Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1841)
- Date
- 1841-08-21
- Page
- Seite 489 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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489 aufs äußerste; und er war so sehr davon gerührt, daß er noch während des siebenjährigen Krieges deshalb an den König schreiben wollte. Er ward mit einiger Mühe davon abgehalten, weil man voraus sah, daß dies nicht die rechte Zeit sein würde. Nach wiederhergestelltem Frieden dachte der Marquis selbst wieder daran, und verlangte, daß Moses Mendelssohn eine Bittschrift aufsetzen möchte, die er selbst übergeben wollte, ob er gleich sonst nie sich damit abgab, Bittschriften zu übergeben. Moses wollte sich erst nicht dazu verstehen. Er sagte: „Es „thut mir weh, daß ich um das Recht der Existenz „erst bitten soll, welches das Recht eines jeden Menschen ist, der als ein ruhiger Bürger lebt. Wenn „aber der Staat überwiegende Ursachen hat, Leute „von meiner Nation nur in gewisser Anzahl zu dul- „den; welches Vorrecht kann ich vor meinen übri- „gen Mitbrüdern haben, eine Ausnahme zu verlangen?" Indessen stellten Moses Mendelssohns Freunde ihm vor, daß er ein Hausvater sei und für das Wohl seiner Familie diesen Schritt thun müsse. Er ließ sich endlich überreden, nachstehende wörtliche Bittschrift an den König abzufassen: „Ich habe von meiner Kindheit an beständig in „Ew. Majestät Staaten gelebt, und wünsche, mich „auf immer in denselben niederlassen zu können. „Da ich aber ein Ausländer bin, und das nach „dem Reglement erforderliche Vermögen nicht besitze, so erkühne ich mich allerunterthänigst zu „bitten: „Ew. König!. Majestät wollen allergnädkgst ge- „ruhen, mir mit meinen Nachkommen Dero „allerhöchsten Schutz nebst den Freiheiten, die „Dero Unterthanen zu genießen haben, ange- „deihen zu lassen, „in Betrachtung, daß ich den Abgang am Vermögen durch meine Bemühungen in den Wissenschaf- „ten ersetze, die sich Ew. Majestät Protektion vorzüglicher Weise zu erfreuen haben." Der Marquis übergab diese Bittschrift selbst dem Könige im April 1763; aber Moses bekam keine Antwort. Die Sache blieb so einige Monate, weil der Marquis voraussetzte, die Bitte sei gewährt worden, und weil Moses auf keine Weise weiter einen Schritt thun oder auch nur an den Marquis, der in Potsdam wohnte, etwas darüber wollte gelangen lasse». Im Julius 1763 sprach der Marquis von ohngefähr mit einem von Moses Freunden und von dessen erhaltenem Schutzprivilegium. Dieser sagte mit Achselzucken: der König habe auf die Bittschrift nicht einmal geantwortet. Der Marquis wollte dies erst gar nicht glauben; da es ihm aber auch von Andern bekräftigt ward, so gerieth er in großen Zorn, und rief mit seiner gewöhnlichen Lebhaftigkeit aus: „Nein „das ist zu arg! da erkenne ich Ihn gar nicht! „Wenn's aber so ist, so soll er mir es nicht umsonst gethan haben!" Als der Marquis denselben Abend zum Könige kam, sing er schon beim Eintritt in's Zimmer an zu schelten. Der König, der nicht wußte, was er wollte, bezeugte ihm sein Befremden. „Ach!" rief der Marquis aus, „Sire, Sie sind doch sonst gewohnt Wort „zu halten. Sie wissen, daß ich so sehr selten etwas „von Ihnen bitte. Nun habe ich einmal etwas von „Ihnen gebeten, nicht für mich, sondern für den „rechtschaffensten würdigsten Mann. Sie versprachen „auch, es zu gewähren, und hernach thun Sie es „doch nicht. Nein! das ist zu arg! darüber muß ich „wol unzufrieden sein." Der König sagte, die Bittschrift müsse durch einen ungewöhnlichen Vorfall verloren gegangen sein *). Moses solle nur noch eine Bittschrift übergeben, sodcz»n wolle er das Privilegium auszufertigen befehlen. „Gut, Sire!" sagte der Marquis, „ich werde „Ihnen selbst eine Bittschrift machen. Aber verlieren „Sie sie nicht wieder." Moses schrieb also auf wiederholtes Verlangen des Marquis unterm 19. Juli seine Bittschrift nochmals ab, und der Marquis fügte unter seinen eigenen Namen folgendes hinzu: „llo Philosophe mauvais catholique, supplie nn „philosophe mauvais Protestant, de donner le pri- „vil'ege a un philosophe mauvais juif. II y a „dans tout ceci trop de philosophie, pour que la „raison ne soit pas du cote de la demaude.“ *) Der König pflegte, wenn er mit jemand von Geschäften zu sprechen hatte, denselben früh Morgens oder des Vormittags zu sprechen. Mit denjenigen Leuten, die er des Abends kommen ließ, unterhielt er sich blos zu seiner Erholung, und alsdann dachte er nicht an Geschäfte, da ihm der Marquis die Bittschrift des Abends gegeben hatte, so hatte vermuthlich der König des andern Morgens sich nicht mehr daran erinnert, und sie war daher wol unter andern Papieren verworfen und also ganz vergessen worden. Corresp.