Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1881)
- Date
- 1881-04-19
- Page
- Seite 262 (sequence 12)
- Language
- German
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262 Consuln statt. an welcher der Kriegsminister und der Gouverneur Theil nahmen. In dieser Sitzung entschied die Versammlung einstimmig, der gouvernementalen Behörde ihre thätige und moralische Unterstützung zu leihen, um jeder Ruhestörung zuvorzukommen und sie zu verhindern und um die Ruhe der Stadt in Zukunft zu sichern. Unterdeß waren mehrere Bataillone von Kairo angekommen und hatten die bedrohtesten Plätze besetzt. Der größere Theil der Israeliten hielt sich in ihren Wohnungen zurück und ihre Kaufläden geschloffen. Dennoch wurden mehrere auf den Straßen mißhandelt, und zwar auf echt griechische Weise. Jemand schlich dem Juden nach, schlug ihn mit einem Stock hinterrücks über den Kopf und eilte davon. Fiel der Jude nieder, so umringten ihn alsbald einige hundert Männer, Weiber und Kinder und mißhandelten ihn. Solcher Fälle kamen drei bis vier vor. Die Polizei und die Soldaten gingen mit großer Nachsicht zu Werke, um mcht größere Aufstände hervorzurufen. Jetzt ist die Ruhe wieder hergestellt. Die mohamedanische Obrigkeit hat ihre Pflicht in vollem Maße gethan, und das ganze Unheil ging vom griechisch christlichen Pöbel aus. Em weißsazeuder Labbi. Die jüngste Nummer der Wochenschrift „Im neuen Reich" (No. 10.) enthält einen Bericht über ein Manuskript aus den Dresdener Archiv,, welches die Aufschrift führt: „Prophezeihung eines Juden zu Churfürst Augusti Zeiten, welcher ad marginem seine Anmerkungen dazu gesetzt hat; sie befindet sich in Dresden im Archiv, und jetziger Chursürst hat sie aufs Neue einbinden und aus dem Schnitt vergolden laffen. Copirt U.d. 22. April 1779 von Johann Heinrich Gottfried von N." Ein weiterer Theilen, von denen der zweite alchemistischen und kabbalistischen Bombast über das Rothgüldenerz. d. h. die Tinktur, durch welche gemeines Metall in Gold venoandelt werden könne, enthält, der des Entzifferns nicht werth ist. Desto merkwürdiger ist der erste Theil, der aus Prophezeihungen über die Zukunft des sächsischen Fürstenhauses besteht. Diese Prophezeihungen find darum merkwürdig, weil sie thatsächlich eingetroffen sind und sich größtentheils auf bestimmte Details beziehen. Der Rabbi beginnt mit einer devoten Einleitung über „Feuer und Salz als den ersten Ursprung aller Metalle, Pflanzen und Thiere, ja gar das Leben aller Dinge", und der Churfürst sei Feuer und Salz, aus welchen ihn Elohim gleich wie die ganze Welt erschaffen hat." Seine Rede beginnt er mit „Adonai Sebaoth Herr sei unsere Hülfe. Wenn es weiterhin heißt: „In dem Segen unseres Vaters Abrahams, Israels und Jakobs" so ist „Israels" wohl ein Schreib- und Druckfehler für „Jsaac's". Gleich zu Anfang prophezeit er dem Churfürsten selbst. daß er bald zu seinen Vätern gesammelt werden, seine Gemahlin aber kurz vorher sterben werde. Dies traf ein, die Churfürstin am 1. Oktober 1585 und August folgte ihr schon am 11. Februar 1586. Er fährt fort: „Deine Kinder werden auch nicht lange die Chursachsen regieren" und wirklich regierte Christian I. nur fünf Jahre und Christian II. zehn Jahre. Es folgt eine Schilderung der Schrecken des dreißigjährigen Krieges, dann die Prophezeihung auf König August I. und auf deffen Uebertritt zur katholischen Kirche, sowie auf August II. und dessen Ländererwerb, die großen Brandschatzungen der Unterthanen, die darüber seufzen werden. Mann kann hierbei nur an die betrügerische Finanzwirthschaft des Ministers Grafen Brühl denken. Der König aber werde plötzlich sterben, was auch am 5. October 1763 in Erfüllung ging. Ebenso weissagt er, daß deffen Nachkömmling die königliche Krone nicht Titel, besagt, daß in Folgendem das opus des Jüdischen tragen würde, wie denn Friedrich August III. die Wahl zum Rabbi Mardochai de Nelle über das Rothgüldenerz (die! Könige von Polen abgelehnt hat. Die folgenden Prophesogenannte große oder rothe Tinctur der Alchemisten, — der j zeihungen sind dunkler gehalten und könnten wohl auf Na- Stein der Weisen) enthalten sei. Die Abhandlung war an j poleon und deffen Herrschaft, jedoch ohne Sicherheit, gedeutet den Churfürsten August I. (1553—1586) gerichtet, und an! werden. Herr Ullrich Schneider, der dies ausführlich milder Authenticität des Manuskriptes kann nicht gezweifelt! theilt — wir haben die Hauptpunkte nur kurz hervorgehoben werden, da daffelbe von Randglossen von der Hand des^— schließt mit folgenden Sätzen: Die Thatsache der Pro- Churfürsten selbst vielsach begleitet ist. Dagegen wissen wir nichts Weiteres von einem Rabbi Mardochai de Nelle und würden uns verpfllichtet fühlen, wenn irgend Jemand etwas über ihn mittheilen könnte. August macht gleich zu Anfang der Abhandlung folgende Anmerkung: „Des Mardochai Rabbi de Nellens nachstehende beschriebene Werke und Arbeiten aus dem. Rothgüldenen Erze haben wir wahrhaftig befunden, und ist über der ganzen Arbeit, von Anfang bis zu Ende, 41 Wochen zugebracht worden August." Die Arbeit besteht aus zwei nur äußerlich mit einander verknüpften phezeihung liegt vor, und sie scheint uns hinlänglich merkwürdige Momente zu bieten, um zu einigem weiteren Nachdenken anzuregen. Wolle aber der geneigte Leser bei Verfolgung des Vorstehenden weniger Veranlassung nehmen, sich in irgend welchem Aberglauben zu bestärken, als vielmehr seinen Blick für den geheimnißvollen Zusammenhang geschichtlichen Waltens zu schärfen." Das find fteilich nur Worte, denn in den Prophezeihungen solcher Details, wie der kurzen oder längeren Regierung zukünftiger Churfürsten, ihrer weisen oder verschwenderischen Regierung, der Erlangung einer aus-