Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 41 (7.10.1844)
- Date
- 1844-10-07
- Page
- Seite 585 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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585 gen werden!.Euch vorzüglich aber, edelmüthige Vertreter und Repräsentanten der ungarischen Juden! die Ihr schon seit Jahren in Verfechtung ihrer Rechte und seiner bürgerlichen Jntreffen mit rastlosem Eifer und lobenswerther Uneigennützigkeit ringt, strebt und — wirkt, Euch Edlen liegt es ob, auch für ihr religiöses Wohl öffentliche Gegenschritte zu thun! Die Ihr für deren äußere Emanzipation so thätig arbeitet, Eueren Einfluß gebraucht und überall Euch verwendet, setzt hier Euerem Verdienste die Krone aus, und sucht die innere Emanzipation Euerer Brüder zu befördern, daß das Werk der Finsterniß und des Pfaffenbetrugs im Keime erstickt, Licht und Aufklärung auch in unserem Vaterlande verbreitet werden!! Czernowitz in der Bukkowina, 24. September. (Privatmitth.) Wenn Etwas zu beklagen ist, so ist es die unverantwortliche Gleichgültigkeit, mit der man dem Treiben der chassidischen Rcbbe's nachsieht, und diese sind es gerade, welche das Elend der hiesigen Juden unerträglich machen, welche Unwissenheit und Sittenlosigkeit, Müßiggang und Völlerei allgemein zu machen suchen, während sie ihrer Anhänger Taschen bis auf den Grund auszufegen verstehen. Nicht mehr begnügen sie sich wie in früheren Zeiten mit dem was man ihnen aus freien Stücken mitbringt, sondern sie schreiben vor, wie viel man ihnen zu geben hat, und wer würde sich einer solchen Forderung widersetzen? Dieses Saugesystem ist unter den Rebbi's eingeführt, seitdem zu unserem Verderben der verdächtige Mitschuldige eines fürchterlich unerhörten Vergehens in unserem Lande wohnt. Das lockende Beispiel von großen Reichthümern machte diese heiligen Leute lüstern, und wahrlich sie verstehen es ihre Lust zu befriedigen. Man höre. Rebbi Chajem aus Kossowa im kolomeer Kreise, einem Städtchen das kaum in einer speziellen Karte Galiziens zu finden ist, hat vor kaum zwölf Jahren beim Ableben seines Vaters Rebb« Mendel so viele Geldmittel, das elende Leben fristen zu können; und nun? o jetzt ist er reich, sehr reich, er hat mehre Zentner Silber, er hat bares Geld und wuchert damit, er hat Hauser, er hat Wagen und Pferde, er hat reiche Kleider, er hat Ueberfluß, von dem kein Mensch genießt, er hat — ach was hat er denn nicht? — Rebbe.Hersch Meschores, so genannt weil er in früheren Jahren Wagenführer bei einem gewissen rumanower Rebbe war, der nicht einmal hebräisch zu lesen verstehet, kam vor einigen Wochen zur Verlobung seiner zweijährigen Tochter mit dem einjährigen Sohn des Rebbe Srulze (Israel) nach Sada Gura, und wußte nicht auf welche Weise die versicherten 1800 russischen Rubel in Silber zu tilgen, und siehe kaum war er zwei Tage da, als er die obgedachte Summe auf sichere Zinsen für das Brautpaar anlegte, und noch ein schönes Sümmchen nach Hause mit sich führte. — Aber ist denn etwa ein Wunder geschehen? fragt mancher begierige Leser; o ja Wunder, große Wunder sind geschehen; arme elende Menschen, die meistens mit erborgtem Gelde ihre Familie erhalten müssen, haben dieses Sümmchen zusammengctragen, weil es die Rebbe's befohlen, weil sie es gewünscht haben. Aber was sind diese gedachten gegen den aus den russischen Wäldern entlaufenen? Was sind Igel gegen die giftigsten Schlangen? Dieser Rebbe, auf dem Vergehen lasten, von denen er sich nicht reinigen kann, dieser Mann, den die russische Regierung als den schändlichsten Menschen für seine jüdischen Unterthanen anerkannt hat; dieser Mann wird in unserem Lande vergöttert, und als Gott angebetet. Trotz seinen großen Rcichthümern, seinem gesetzlosen Wucher, seinem grenzenlosen Luxus, seiner weibischen Eitelkeit, trotz seiner Raubsucht, wird er bewundert, geliebt und fast allgemein geachtet. Dieser Mann versteht die Kunst Geld ohne die geringste Anstrengung zu erwerben. Was sind Fürsten, was sind Könige, was sind Kaiser gegen ihn? die armen Monarchen tragen Sorge für ihre Unterthanen, müssen sich erst von ihren Völkern Abgaben bewilligen lassen, während dieser glückliche Mann von Tausenden mit Geld überschüttet wird, so daß er buchstäblich es selbst zu achten aufgehört, indem er neulich einen Grafen 50,000 sage funfzigtausend Gulden in Konv. Münze geliehen, von dem man überzeugt ist, daß er sie nie mehr wieder bekommen wird. Wie viele arme jüdische Familien sind ausgesaugt bis man dieses Geld erlangt hat, und wie viele könnte» mit diesem Gelde glücklich sein? Und diesem Treiben sieht man gleichgültig zu, ohne dagegen einen Schmerzensruf nach Oben zu erheben? -Wenden wir uns zu einer Erscheinung, die uns für jenen ekelhaften Anblick entschädigt. In der hiesigen israelitischen Gemeinde hat der