Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 6 (1842)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1842)
- Date
- 1842-01-08
- Page
- Seite 26 (sequence 10)
- Language
- German
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26 anderer dortigen, Gemeinden zur Gründung einer neuen Synagoge am Westende Londons mit wesentlichen Neuerungen. Die nächste Zukunft wird über die Existenz derselben entscheiden. Auf der skandinavischen Halbinsel ist nichts von Bedeutung vorgegangen. Einerseits hatte sich der Adelstand in der schwedischen Ständeversammlung für sreisinnigere Bedingungen in Bezug auf Zulassung fremder Israeliten ausgesprochen, fand aber bei den übrigen Ständen nur Zurückweisung. Andrerseits ward ein Vorschlag zu weiteren Beschränkungen der Juden selbst im Priesterdienste mit Mißbilligung verworfen. In Norwegen ließ sich die Stimme Wergeland's um Aufhebung des Paragraphen im Staatsgrundgesetz, der den Juden den Eintritt in's Königreich versagt, immer lauter vernehmen. Von Seiten Dänemark's verdiente es Würdigung, daß die Regierung unsere Glaubensgenossen zu Mitgliedern deS Kirchspiel-Vorstandes und der Amtsrathbehörden zuließ. In der Schweiz that wenigstens Basel nach unendlich langer Unduldsamkeit einen Schritt, indem es einigen Söhnen dort ansässiger Israeliten die Niederlassung gestattete. (!) Wenden wir uns nun nach Deutschland, so bemerken wir hier einen fortdauernden Stillstand, ja öfter bedauernswerthe Anzeichen von Unduldsamkeit, die nicht bloß den Israeliten, sondern auch den Menschenfreund überhaupt betrüben müssen. Wir erinnern z. B. an den zur öffentlichen Kunde gekommenen Grundsatz der Gothaischen Feuerversichrungsanstalt. — In Hannover wurde den Ständen ein Gesetzentwurf vorgelegt, der gegen die bisherigen Verhältnisse nur günstig genannt werden kann, wenn er auch lange nicht die Wünsche befriedigt, aber die Auflösung der Kammern verhinderte die Erledigung, den jetzt eröffnten liegt er noch einmal vor, und das Schicksal unsrer dortigen Brüder wird endlich eine bestimmte Fassung erhalten. — Auch den Ständen Hildburghausen's liegt ein Gesetzentwurf vor. — In Wiesbaden wurden alte, den Verkehr hemmende Vorschriften aufgehoben. — In Baiern blieb die Interpretation der vorhandenen Gesetze zur Beschränkung der Juden. — In Sondershausen wurde bei Ertheilung der Landesverfassung den Juden Wahlrecht und Wählbarkeit und Anspruch auf Staatsämter versagt. — In Hamburg stellte sich bei Gelegenheit der Konkurrenz zwischen deutscher und englischer Dampfschiffahrt so recht der Nachtheil heraus, der aus dem bürgerrechtslosen Zustande der Juden hervorgeht, indem diese, weil sie keine Hamburger Bürger sind, vom Stader Zoll nicht befreit, ihre Waaren auf englischen Schiffen verladen müssen. — Wenn irgend ein Staat, zog Preußen auch in den Angelegenheiten unsrer Glaubensgenossen die Aufmerksamkeit auf sich, und war man auf derartige Aeußerungen gespannt, um so mehr, als abermals die huldvollsten Zusagen für die nächste Zukunft von Sr. Majestät an die Juden zu Breslau ergingen. Auch konnte man als gute Anzeichen betrachten: die Aushebung jeder Subhastation von Synagogen und Begräbnißplätzen, die Besetzung von Kommunalämtern mit Juden, sobald jene die Polizei nicht berühren , die Aufhebung des Vornamen-Edikts mit unbedeutendem Vorbehalt; auch cröffneten wiederholte Erklärungen, in die innere Organisation des Kultus sich nicht mischen zu wollen, Aussichten für zweckmäßige Reformen, sobald diese von den Gemeinden selbst ausgehen. Hingegen konnte unsre Angelegenheit wenigem Günstiges schöpfen daraus, daß der Preußische Landtag den Antrag, daß jüdische Stadtverordnete an der Wahl der Landtagsabgeordneten Theil nehmen sollten, zurückwies, daß die Zahl der jüdischen Stadtverordneten eine beschränkte sein soll, die Breslauer Universität durch ihren statutenmäßigen Eid Juden von der Dvktorpromotion der Philosophie ausschloß, die jüdischen Rittergutsbesitzer von der Theilnahme an den landschaftlichen Kreisversammlungen ausgeschlossen wurden, endlich das neue Dorfgemeindengesetz für Westfalen die Juden von den Aemtern der Dorfverordneten und Dorfvorsteher ausschloß. — Gegen den Schluß des Jahres erwachten noch in Hamburg und Frankfurt am Main heftige Reibungen zwischen der Reform - und orthodoxen Partei, welche noch nicht zum Frieden, ja nicht einmal zum Stillstand gebracht worden. Hatte sich jedoch bei der Kollekte zur Erbauung eines eignen Tempels von Seiten des sogenannten Tempelvereins in Hamburg eine ungemessne Theilnahme gezeigt, so that sich auch in Berlin durch Stiftung eines sogenannten Kulturvereins und Eröffnung des Semi-! nar's ein reges Leben kund.