Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1881)
- Date
- 1881-07-12
- Page
- Seite 463 (sequence 9)
- Language
- German
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_463 theilt werden könnten, stellten sich uns unüberwindliche bisher bereits ein sehr günstiges Resultat zu Tage gefördert*) Schwierigkeiten entgegen, da wir im Süden und Innern und kamen uns nicht nur von zahlreichen Gemeinden, sondern Rußlands, wo das Zerstörungswerk so viele jüdische Familien auch von Privaten des In- und Auslandes erkleckliche Summen brodlos machte, ebensowenig Verbindungen unterhalten, wie unsere Schwestervereinigungen in Paris und London und der deutsch-israelitische Gemeindebund zu Leipzig, welche drei sich um Rath in dieser Beziehung an uns wandten und den Anschluß an uns in Anregung brachten. Tenn während wir gelegentlich der an der galizischen Grenze ausgebrochenen Judenverfolgung durch Vermittelung unserer nahe gelegenen Filiale Tarnopol rasch und erfolgreich zu Helsen in der Lage waren, mangelte uns im Innern Rußlands jede Fühlung mit vertrauenswürdigen Personen und ohne solche war eine wirksame Hilfeleistung nicht denkbar. Zum Glücke boten uns in dem Momente, wo wir mit einem Aufrufe in die Oeffentlichkeit treten wollten, zwei große Bankhäuser: Ephrussi und Comp.) in Wien und Odeffa, und Nathanson und Kallir in Wien und Brody, welche fast gleichzeitig mit uns für die bedrängten russischen Glaubensgenoffen eine Subscrivtion einzuleiten beabsichtigten, ihre Mitarbeiterschaft an. Nachdem wir nun nach eingehenden, mit diesen Herren gepflogenen Berathungen die feste Ueberzeugung gewonnen hatten, daß nur ein gemeinsames Vorgehen mit denselben sowohl in Betreff des zu erlaffenden Aufrufes als namentlich der Bertheilung der Spenden ein günstiges Resultat zu erzielen sei, nahmen wir bereitwilligst die uns dorgebotene Bundesgenoffenschaft an und es verstärkte sich, dem gefaßten Vorsiandsbeschluffe gemäß, das aus dem Präsidium bestehende Exe cutivcomite mit den beiden genannten externen Mitgliedern. Die Herren von Ephrussi und von Kallir unterhalten nämlich die ausgedehntesten Verbindungen in Rußland, besitzen die vertrauenswürdigsten Committenten an den betreffenden und bedrohten Orten, kennen meist persönlich die Mitglieder der Hilfscomite's, die sich zur Linderung der Noth in den verschiedenen Orten Rußlands gebildet und haben bereits in den arg heimgesuchten Städten Kiew, Elisabethgrad re. den Nothleidenden zu unserer vollsten Zufriedenheit die erste Hilfe geleistet. Wir haben somit mit der größten Beruhigung, um ein rasches Handeln zu ermöglichen, die Executive in die Hände dieser bewährten, der Sache sich ganz hingehenden Männer gelegt, mit denen wir in ununterbrochener Verbindung stehen und alle zu unternehmenden Schritte beratben. In der dargelegten Weise haben wir auch unseren Schwestervereinigungen in Paris und London und dem deutschisraelitischen Gemeindebund auf ihre Anfragen den Anschluß an uns empfohlen. Verhandlungen hierüber sind im Zuge und ist auf ein gemeinsames Vorgehen in der Folge zu rechnen. Die von uns eingeleitete gemeinsame Subscription hat zu, wobei wir neuerdings die erfreuliche Bemerkung zu machen Gelegenheit hatten, daß der alte sprichwörtlich gewordene jüdische Wohlthätigkeitssinn noch so lebendig wie nur je rege ist. Leider aber sind die den Juden in Rußland durch das Zerstörungswerk verursachten Schäden und die dadurch entstandene Nothlage so vehementer Natur, daß es einer noch weit größeren Anstrengung als der bisherigen bedarf, um dort nur einigermaßen Linderung zu verschaffen. Wir fühlen uns demgemäß verpflichtet, auch an dieser Stelle an die Hochherzigkeit unserer Glaubensgenossen zu cippclliren und es den Cultusgemeinden, Rabbinern, Predigern, Lehrern re. aus Herz zu legen, nach Kräften in ihren Kreisen für die hart bedrängten russischen Glaubensgenossen thälig zu sein. Jede, auch die kleinste Spende, wird von uns dankbarst angenommen und sorgfältig ausgewiesen werden. Nur durch eine Maffenbetheiligung kann hier Ersprießliches geleistet werden. Und so rufen wir denn unfern Glaubensgenoffen von Nah und Fern den uralten Spruch unserer Väter zu: „Al tifrosch min Hazibur!" Es schließe sich keiner von der Gesammtheit ab. Denn wenn dieser Spruch allenthalben beherzigt werden wird, dann erst wird unsere durch die Natur der Sache in dieser Angelegenheit zum Mittelpunkt gewordene Allianz in die Lage versetzt sein, ihrer Aufgabe vollkommen gerecht zu werden. Es verdient hcrvorgehoben zu werden, daß auch von Seilen unserer christlichen Mitbrüder zu Gunsten unserer ruff. Glaubensgen offen beträchtliche Spenden eingclaufen sind. Wir führen hier nur einige an: Von Herrn Cornuschi in Paris 12,000 Frcs., von Profeffor T)r. Billroth fl. 500, vom Reichsrathsabgeordneten Grafen Christian Kinski in Wien fl. 50. Zu der von der Cultusgemeinde in Gra; voran stalteten Collecte gab die erste Anregung die Schriftstellerin Frau Marie Schmitt (christl. Confession) :c. Pest, 28. Juni. (Privatmitth.) Obgleich die Wahlen zu dem ungarischen Reichstage noch nicht beendet sind, so haben wir doch schon einige recht erfreuliche Resultate zu verzeichnen. Moritz Wahrmann wurde in der Leopoldstadt, seinem frühern Wahlbezirke, wieder gewählt: sein vornehmes Schweigen, so oft von Juden und Judenthum uh Reichstage die Rede war, hat sich dieies Mal unerwartet au ihm gerächt. Unmittelbar vor der Wahl erhielt er in dem Redacteur Sigmund Brody, der ebenfalls Jnde ist, einen Gegencandidaten. so daß er nach Anstrengung seiner Partei mit einer Majorität von 240 Stimmen aus der Wahl her *) Bis heute den 11. Juni sind ca. l2ö,OOi> France! elligegaiig-'ii. 28