Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-01-18 · Heft 3 (18.1.1840) · p. Seite 35

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 3 (18.1.1840)
Date
1840-01-18
Page
Seite 35 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3225119-3225123--02441-3311920
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

35 auch unter dessen Schülern, nur sehr wenige theoretisch starke Talmudisten, weil die jungen Leute, die sich unter seiner Leitung dem Studium der Rabbinen widmeten, und denen des Lehrers Huld über Alles galt, sich durch krümmen und beten leichter in dessen Gunst setzen konnten, als durch Fleiß und Scharfsinn in ihren Studien. Die Preßburger Aalmudschule stand auch bekanntlich bei den eigentlichen Talmudisten in keinem großen Ansehen; ja sie war, wie bei uns Jedermann weiß, ein Gegenstand des Spottes der berühmtesten Rabbinen aus der alten Schule. Diese Thatsachen sind bei uns noch in frischem Andenken, und deren Bckanntwerdung ist schon deshalb wünschenswert!), weil man uns die, mit nächstem zu erscheinenden rvarrm mbsia hoffentlich als eine Gesetzesautvritat wird anprcisen wollen, die um so interessanter sein wird, als der Vers, ein sehr geschickter Erfinder von Erschwerungen war. Brünn, 26. Dezember. (Privatmitth.) Bei den Fortschritten, welche die Gesetzgebung auch in Deutschland. rücksichtlich der bürgerlichen Stellung der Juden in neuerer und neuester Zeit machte, hat es auch an rückgängigen versuchen nicht gefehlt. Die Juden unter Oesterreichs Szepter haben in dieser Beziehung zwar noch nicht viel gewonnen, aber sie köni nen sich des Besitzes der ihnen gewordenen Concessionen um so mehr erfreuen, als sie die Zuversicht haben, daß ihnen das einmal Gewordene nie entrissen, sondern vielmehr von der Regierung gegen jeden willkührlichen Eingriff in Schutz genommen werde. Ich theile Ihnen heute ein derartiges Beispiel mit, das mehr denn in einer Beziehung beachtet zu werden verdient. Vor drei Jahren nämlich erlaubte sich die Raitzer Herrschaft in unserem Kreise, den Juden auf ihrem Territorium nicht nur das Hausiren, sondern sogar das Uebernachten zu verbieten. Da die nahe Boskowitzer Gemeinde bei diesem Verbote am Meisten betheiligt war, so nahm sich das Boskowitzer Oberamt der Sache an. Der Proceß ging bis an die allerhöchste Hofstelle, wo er zu Gunsten der Juden entschieden wurde. Merkwürdiger Weise gehört der Mann/welcher jenes Verbot veranlaßt hat, einem Staate an, wo die Juden ihre bürgerliche Gleichstellung bereits erreicht haben, und man wirklich berechtigt war, von ihm, bei seiner Bildung eine humanere Gesinnung zu erwarten. Boskowitz (Mähren), 29. Dezember. (Privatmitth.) Die Angelegenheiten unserer Gemeinde sind in diesen Blättern (No. 101) berührt worden. Da aber eine öffentlich ausgesprochene Rüge den Nutzen haben soll, herrschende Mißbräuche abzuschaffen, und vorwaltenden Uebelständen abzuhelfen; so hätte sich Ihr Wiener Korrespondent sowol über das Nebel, als über dessen Heilung umständlicher aussprechen sollen. Die Verbesserung des hebräischen und Religionsunterrichts, so wie des Erziehungswcsens überhaupt, ist auch bei uns zur Sprache gekommen; aber man hat die zum Zwecke führenden Maßregeln nicht ergriffen, und darum sind wir in zwei Jahren keinen Schritt vorwärts gekommen. Einen Theil der Schuld trägt freilich das Landrabbinat, welches auch hier hindernd in den Weg trat, und die Errichtung einer hebräischen Schule an die Wahl eines Rabbinen knüpfte; aber wäre man mit Begeisterung und Energie an's Werk gegangen, hätte man nicht so beträchtliche Mittel auf Bauten verwendet, die so leicht zu verschieben waren; so wäre diese heilige Angelegenheit sicherlich schon zu einem günstigern Resultate gebracht. Das Beispiel der Nikolsburger und der nahen Proßnitzer Gemeinde sollte doch auch unsere Vorsteher aus ihrer Lethargie wecken, und sie zur Nacheiferung und i zum Fortschritte wecken. Viele .wollen, wünschen, suchen auch bei uns das Bessere. Nun, so tretet denn zusammen, legt Hand ans Werk, lasset euch von momentanen Hindernissen nicht irre machen. Der Anfang muß bei der Reorganisation des Talmud- Tora geschehen; weil dies der einzige Anhaltepunkt ist. Die Mittel, welche diesem Institut zu Gebote stehen, müssen zunächst durch freiwillige Zuschüsse vergrößert, und mit Umsicht verwaltet werden. Bald werden sich viele Hausvater anschließen, und des Himmels Segen wird nicht ausbleiben. Daß nicht die Reichen die ersten sind, die sich dieser heiligen Angelegenheit annehmen, ist zwar traurig, aber nicht entmuthigend; denn die Reichen haben nicht die nöthige Kenntniß und die gehörige Einsicht, dabei aber einen gewissen Herrsch - und Eigensinn, der der guten Sache oft schadet. Möchte doch dieser An- und Aufruf nicht vergebens an Euch ergangen sein! Wien, 29. Dezember. (Privatmitth.) Der Verein zur Beförderung nützlicher Gewcrbthätigkeit unter den hiesigen Israeliten ist bereits in's Leben getreten. Die Vertreter haben in einer, unterm 19. d. M. erlassenen, Kundmachung einen Zeitraum von

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.