters Herrn M. Wollstein er und de§ Kassenrevisors Herrn A. Hirsch. Nach lebhafter Diskussion über den Geschäftsbericht wurde dem Vorstand Entlastung erteilt. Für das kommende Geschäftsjahr wurde folgender Vorstand gewählt: 1. Vorsitzender Dr. H.Ä Mühsam, 2. Vorsitzender Dr. Witkowsky, 1. Schriftführer Dr. Namiot, 2. Schriftführer Frt: Noemi Banetb, 1. Kassenwart- M. Wollsteiner, 2. Kassenwart A. Hirsch, Vorsteher der wirtschaftlichen Abteilung Isidor Wolff, stud. techn., Vorsteher der kulturellen Abteilung A. Hildesheimer, cand. ehem., Beisitzer stud. phil. Weldler. W-jgenvorgerückter Stunde wurde beschlossen, über die Statutenänderung in /einer in der jnächsten Zeit einzuberufenden Versammlung zu beraten. Der christlichen Feiertage wegen erscheint die heutige Nummer einen .Tag später. Aus Raummangel ratiftten vylele Einsendungen, besonders / Verelnsherictrte zurückbleiben.