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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-07-08 · Heft 28 (8.7.1884) · p. Seite 450

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 28 (8.7.1884)
Date
1884-07-08
Page
Seite 450 (sequence 14)
Language
German
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450 £ I- (offenbar von Simon Pschy) aus dem Hebräischen und zwar i Wir müssen eine seltsame Erinnerung des alten israeliaus hebräisch-spanischen Dichtungen in ungarische Bersform tischen Paris vor ungefähr sechzig Jahren zurückrufen. Zu umgedichtet. _! jener Zeit besaß ein Glaubensgenosse, Herr Joseph, 'der mit der späteren Baronin von Binches verheirathet war, Victor Freiburg?) eine Wechselstube im Palais-Royal. Diebe drangen eines Im Anfang Mai wurde auf dem Friedhof von Cypress Tages ein, um sich der Papiere zu bemächtigen. Herr Joseph Hill (Verein. Staaten) der Herr Victor Freiburg beerdigt, j kam noch zur rechten Zeit, um noch mehrere Dolchstiche von ein alter Soldat des Kaiserreichs, der im Alter von 91 Jahren; den Bösewichtern zu empfangen, die ihn für todt liegen in dem Hause einer seiner Töchter gestorben war. Freiburg ließen und die Flucht ergriffen. Tie Polizei kam herbei und war in der Gegend von Metz im Jahre 1793 geboren, er war Nachforschungen begannen. Dank der guten Pflege, die ihn erst achtzehn Jahre alt, als er in die französische Armee ein-; umgab, genas der Wechsler nach Verlauf einiger Monate, trat, in der er seine ganze Jugend verlebte. Sein erster; Der Justiz gelang es, die Hand auf die Mörder zu legen, Feldzug war der russische, er wohnte der Belagerung von welche vor das Assisengericht kamen und wie sie es wohl Moskau bei, wie auch den Schlachten von Lützen, Bautzen verdienten, zum Tode verurtheilt wurden. An demselben und Leipzig. Im Jahre 1815 schloß sich Freiburg, der bis Tage, als sie auf dem klaee de la Grfcve für ihr Verbrechen zum Kapitän avancirt war, dem Kaiser bei seiner Rückkehr starben, erlag ihr Opfer, Herr Joseph, einem geheimnißvollen aus Elba an und wohnte der Schlacht bei Waterloo bei, Uebel. Einige Jahre später dachte seine noch junge Wittwe wo er verwundet wurde. daran, einen neuen Hausstand zu gründen. Aber um sich zu Bei der Wiedereinsetzung der Bourbonen gab Freiburg | 06^™^, mußte fie, unter der Form der Chalitza, die Erseine Entlassung und eröffnete in Metz einen Laden von j laubniß der Brüder ihres Mannes haben. Diese, interesfirte Modeartikeln. 1847 kam er nach den Vereinigten Staaten! Menschen, forderten eine bedeutende Summe für die Ertheilung und war so befriedigt von seinem Aufenthalte in Amerika, dieser Erlaubniß. Aber die religiöse Behörde durfte nicht daß er seine Familie dorthin kommen ließ und sich als Tuch- - darin willigen, sie zu verheirathen, ohne die vorhergehende Erhändler in New-York etablirte; vor fünfzehn Jahren zog er'langung der Chalitza. Der Streitigkeiten müde, heirathete sich mit einigem Vermögen von den Geschäften zurück. Freiburg gründete vor mehreren Jahren zwei israelitische Gesellschaften, deren Präsident er lange Zeit gewesen ist. Frau Joseph den Baron von Binches, der sie nach Belieben den israelitischen Cultus ausüben ließ und der ihr im Tode voranging. Dem dringenden Wunsche der Frau von Binches Bei Gelegenheit seines 89. Geburtstages hatte Freiburg zufolge, wurde sie in der Gruft beerdigt, wo seit siebzig eine Reise nach Europa gemacht, um das Land wiederzusehen,! Jahren ihr erster Mann ruht, wo seine Kindheit verflossen. Er war der intime Freund > ~ des Marschall Ney gewesen, von dessen Heldenthaten er gern, tfctljrcn am Sabbat, erzählte. — Herr Freiburg hinterläßt 6 Kinder, 37 Enkel und! Als der Kaiser Franz Joseph vor Kurzem in Oedenburg 13 Urenkel. Einer seiner Söhne, Herr Marc Freiburg, und! weilte, richteten mehrere Israeliten an den Oberrabbiner aus zwei seiner Töchter, die Damen Kahn und Block, bewohnen i Deutsch-Kreutz, Herrn Joachim Katz, der als einer der Führer New-York, eine dritte Tochter wohnt in Europa und zwei! der Schomre Hadath bei den Orthodoxen in Ungarn großes Söhne bewohnen, der eine Denver und der Andere Südamerika. Die Baronin von Binches.') Die Baronin von Binches, die vor Kurzem zu Paris in dem ehrwürdigen Alter von 93 Jahren verstorben ist, gehörte trotz ihres christlichen Namens der jüdischen Gemeinde an. Sie war sogar eine sehr eifrige Jüdin, obgleich sie ihre zweite Ehe mit einem Katholiken einging, selbstverständlich nur durch Civiltrauung. Ihrem angeborenen Glauben treu ergeben, war sie zu dieser Verheirathung durch einen Umstand bewogen, der interessant genug ist, um erwähnt zu werden. Ansehen genießt, die Anfrage, ob ihnen trotz des Sabbats, an welchem Tage der Empfang der verschiedenen Deputationen, darunter auch die der israelitischen Kultusgemeinde erfolgte, das Fahren mittelst Wagens gestattet sei. Der fromme greise Rabbiner erklärte kategorisch: „Wenn es gilt, den geliebten Monarchen zu ehren, wird selbst das strenge Verbot des Fahrens am heiligen Sabbattage außer Kraft gesetzt." Bekanntlich gestattete auch das Berliner Rabbinat Moses Mendelssohn, als dieser aufgefordert wurde, am Samstag vor Friedrich dem Großen in Sanssouci zu erscheinen, das Fahren am Sabbat. Auch die Rabbiner in Venedig gestatteten dem Elias Montalto, der als Leibarzt der Königin Maria de Medicis in Paris lebte, sich am Sabbat eines Wagens zu bedienen. 1) Nach den Arch. isr.

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