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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-05-20 · Heft 21 (20.5.1844) · p. Seite 282

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 21 (20.5.1844)
Date
1844-05-20
Page
Seite 282 (sequence 2)
Language
German
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282 Belgien. Brüssel, 28. April. (Privatmitth.) Hier ist weder in religiöser, noch in administrativer Beziehung etwas Neues vorgefallen; mit unserm Synagogendienste kann jeder Vernünftige zufrieden sein, der Chorgesang macht täglich größere Fortschritte, Ordnung und Anstand haben tiefe Wurzel gefaßt; seit ungefähr einem Jahre hat unser würdiger Oberrabb. vr. Lob seine Predigten fast ausschließlich in französischer Sprache gehalten. Zu bedauern ist freilich, daß dadurch die Gleichgültigkeit der wohlhabendsten und aufgeklärtesten Gemeindemitglieder um nichts gemindert worden, so daß das Gotteshaus drei Viertel des Jahres leere Bänke hat. An den hohen Festtagen strömt freilich Alles herbei und fehlt es an Platz, und sonderbarer Weise ist gerade an diesen der ganze alte Ritus beibehalten. — Gerade darum ist es Zeit, daß die Besten sich der Sache annehmen, und daß ein allgemein Gültiges im Kultus festgestellt würde, wozu die Rabbinerversammlungen am angemessensten wären. — In Betracht der Schulen kann hier zu Lande noch nichts bewirkt werden, was namentlich dem schlechten Willen unsrer Glaubensgenossen in den kleinen Städten zuzuschreiben ist. — In literarischer Hinsicht ist hier seit längerer Zeit nichts geschehen, vr. Carmoly's Rewe orientale geht den Schneckengang, und hält noch im Dezember 1842. vr. Löb's kurzgcfaßte jüdische Geschichte in französischer Sprache ist verdienstlich, hat aber doch den Erwartungen nicht entsprochen. Frankreich. Paris, im Mai. (Nach den Areh. isr. de Fr.) Den 31. März hielt die im vorigen Jahre gegründete Gesellschaft zur Unterstützung, junger israelit. Mädchen unter dem Vorsitz der Frau Baronin James von Rothschild ihre erste Generalversammlung. Der Zweck ist folgender: wenn die Mädchen die Schule verlassen, sie konsirmirt worden sind, und versprechen, einem Religionsunterrichtskursus beizuwohnen, und einen tugendhaften Wandel zu führen, treten sie in die Gesellschaft ein. Jedes Mädchen wird unter den Schutz einer Dame gestellt, die sie bisweilen bei ihrer Lehrmeisterin beaufsichtigt. Während der Lehrzeit erhält jedes Mädchen 6 Fr. (1 Thlr. 18 Ngr.) monatliche Unterstützung. Die würdigsten Mädchen erhalten nach dem Loose eine Mitgift von 1508 Fr. (408 Thlr.). Die Gesellschaft hat im vorigen Jahre 7603 Fr. Einnahme und 3282 Fr. Ausgabe gehabt. Den 31. März waren fünf Mädchen in der Lehre und zwei hatten die Mitgift erhalten. Straßburg, 28. April. (Privatmitth.) Anbei übersende ich Ihnen den Bericht, welchen der gestrige Courr. du Bas-Rhin über das so eben absolvirte Examen der israelitischen Gewerbsschule in Mühlhausen gegeben. „Mühlhausen. — Israelitische Schule für Künste und Handwerke. — Die in Mühlhausen errichtete israelitische Schule für Künste und Handwerke verdient die Theilnahme und die Aufmunterungen aller Menschen, welche sich um den Fortschritt der Zivilisation interessiren. Ihr Zweck ist, junge israelitische Handwerker zu bilden. Die Prüfung und die Preisevertheilung fand vor einigen Tagen im Gemeindehause statt, im Beisein des Herrn Maire von Mühlhausen, des Herrn Werth, Präsidenten des israelitischen philanthropischen Vereines des Oberrheines, der Mitglieder des Aufsichtskomite's der Schule und einer großen Anzahl Bürger. Verschiedene, von den Eleven in den Werkstätten, wo sie als Lehrlinge arbeiten, verfertigte Gegenstände waren dem Publikum zur Ansicht ausgestellt, welches auf diese Weise ihre Fortschritte in der Mechanik beurtheilen konnte, und man muß sagen, daß diese Fortschritte sehr bemerkenswerth sind. Man wurde nicht minder durch die von diesen Jünglingen überstandene Prüfung über die französische und deutsche Sprache, über die Geschichte, Geographie, Rechen- und Zeichenkunst befriedigt. Und in der That scheint der Unterricht mit weiser Angemessenheit für die Bedürfnisse der Eleven sehr gut ertheilt zu werden. Was uns besonders aufsiel, das war der Umstand, daß alle Eleven, ohne Ausnahme, geläufig französisch sprachen, was leider in unseren Schulen im Elsaß nicht sehr gewöhnlich ist. Herr Werth, welcher dieser Sitzung präsidirte, hat sie mit einer Rede eröffnet, in welcher er sich in warmen Ausdrücken über die Bedeutung und die Zukunft der israelitischen Schule für Künste und Handwerke ausließ, mit welcher man, wie es scheint, auf die Anempfehlung des Zentralkonsistoriums von Pa-

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