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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-10-27 · Heft 129 (27.10.1838) · p. Seite 522

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 129 (27.10.1838)
Date
1838-10-27
Page
Seite 522 (sequence 4)
Language
German
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322 weiset. Man rückte nämlich diese Vorgänge.ganz aus dem Gebiete sowol der Körperwelr als auch der Intelligenz heraus, und erklärte sie durchaus als ein Einspielen der G ei sterwelt in die menschliche, irdische. Man setzte dies in Verbindung mit der pietistischen Richtung innerhalb der Theologie, es bedurfte einer vorbereitenden gläubigen Tendenz, und zwar fußte man allein auf dem christlichen Pnnzipe. Man gab dem Magnetismus den Charakter der objecriven Wahrheit; man betrachtete ihn alS das Gefäß neuer, zeitlicher Offenbarung. Dies ist es nun, was der vorliegenden Schrift eine besondere Wichtigkeit giebr, indem sie den christlichen Mystikern eine harte Nuß zu zerbeißen giebr. ö) Dr. W iner, ein durch seine früheren Schriften als junger Dichter rübmlichst bekannter, durch seinen Charakter achtungs- und liebenswürdiger Jüngling, giebr uns hier die den Stempel der Wahrheit tragende Krankheilsgeschichte seiner Schwester. Die Leidensscenen einer ganzen Familie am Krankenbette eines 20jahrig<n, durch fünfiädrige Krampfanfälle in seiner Gesundbeit zerrütteten, ohne Erfolg ärztlich behandelten und mißhandelten, endlich nach Anwendung des animalischen Magnetismus durch Entwickelung eines bellsehendcn Zustandes geheilten Mädchens werden dem publicum mirgerheilt, und obgleich wir die Bemerkung nicht unrerdrmwn tonnen, daß es um solcher Patienten wegen bester wäre, sie nicht vor das Forum der Oeffenrlichkeit zu führen, da ohnehin der große Haufe in seiner lieb - und gedankenlosen Befangenheit jene Erscheinungen nicht zu würdigen versiebt, daher wir sie gern nur der wissenschaftlichen Forschung überlasten möchten, welche allein wahren Putzen daraus zu ziehen vermag, — so wollen wir doch kemeswegeötttttt reinen und lautern Absicht des Vcrfasters: „Der Wirksamkeit des animalischen MagnettS- „muS mebr Glauben zu verschaffen, so daß dies Buch dem hoff- „nungslc S Darnieder liegenden ein treuer Führer zur Quelle der „Gesundheit, dem Verzagenden ein Tröster, dem Verirrten ein hell- „glanzender Leüstern" werde, die Sanguinität der Jugend vorwerfen oder d:esc Absicht gar in Abrede stellen. Indem wir nun den Leser ini Betreff der einzelnen Facta und ihres Zusammenhanges an das Buch selbst verweisen, da unö die in einer fruhern Nummer dieser Blätter gegebenen Relation viel zci ungenügend rmd ungeordnet erscheint, den Gegenstand selbst aber und seine wiuentthaflliche Würdigung der physiologischen und medizinischen Wissenschaften übergeben, so interestrrt uns hier besonders das religiöse Moment in der Geschichte dieser Hellseherin. Alle sonstige Erscheinungen sind schon bei unzähligen Clairvoyanten vorgekommen, zum Theil noch eclatanrer und in höherem Grade, und bei den meisten wandte sich auch das Gemüth dem Br oralisehen und Religiösen zu, aber noch nie ist etwas über eine jüdische Seherin veröffentlicht worden. Auch wir befanden uns, wie Dr. W.., am Krankenbette einer geliebten Schwester, bei der sich nach langjährigen Krampfleiden ein ähnlicher somnambuler Zustand ganz spontan entwickelte, der in mancher Beziehung riech w underbar e r e E rsch ei n u n g e n mit sich führte und bei dein sich ebenfalls das o rth o d o r-j ü disch e religiöse Elcm ent in feine m i n n crstcn Gesü hlö - lebe n de raus jreUte, und so führte das Buch manche schmerzliche Erinnerung fm* uns herbei, bestätigte aber viele unsrer frühcrn Erfahrungen.O0) (F ortsetzung folgt.) *) ’it'if wollen nicht unbemerkt lassen, daß bis hierher unsre eigene Morte riuiun, von jcitt ab spricht mein Bruder. Redact. *°) ücitcv aber verschaffte ihr dir magnetische Krise keine dauernde Hebung nud sie itavD kurze Zeit nachher an oraamichcn Destructionen der liilterlcibc-oraaue. Der gute Erfolg der magnetischen Behandlung bei S'lma ist besonders dern einsichtsvolle» Benehmen ihres Magnetiseurs, J)r. B r ü g e r, znzuswrewkii, der sich alles Fragens enthielt uuö »licht durch unzweckmäßige Muwnde, wie es leider gar m oft in dergleichen Fällen geschieht, die Krunke iuimcv tiefer in die Kreise des HeUseyenS fübrr«', wodurch nur Vlerveuzerrütiuttg erzeugt wird. Dagegen kann ihr Binder, l)r W., rncktt gau; den Vorwurf von sich ablebuen, durch Querfrugki» gcgerr die Vorschritt des Arztes gebandelt zu haben und indem er Anzeiger. Zn demselben werden Annoncen aller Art gegen I Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile au» Peril-Schrift oder deren Raum ausgenommen. Die Verlagshandlung. Bei A'ug. Schulz u. Comp, in Breslau sind erschienen: Rabbi Bechai über die Pflichten des Herzens. Aus dem Arabischen. Hebräischer Text mit deutsch. Ueberselzung von Fnrstenthal. 4 Lh!r. Bruck über die rabbinischen Ceremonialgebräuche. 14 gGr. Fürstent ha l rabbin. Anthologie. 2 Thlr. Das Buch Koheleth. Lext und Uebersetzung von Auerbach. 16 gGr. So eben ist erschienen und durch alle Buchhandlungen von Aug. Schulz u. Comp, in Breslau zu beziehen: 0*3123 mio (Doctor Perplexorum) v. Rabbi Moses Maimonides. Aus dem Hebräischen übersetzt und commentirt von R. I. Fücstenrhal (Herausgeber des Bechai u. s. w.) 1. Theit (in 3 Heften). Fein Paprec 3^ Thlr. Ordin. Papier 3 Thlr. Bei Aufgabe der Bestellung ist zu bemerken: ob die Uebersetzt! ng mir deutschen oder hebräischen Lerrcrn gewünscht wird/. Literarische A n z e i g e. Bei Theodor Blasin g in Erlangen ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu haben: rpnri oder Sammlung deutscher und hebräischer Gebete für Schule und Halls. Heratlsgegebrn zum Besten der Jugend von Dr. Z. H. Dessa uer. Mit einem Vorwort von Dr. Aub, Rabbiner in Bairellth. 8. Ladenpreis 6 gute Groschen. Diese sehr zweckmäßige, in Norddeutschland nicht genug bekannte Sammlung von Kindergebcten wurde mit Erfolg in mehren Schulen Bayerns eingeführl, und Lehrer u)ld Aelrcrn haben es mit Dank anerkannt, daß durch die reine, der kindlichen Fassungskraft angemessene Sprache, in welcher die Gebete versaßt sind, und durch die darin vorherrschende religiös-sittliche Tendenz, das bildsame Gemüth der Jugend von Liebe zu seinem himmlischen Vater erfüllt, ftir alles Gute empfänglicher gemacht wird, und daß solche eine trestliche Vorbereitung für den ReligionSunterricht sind. Sie kann daher israelitischen Schulen nicht genug empfohlen werden, zumal sie für die Kleinen das ist, was die Stunden der Andacht den Erwachsenen stin mag. — Lehrer, welche sich von dem Gesagten überzeugen wollen, steht, durch Buchhändlergelegenheit oder sonst ein Exemplar gratis zu Diensten. — Unmittelbare Bestellungen bei dem Verleger erhalten bedeutende Vorrheile. offenbar mit der Krankenanstalt deS sich zurückziebenden Magnetiseurs kn »naanemchen Rapport kam, so sind vielleicht die spätern Krisen durch diese Anfregnng entstanden. Möchte man doch nie vergessen, daß der einzige Zweck dicieS Zustandes ist, den Kranken zu heilen und alles andere, waS nicht ttnrnittcldar darauf Bezug hat, ihn nur von diesem Ziele avsütirt. Redackeur: Dr. L. PchilipPsvn. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. - Druck von I. B. Hrrschftld.

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