Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1842)
- Date
- 1842-11-19
- Page
- Seite 694 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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694 ftt schöner Wärme zu sprechen — Jedermann kann es verstehen. Jedermann beherzigen. Hierzu kömmt der Vorzug einer fließenden, eleganten Sprache. Versuchen wir den Gang des Verfassers zu skizziren. Die unveränderlichen Prinzipien unsrer Religion sind die drei bekannten Grundsätze, geflossen aus der göttlichen Offenbarung; an sie schließen sich die durch die göttliche Offenbarung gegebenen Moralgesetze, (über Mord, Diebstahl, Blutschande, über die väterliche Autorität, die Gerechtigkeit, die Nächstenliebe,) die eine ewige Gültigkeit haben. Die Nothwendigkeit kann den Israeliten zwingen, ein Gesetz des Kultus zu verletzen, nie aber diese Glaubenssätze und Moratgesetze. Der Verf. führt hier den Satz durch: „der Israelit befindet sich Ln Bezug auf die Prinzipien seiner Religion und das Dogma in der vollkommensten Unabhängigkeit von seiner materiellen Stellung, er hangt nur von der Gottheit ab, die sie diktirt hat, und von seinem Gewissen, das sie zu bekennen und ihre Konsequenzen auszuüben ihm befiehlt, aber der Kultus oder die äußere, so zu sagen materielle Praktik der Religion unterwirft ihn der Herrschaft der physischen Umstande, die ihre Beobachtung verhindern können;" und beweist ihn aus den Propheten. „Die Gesetze des Kultus haben also eine Bedingung über sich, die unsrer Existenz, wahrend die Dogmen oder die Prinzipien sind über unsre Existenz selbst, die der Israelit opfern muß, wenn er sie nur durch Verleugnung und Verletzung der moralischen und sozialen Gesetze, deren Basis sie sind, erhalten kann." — Nunmehr widerlegt der Verf. den Einwand, als ob man auf diese Weise den Kultus ganz entbehren könne? und zeigt, wohin dies führen würde. Desto mehr fordert der Verf. auf, die nothwendigen Reformen des Kultus vorzunehmen; und zwar entwickelt er dies folgendermaßen. Kein Israelit hat das Recht, an den geoffenbarten Kultusgesetzen zu modeln; was aber das Privatleben betrifft, so hat jeder Israelit nur seinem Gewissen zu folgen, inwiefern seine Existenz die Verletzung der Kultusgesetze rechtfertigt; den öffentlichen Kultus zu resormiren, wäre aber Sache der Rabbinen, da aus der Offenbarung heraus diesen Reformen Nichts im Wege steht. Darum empfiehlt er: Sorgfalt in der Wahl der Rabbinen, religiöse Erziehung der Jugend, namentlich der weiblichen. Er bespricht dann mir Wenigem die gemischte Ehe, die ec nicht billigt, die Idee des Messias, die er in der allgemeinen Einigung des Menschengeschlechts erkennt, worüber er verschiedene Stellen anführt. — Nunmehr gelangt der Vers, an die Beantwortung seiner zweiten Frage (S. 33), indem er zuerst zeigt, daß er nicht angreifen, sondern vertheidkgen wolle. Er trennt seinen Gegenstand in vier Unterabtheilungen. 1) Können die Prophezeiungen, die wir in unseren heiligen Büchern über die Ankunft eines Befreiers finden, auf den Stifter der christlichen Religion angewendet werden? Indem er sammtliche Stellen zusammenbringt, resultirt sich von selbst, daß alle Bedingungen, welche mit der Ankunft des Messias verbunden werden, nicht erfüllt sind; und um ganz unparteiisch zu sein, examinirt er weitläufig die Stellen der h. Schrift, welche die Evangelisten selbst' als Beweise anführen, und widerlegt sie. — 2) Die historischen Beweise der in den Büchern des Neuen Testaments erzählten Begebenheiten verglichen mit denen der! früheren in der heil. Schrift erzählten L^hatsachen, und 3) die Authenticitat der Bücher des Neuen Testaments verglichen mit der der heiligen Bücher der Israeliten. Hier das Volk selbst, das noch besteht, die Bücher in der Ursprache, die Geschlechter auf Geschlechter, die 'sie einander überliefern ff. Dort nicht einmal der Urtext der Bücher, sondern nur griechische Übertragungen? wann der Oeffentlichkeit übergeben? wo die Zeugnisse der Zeitgenossen? Die Widersprüche zwischen den Evangelisten selbst, sowol Ln den Thatsachen, als auch in den Lehrsätzen! Alles dies führt der Verfasser weitläufig aus, macht einen sehr feinen Vergleich zwischen Moses und Jesus, und stellt 4) die Moralgesetze Mosis zusammen, fragt, ob die moralischen Forderungen des Ehrrstenthums in irgend einem Lande wirklich zur Ausführung gekommen? Alsdann untersucht er die christlichen Dogmen genau, bespricht den christlichen Kultus, und führt daraus seine Schlüsse exakt zu Ende. Am Schluffe fordert er die .Christen auf, die ewigen Angriffe auf den jüdischen Glauben zu unterlassen, und sich vielmehr an die Heiden allein zu wenden, denen sie so viel Gutes zu bringen hatten. — Ohne uns in weitere Diskussion über die angeregten Gegenstände einzulassen, machen wir das Publikum auf das Merkchen aufmerksam, das mit Ernst und Ruhe, ohne zu schmähen, die Wahrheit suchet, und gewiß seinen Theil gefunden hat.