Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 15 (8.4.1844)
- Date
- 1844-04-08
- Page
- Seite 216 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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216 wofür er gerichtlich belangt werden solle/ — und 2) den Gottesdienst der Wolfenbütteler Juden als nicht zeitgemäß und nachtheilig für die Zöglinge der gedachten Freischule darstelle. Ueber dieß letztere wird nicht an die Gerichte, sondern an jeden „Unparteiischen" appellirt, unter Vorhaltung des beigedruckten Attestes des Rabbiners Dr. Herzfeld in Braunschweig, welches bezeugt, daß am24. Juni v. I. der Gottesdienst in der Synagoge zu W. mlt lobettswerthet Ordnung und Würde adgehalten worden rc. Da ich bei der erwähnten Schrift nicht undetheiligt bin so wird man mir gestatten, hiermit beide Beschuldigungen zurückzuweisen und für einen unbefugten Angriff zu erklären. Denn 1) nach der ausdrücklichen Erklärung des Herrn Dr. E. ist die Schilderung des alten Talmud- Instituts (S. 8—17), nächst den Mittheilungen des Herrn Inspektors S. M. Ehrenberg, aus Di. Jost's und meinen Berichten geschöpft, fällt mithm uns, nicht dem Dr. E., zur Last. Uebrigens ist wol hie und da von einem Lehrer die Rede, jedoch wird keiner der S. 10 angegebenen sieben Lehrer namhaft gemacht, und die Mangel werden weniger den Personen als vielmehr der Bildungsstufe jener Zeit beigemessen. Wenn von der Despotie, dem Schlafrocke, dem unerbaulichen Familienleben und den rohen Ansichten eines Lehrers gesprochen wird; so ist dieß eine milde Ausdrucksweise für eine gräuliche Wirklichkeit, und Herr „Lippmann Reis" ist der erste, der den Geschichtschreibern einen solchen Prozeß macht. 2) Die zweite Beschuldigung anlangend, so schildert Hekr Dr. E. (@. 48) die Kluft zwischen dem Bildungsstande der Schule und der Art und Weise der äußeren Gottesverehrung, die alte traurige Weise des Gottesdienstes am Wochenseste, das verwirrte Geschrei unverständlicher Piutim, die nothwendige Vermittelung heterogener Elemente in Erziehung und Synagoge u. s. w. Jeder „Unparteiische" sieht hier nichts andres, als daß in einem speziellen Falle die Unverträglichkeit der heutigen Erziehung uüd Kultur mit dem gottesdienstlichen Schlendrian — namentlich der Festtage — nachgewiesen wird, — eine Frage der Wissenschaft und des Lebens, die die Juden bereits 30 Jahre beschäftigt, und von Niemanden den Zeitungen deüunzirt zu werden braucht. Daß die alte Manier noch in der Wolfenbütteler Synagoge statt hat, darüber kann ich ein Attest vom 16. Oktober v. I. ausstellen; und wenn dort mehr Anstand und Ordnung als sonst herrscht, so ist das eben dem moralischen Einflüsse und der 37jährigen Wirksamkeit des Herrn Inspektors E. zu verdanken, dem man durch Anfälle dieser Art schlecht vergilt. Das Drolligste ist, daß das Rabbinerattest vollkommen mit Herrn Dr. E. stimmt, denn „es empfiehlt die Agende der Braunschweiger Synagoge den Wolfenbüttlern dringend, weil die nunmehrige Bildungsstufe der Juden die Abkürzung mancher Gebete, und die allmälige Einführung eines deutschen Elementes in den Gottesdienst erheischt," und — füge ich hinzu — die gänzliche Reform des jetzigen Schlendrians, die denn auch bereits in großen Gemeinden bewerkstelligt ist, und der sich über kurz oder lang auch die sechs bis sieben Familienvater in W. fügen werden. Berlin, im März 1844. Dr. L. Zunz. Obige von mir Unterzeichnete Erklärung habe ich dem Herrn Inspektor S. M. Ehrenberg zu Wolfenbüttel mit dem Ersuchen zugesandt, daß derselbe sie in die öffentlichen Blatter, die ihm konveniren, einrücken lasse. Berlin, 28. Marz. Dr. L. Zunz. Bekanntmachung. Wir zeigen von Nenem an, daß wir Briefe die uns uufraukirt mit Auuoucen für den Anzeiger der Allgemeinen Zeitung des Zndeuthums zukommen, wie bisher uneröffnet zurückwelsen werden. Solche Anzeigen aber, deren ohngefährer Betrag nicht beigefügt ist, oder für deren Bezahlung eine auswärtige Buchhandlnng oder ein hiesiges Handelshaus nicht garantiren, legen wir unberücksichtigt bei Seite. Leipzig, im März 1844. Baumgärtners Buchhandlung. Bemerkung. Anonyme Zuschriften werden nicht berücksichtigt. Dies für K. ö—g. in R. — Die Mittheilungcn von Hettn Rabb. Pr. sind uns auch unfrankirt angenehm, stärkere Einsendungen in Packetform per Fahrpost. Die Redaktion. Druck von I. B. Hirschfeld.