Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1840)
- Date
- 1840-06-27
- Page
- Seite 373 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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573 in welchem der Freund Lessings, mit diesem ernste Stunden der Weihe gelebt, in welchem Moses Mendelssohn den größten Theil seines Lebens geweilt hat und gestorben ist, eine, dem Vernehmen nach, von dem itzigen Besitzer des Grundstücks, gestiftete Inschrift, welche bemüht ist, das Andenken an jenen Weltweisen bei Mit- und Nachwelt zu erhalten, sie läutet folgendermaßen: In diesem Hause lebte und wirkte Unsterbliches Moses Mendelssohns geb. in Dessau' 1729, gestorben in Berlin 1786. 'Magdeburg, 14.Juni. (Privatmitth.) Gestern fand hier die 5. Konfirmation (seit 1834) von 9 Mädchen und 4 Knaben, in ihrer einfachen, würdigen aber tief ergreifenden und wirksamen Weise statt. Nach einer Predigt, deren Einleitung auf das in dieser Woche erfolgte Abstcrben unsres verehrten Königs hinwies, und die mit den Worten des sterbenden Königs David an seinen Sohn (1 Ehr. 28, 20) über den „Ernst des Lebens" sich aussprach, folgten die Religionsprüfung, das Glaubensbekenntniß, die Einsegnung und die Absinzung von Halleluja's und deutschen Chorälen. Zum Schluffe erfolgte die von einer hohen königl. Regierung zugefertigte kirchliche Bekanntmachung über das Ableben Sr. Maj. des Königs Friedrich Wilhelm III., und der Regierungsantritt Sr. Maj. des Königs Friedrich Wilhelm IV. Der Tempel war, wie immer bei solchen Akten, auf's äußerste von Theilnehmenden aller Konfessionen angefüllt. Trier, 10. Juni. (Privatmitth.) Ueber das hiesige Rabbinat und dessen baldige Wiederbesetzung laßt sich noch wenig Zuverlässiges mittheilen. Gewiß ist, daß unsere Vorsteher sich Zeit nehmen wollen; denn sie wünschten sogar ein Interregnum von einem halben Lustrum einzuführen. Die königliche Regierung will indessen nur ein mehrmonatliches zugestehen. Leider muß ich Ihnen berichten, daß auch hier bei einer so wichtigen Verhandlung niedrige Leidenschaften rege werden, und so will man den würdigen jungen Gelehrten, M. Heß in Trier, auf die Seite schieben, und zwar nicht aus dem Grunde, weil derselbe in einem der zu dieser Amtsführung gehörigen Fächer nicht das Nöthige zu leisten im Stande sei, nein, weder seine Wissenschaften, noch seine rabbinischen Kenntnisse werden in Abrede gestellt, weder sein Charakter, noch sein bisheriger Lebenswandel bieten seinen Gegnern eine wunde Stelle dar; auch hat derselbe schon öfters mit großem Beifalle gepredigt, was die sehr bedeutende Gemeinde zu Kassel demselben bezeugen wird. So schrieb mir damals Dr. B. „wenn das Vorsteheramt überhaupt einen Rabbinen aufzunehmen gedächte, so hätte Hr. Heß gegründete Hoffnung zu dieser Stelle, so gut gefielen seine Reden in beiden Synagogen." ^Oesterreich. Lemberg, 5. Juni. (Privatmitth.) Bei der nun bevorstehenden, vorschriftmäßigen und herkömmlichen Wahl eines Rabbinen, der Vorsteher und Spitalverweser im September l. I. würde es von nicht unerheblichem Interesse für unsere Gemeinde sein, in Ihrem weitverbreiteten und das Wohl aller Mitbrüder in Israel fördernden Blatte die Leistungen der jetzt verwaltenden Gemeindeältesten in Kürze zu besprechen. Unsere Progressisten, die das vorläufige Jnnehalten auf dem bereits gewonnenen Terrain verwünschen, und mit ungeduldiger Hast das noch sehr ferne Ziel einer echten Reform herbeiwünschen, scheinen zu vergessen, daß es einer unendlich großen Anstrengung und Geduld bedarf, um Mißbräuche abzustellen, die beim Volke, das in Finsterniß wandelt, bis in Mark und Bein gedrungen und ihm mit Religionsprinzipien fast identisch geworden. Und dieß war die erste und schwierige Aufgabe dieser an Humanität und Bildung gleich ausgezeichneten Männer, welche vor zwei Jahren von der hohen Regierung auf Veranlassung des um's allgemeine Beste des ganzen Landes, wie nicht minder um's physische und geistige Wohl der galizischen Judenschaft sehr verdienten Polizei Direktors und G. R. Ritters von Sacher-Masoch zur Leitung, Verwaltung und Regulirung des hiesigen Gemeindewesens ehrenvoll berufen wurden. Wahrhaftig.! ein schwieriges und mit Hemmniß mannigfacher Art verbundenes Geschäft. In einer der größten und zahlreichsten Gemeinden Europa's, wo der geistige Tod, der Jndifferentismus") *) So nennt ihn der gelehrte Corrcsp. in A. Z. d. Jud. dieses Jahres No. 1,2, einem trefflichen Aufsätze, der in vielen Kreisen vielen Anklang gefunden. Corresp.