Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1840)
- Date
- 1840-12-12
- Page
- Seite 723 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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725 Wo wir die Hand zum Friedensgruße bieten, Weist man uns höhnisch aus dem Freundeskreis, Und wenn wir nun, weil jedem Menschen doch Im Busen lebt nach Freunden das Verlangen, In Frieden Hand in Hand einander legen, Schreit man entsetzt: die Juden sind verschworen! (Einen Schritt näher tretend:) Herr, edler Lord, ja Dich muß solches ekeln! C r o m w e l l. In England wohnen der Parthei'n genug. Wozu noch neue in die Granzen rufen? Ihr seid Spion, die des alten Manns *) Unklugem Sohne einen Weg bereiten, Um eine Zukunft leicht sich zu verbürgen, Die, Dank sei's meinem Schwerte, niemals kömmt! Menasse. Hast Du, o Herr, der kriegs- und siegserfahrne, Spione schon zu ganzen Heeren seh'n Jn's Feindesland mit Frau und Kindern ziehen? Mit Hab' und Gut, mit Greis und Säugling sich Der Hand des lohnbegierigen Verrathers, Die Thoren, sich vertrauen? O, nur unklug, Nur dumm, einfaltig nicht verschrei' man uns, Man liebt's ja, überlistig uns zu nennen. Elaub's, Herr, seitdem des Jordans Welle nicht Zu Füßen Jsrael's, des freien, strömt: Hat seiner Kinder Geist die Politik, Der Staaten, Völker mächtiges Geschick Nicht mehr bewegt — für wen? wer Sieger sei, Zu den Besiegten werden wir geworfen. Und Knechte sind wir, werr auch Herrscher ist. Verfolgt, verhöhnt, und um die Sicherheit Des Leibes und der schwererrungnen Habe Von Tag zu Tag, von Stund' zu Stunde kampfend, Ziehen wir uns gern in unsre Hütten ein, Wie unbemerkt die Schnecke tragt ihr Haus. Cromwelt. Doch bleibet Ihr dem Christenthume feind. Und hegt den Haß verborgen in dem Herzen Gen unfern Glauben und die ihn bekennen. *) Karl I. *°) Karl II. Menasse. Wir sind dem Christenthum nicht hold, wir können Die Satzungen des Christenthums nicht loben — Das ist auch klar — sonst müßten wir uns doch Zum Christenthum bekennen — weil wir nun Sind Juden und es bleiben ewiglich, Sind wir nicht Christen — auch ist's möglich wohl — Ich spreche frei, das ist der Wahrheit Bürge — Daß etwas noch die alte Mutter gramelt, Daß sich die Tochter über sie erhoben — Doch, Herr, die sechszehnhundert Jahre sind Umsonst nicht blutig über uns geschritten — Wir haben es erfahren, was es heißt. Den Menschen drücken um des Glaubens willen! Jn's innre Mark ist es uns tief gedrungen, Daß frei der Mensch nur seinem Glauben lebe! Herr, Duldung ist die Luft, in der wir leben, .Die Speise, die, von unsren Thranen naß, Karg zugetheift, uns doch das Leben fristet — Wie sollten wir am ersten sie verletzen? Das unverdiente Schicksal zum verdienten Mir eigenmeuchlerischer Hand zu machen? Versucht's, Herr! gebt uns einen kleinen Raum, Ein wenig Zeit, prüft uns mit allen Proben, So schwer das Herz sich solchen unterzieht — Und wenn wir nicht besteh'n, Ihr selbst seid Richter —° So woll'n wir geh'n, noch stiller, als wir kamen. Cromwell. Ihr brauchet Christenblut zur Paffaseker — Menasse (nach_ einer Pause:) So ist auch hier, in dieses Eilands Rund Der grause Lug, der Höll' entstammt, gedrungen? O, war' ich ich, nur ich allein, Mylord, Nach diesem Wort saht Ihr mich nimmer wieder — — Doch mein ist nicht mein Kommen und mein Gehen, Ich steh' für Tausende an dieser Stelle. - Was soll' ich Eurer Frage wol erwiedern?- Herr, Einen Sohn habt Ihr, dm blühenden, Der nach Euch folgen soll im Regiment? > Gut. Mir auch blüht ein Sohn, der viel verspricht, Auf seines Vaters Stuhle einst zu sitzen — Und dieses Einz'gen, Vielgeliebten Haupt Faßt meine Hand in dieser hehren Stunde, Und schwört — o möchten's Völker hören