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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-04-22 · Heft 17 (22.4.1844) · p. Seite 240

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 17 (22.4.1844)
Date
1844-04-22
Page
Seite 240 (sequence 12)
Language
German
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240 Im Jahre 1763 zu Darmstadt von unbemittelten Eltern geboren, und schon in früher Kindheit vaterlos, gelang es seinem angestrengten Fleiße und seiner madigen Lebensweise, ohne äußere Hilfsmittel, sich alle diejenigen Kenntnisse anzueignen, die zu feiner Zeit den jüdischen Theologen machten; er ging aber schon einen Schritt weiter, indem er ein gründliches Studium der hebräischen Sprache nach grammatikalischen Gesetzen hiuzustgre, was bekanntlich die m.lsten Rabbinen der letzten drei Jahrhunderte vernachlässigten. Von einer Verschiedenheit der Ansichten über eigentliche Lebensfragen innerhalb des Judenthums war in seiner Jugend noch nicht die Rede, und er blieb der alten Schule treu bis an's Ende seiner Tage, obgleich er mit wachem Geiste auch die Bestrebungen der neueren Zeit verfolgte, und sein Interesse für die Kampfe derselben stets rege blieb. Ueberhaupt war ein Streben nach Allseitigkeit und nach Erweiterung der engen Grenzen rabbinischen Wissens an ihm nicht zu verkennen. Schon im hohem Alter gelangte er noch zu der Einsicht, daß die jetzigen Theologen nur dann zur Ehre und zum Ruhme unserer Religion wirken könnten, wenn sie mit gründlicher Kenntniß klassischer Sprachen und weltlicher Wissenschaften ausgerüstet waren. Er sagt dieses deutlich in einem Briefe an die Vorsteher der Gemeinde in Kopenhagen, und bewahrte es, bei den großen Opfern, die er der Ausbildung seines Sohnes dardrachte. Sein Glaube war kein lebloser, logisch-kalter, der in der Regel in den Wanden des Disputirzimmers sich verschwitzt und höchstens in der Form des Fanatismus und der Verfolgung Andersdenkender aufloderk; er war ein innerlicher, lebendiger, der in Liebe und Wohlthun sich bethäligte, und in Bescheidenheit und Demutb jede andre Meinung ehrte. Darum war auch Pactheiung und Streitsucht stets aus seiner Nahe verbannt und genoß er auch das Zutrauen und die Freundschaft derer, die in manchen Punkten anders dachten, sowie er auch bei hochgestellten christlichen Gelehrten sich Anerkennung zu verschaffen wußte. Nach Beendigung seiner Studien fand er ein Feld für praktische Thatigkeir in dem Hause Rothschild, wo er mehrere Jahre als Hauslehrer arbeitete und sich freundschaftliche Gesinnung und Achtung erwarb, und bis in die letzten Jahre seines Lebens erhielt. Im Jahre 1791 ließ ec sich häuslich in Darmstadt nieder, widmete einen Theil seiner Zeit für Haus und Heerd, wahrend ein anderer, großer Theil seiner Zeit der Erweiterung seiner Kenntnisse und gemeinnützigen Bestrebungen — der Errichtung und Ver^ waltunq wohlthätiger Vereine, dem Unterrichte wißbegieriger Schüler, der Berathung Verlassener, der Fürsprache für Gedrückte und Weiterstrebende, der Wiederaussöhnung Entzweieter, überhaupt der Gestaltung des Guten, wie und wo sich Gklegenheit bot, geweihet war. Zweiundfunfzig Jahre lang verwaltete er das Amt eines Lehrers bei dem Beerdigungsvereine unentgeltlich. Am Jahrestage seinem fünfzigjährigen Verwaltung wurde ihm, in Anerkennung seiner Verdienste um diesen Verein, von diesem ein silberner Pokal °J überreicht mit einem Huldigungsgedichte in hebräischer Sprache. Bei Rabbinatsvakanzen funktionirte er ebenfalls unentgeltlich, eingedenk der Worte unsrer Weisen: ia ^inro aiti]? 8*b und weit entfernt, ein solches Interregnum zu Gunsten des Ehrgeizes m die Lange ziehen zu wollen, war er einer der Eifrigsten, die an der Wiederbesetzung dieses Amres arbeiteten. Sein HauS war den Armen, den Rathlosen und den Wißbegierigen stets geöffnet, und Keiner verließ dasselbe unbefriedigt. Also hat der Geschiedene ein halbes Jahrhundert und darüber in unserer Mitte gewirkt, und sich ein Denkmal errichtet in den Herzen Aller, die ihm nahe kamen, dauernder als Erz und Stein. Friede seiner Asche! Möge sein Beispiel nicht spurlos an uns vorübergehn. Glücklich die Gemeinde, der er einen Sprößling gesandt, belebt von seinem Geiste, durchdrungen von seinem Glauben, beseelt von seiner Liebe. Wir ober betrauern einen noch nicht ersetzten Verlust. *) Dieser hatte die Aufschrift: ri2N3 ritW Dis h1‘-1lM73 2-,N D2*| HSDb n'ün PN "253873 112-. 171-17325733 N325 2"2573N ib D8b73 Dl"2 b""» 1N3 7^811 2"N25"73 y^73 ^11N STYOT3 r 713252 , NN173N NN732573 .^12N8 Anzeige. Herr B. S. B e r e n d s o h » Buchhändler in Hamburg ist, zu mehrerer Bequemlichkeit des betreffenden Publikums, von uns ermächtigt worden: Inserate für unsere Zeitschrift: „Zeitung des Judenthums," zur Beförderung, sowie deren Belauf, für uns a n z n n e h m e n. Leipzig, im April 1844. Baumgärtners Buchhandlung. Druck von Z. B. Hirschfeld.

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