Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1883)
- Date
- 1883-09-25
- Page
- Seite 636 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3227447-3227487--41143-3309593- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
636 Erklärung scheint in kaufmännischen Kreisen eine beruhigende Instanz zu 9 Monaten verurtheilt wurde, erhält jetzt drei Wirkung geübt zu haben. Unterstützt wurde sie noch durch Jahre Kerker, andere Angeklagte, in erster Instanz zu geringen den Umstand, daß in den letzten Tagen keine neuen Exceffe Freiheitsstrafen verurtheilt, erhielten Kerkerstrafen von 6 Movorgekommen waren. Gewiß wirkt auch der Ernst, mit dem naten bis zu 2 Jahren. nunmehr die Untersuchung in Zala - Egerßeg geführt wird, — Im Zalaer Komitat ist die Ruhe nicht weiter gewohlthätig ein. Dort wurden am Freitag die in Zala-Löwö stört, nur in St. Trinitas sind zwei jüdische Schnittwaarenverhafteten Excedenten auf elf Wagen eingebracht, welche, Händler um ihre ganze Habe gekommen und konnten nur von Soldaten mit aufgepflanztem Bajonnet umringt, mitten mit Mühe das nackte Leben reiten. In Szabar, wo die durch die zum Wochenmarkt herbeigeströmten Landleute ge-! führt wurden. In jedem Wagen saß ein Gefangener, mit! ihm drei Wachen, die Gewehrläufe auf die Brust des traurig drcinschaucndcn Meuterers gerichtet. Der Zug machte auf das Volk tiefen Eindruck. Die Weiber jammerten, man hörte Männer die Agitatoren verfluchen, die das leichtgläubige Volk verleiteten und ins Unglück stürzten. Regierungscommissar Glavina ist überzeugt, daß viele Rädelsführer nur in Folge des Jndifferentismus der Behörden bis heute sich der Untersuchung entziehen konnten, ja daß die Behörden sie geradezu in Schutz nahmen. Er erließ eine strenge Berordnung, welche die Gemeindevorstände auffordert, die vor und während der Tumulte in der Gemeinde erschienenen Agitatoren und das dortige Wirken derselben zu ermitteln und dem Stuhlrichtcramt binnen 48 Stunden Meldung zu erstatten, widrigenfalls Richter und Notar und jedes Behördenmitglicd mit 1( 0 Gulden bestraft wird. Die Gcmeindevorständc müssen ferner Wirthshäufer und andere Orte namhaft machen, wo agitirt wurde. Die Wirthshäufer sind gehalten, binnen 46 Stunden dem Stuhlrichtcramt Meldung zu erstatten, sonst werden Wirth und Behörde in obengenannte Geldstrafe verurtheilt, die der Stuhlrichter sofort eintreibt, wogegen keine Appellation vorhanden ist. Die Verordnung tritt sofort in Kraft und die strengste Durchführung derselben wird zur Pflicht gemacht. Wenn etwas, so hofft man, wird diese Verordnung zum Habhaftwerden der Rädelsführer führen. (Wenn Herr v. Tißa weniger große Worte und mehr energisches Thun gehabt hätte, so würden die Dinge anders stehen'. Wo bleibt die zur Rechenschaft-Ziehung eines Bary, Onody, Jstoczy und so vieler Anderer? Auf das verleitete Volk zu schießen, ist leicht, wenn man Soldaten hat!) — Jenes Ballfest in Badacsony, welches unter der Patronanz der Damen aus der Familie des Justizministers I>i\ Paulcr zu Gunsten der Wittwe Solymossi hätte abgehalten werden sollen, scheint verboten worden zu sein. Ein antisemitisches Blatt meldet hierüber. das Fest werde aus Gründen, die nicht im Arrangirungs-Comitv zu suchen sind, nicht stattsinden. Preßburg, 10. September. Das Urtheil der ersten Instanz gegen die Exccdcntcn des Lanschützer Judenkrawalls im Herbste vorigen Jahres wurdevon der k. Tafel bedeutcnd verschärft. Der Haupträdelsführer, welcher in erster Bauern über jüdische Krämer herfallen wollten, wurde durch das Militär die Ruhe rasch wieder hergestellt. Lemberg, 9. September. In Folge Umsichgreifens der antisemitischen Hetzen ist die hiesige Handels- und Gewerbckammer von der Statthalterei in einer Zuschrift aufgefordert worden, die Zünfte und Innungen anzuweisen, dieselben mögen für angemessene Ueberwachung der Handwerksgesellen und Lehrlinge Sorge tragen. Prag, 10. September. Nach Brandeis, wo dieser Tage judenfeindliche Plakate an den Straßenecken gesunden und Exceffe befürchtet wurden, ging eine Escadron Dragoner ab. Frankreich. Paris, 10. Sept. Was in vor. Nr. ausgesprochen worden, ist wörtlich eingetroffen. Bei der gestrigen Abgcordnetenwahl im hiesigen ersten Bezirk, der durch Minister Tirards Wahl zum Senator erledigt ist, erhielt der Radikale Forest 3269, der Opportunist Hwlard 295! Stimmen. Beide kommen in Stichwahl. Ein gewisser Ganier trat als antisemitischer Candidat auf, der erste derartige Fall in Frankreich; er erhielt 2 Stimmen. Die entrüstete Menge riß sein Wahlprogramm überall von den Mauern. Wären die Antisemiten nicht Leute, die einen Erwerb suchen, diese eine Erfahrung müßte ihnen ihr Handwerk verleiden. Welch' ein Unterschied übrigens mit der Wahl Stöckers in Deutschland und der Jstoczys und Onodys in Ungarn! (Ist es nicht bemerkenswerth, daß die „Köln. Ztg.", welche über jenes antisemitische Wahlprogramm berichtet, mit keinem Worte diesen kläglichen Ausfall meldet?!!) Paris, 13. Sept. (Privatmitth.) Vom Antisemitismus ist in Frankreich auch nicht die geringste Spur. Das Lumpenblatt Hutisömitüiuo wird bald ausgerungen haben; die Gründer, unter denen ein Priester und ein Jude, haben es auf Rothschild und andere Finanzgrößen abgesehen, doch sind diese nicht geneigt, auf die Contage einzugehen, cs wird also todt geschwiegen. Unter dem dieser Tage neu ernannten Magistrat befinden sich 3 jüdische Procureurs generaux, Berr in Riom, Alphand^ry in Bordeaux und Eliacin Naquet in Aix. Ferner wurden Lambert zum Generallieutenant und Corpscommandanten, Abraham zum Generalmajor und Marx Jsaac zum Obersten ernannt und Generallieutenant Sve zum Commandanten von Paris.