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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-03-21 · Heft 12 (21.3.1840) · p. Seite 171

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 12 (21.3.1840)
Date
1840-03-21
Page
Seite 171 (sequence 15)
Language
German
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171 digkeit und Kräftigkeit verrathende Lebensweise der damaligen Juden ein sehr günstiges Licht. Uebrigens ist, wenn irgendwo, so in der Geschichte, das „in literis nil parvum“ zu berücksichtigen, da oft die Bekanntwerdung Einer Thatsache zu vielen andern, erheblichern Entdeckungen führt. Nur darf man sich bei dem Sammeln der zerstreut liegenden Thatsachen von keiner speciellen Nebenabsicht, am wenigsten einer apologetischen leiten lassen. (Fortsetzung folgt.) C o r r e s p o n d e u z e tu Seesen, Marz. Das Lokal der Jakobsonsschute ist nunmehr äußerlich wie innerlich aus das Zweckmäßigste erneut. Die Raume würden den Zwecken in den größten Städten genügen; manche Einrichtung möchte sich schwerlich bei einer andern Israelitischen Anstalt finden, z. B. die nun in Gang gebrachte Thurmuhr aus dem Tempel, der vollständig eingerichtete Turnplatz. Was Erziehung und Unterricht betrifft, so ist der in den Statuten ausgesprochne Plan vollständig zur Verwirklichung gebracht worden. Es befinden sich gegenwärtig in dem Institute 20 Freizögtinge, 2 Pensionäre und 38 Schüler. Beim Eintritt des Herrn Dr. Wohlwill waren nur die Zöglinge und 2 Schüler vorhanden. Von den 38 Schülern sind 35 christlichen Glaubens und zwar von allen 3 Confessionen; unter den Freizöglingen ist ein Christ. Jeder besucht den Religionsunterricht seiner Kirche, die größte Eintracht herrscht unter der jugendlichen Schaar, und niemand findet bei uns auch nur etwas Auffallendes bei dieser Erscheinung. Die Schüler sind größtentheils Söhne der hiesigen Beamten und achtbarsten Bürger, oder benachbarter Landwirthe, Schullehrer u. s. w. Das herzogliche Konsistorium hat die Benutzung des Instituts unter der einzigen Bedingung gestattet, daß die noch nicht consirmirten Knaben den Religionsunterricht in der Stadtschule genießen. Es waren die angesehensten christlichen Einwohner selbst, die, ohne Zuthun von Seiten der Anstatt, diese günstigere Verfügung der höchsten geistlichen Landesbehörde herbeiriefen. Das Einverstandniß mit unfern christlichen Mitbürgern ist so innig, daß der hiesige evangelische Geistliche, Herr Pastor Schulz, sich erboten hat, einige Lehrstunden unentgeldlich zu ertheilen. Es sind außerdem 2 jüdische und 2 christliche ordentliche Lehrer angestellt. Die Einheit in dem Erziehungs- und Lehrplan wird überdieß durch regelmäßige Lehrerconserenzen erhalten. Ein Lehrer führt vorzugsweise die Aufsicht auch in den Arbeits- und Freistunden, so daß die Knaben nie unbewacht sind. Ein andrer, der älteste der Anstalt, und einer ihrer frühesten Zöglinge, hat provisorisch die Stelle des Hausvaters übernommen, von welcher Herr Ehrenberg, nachdem er sie seit 1809 verwaltet, auf sein Ansuchen mit Pension entlassen ist, um die seinem Alter und seinem so lange dem Institute gewidmeten Fleiße nunmehr gebührende Ruhe zu genießen. Da der plötzliche, noch immer zunehmende Andrang von Schülern eine Vermehrung der Lehrmittel erheischte und die Einrichtung einer dritten Klasse, so mußte das Schulgeld auf 12 Thlr. jährlich erhöht werden. Wollen wir den Hauptzweck der Stiftung nicht aus den Augen verlieren, so müssen die Kinder wohlhabender Eltern wenigstens die durch ihre Zulassung gesteigerten Kosten decken und den Armen den Mehrgenuß der vermehrten Schulkräste gewähren. Daß aber die Mischung dieser Elemente das Werk der Erziehung praktisch fördern ohne wichtige Interessen zu gefährden, darüber haben die Erzieher zu wachen. Uebrigens konnte die schnelle Steigerung des Schulhonorars um so weniger mißverstanden werden, da dasselbe einerseits noch immer gering ist, und anderseits den Eltern der bereits angenommenen Schüler freigestellt wurde, ob sie den geringem Modus beibehalten wollten, für Unbemittelte aber Ermäßigung und Erlaß des Schulgeldes nach wie vor gestattet wird. Dagegen ist die jährliche Pension auf 100 Thlr. Pr. Et. herabgesetzt; dies ist in der That das Minimum, wobei die Anstalt bestehen kann, da die Nahe des Harzes hier viele Lebensbedürfnisse verteuert. Da die Anstatt gegen eine Vergütung von 20 Thlr. jährlich auch die Bekleidung und für 4 Thlr. die Lieferung aller Schulmaterialien übernimmt, so kann ein Kind hier für 124 Thlr. jährlich unterhalten werden. (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum ausgenommen. £ t e Verlagshandlung. Lehr- und Perrsiorrsarrstalt zu Berlitt. Mit der von mir geleiteten höheren Bürger- und HandlsrngssÄmle, welche sowol zur Vorbereitung für die mittleren Klassen des Gymnasium's als auch besonders für den höheren Kaufmannsstand bestimmt ist, verbinde ich für Auswärtige eine Pensionsanstalt, und können zum bevorstehenden Ostern noch Zöglinge in derselben ausgenommen werden. Berlin, den 10. Februar 1840. Dr. S. Stern.

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