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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-02-08 · Heft 6 (8.2.1881) · p. Seite 85

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 6 (8.2.1881)
Date
1881-02-08
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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85 hätte — aber daß Priester, der Hohepriester an der Spitze, und Schriftgelehrte, ja Synedrifien solches zu thun, so die heiligsten Gesetze und Rechtsvorschriften zu verhöhnen vermacht und gewagt hätten, ohne sofort ihrer ganzen Autorität beraubt und mit Schmach bedeckt worden zu sein, das ist für Jeden, der die Verhältnisse der damaligen Zeit nur etwas kennt, unmöglich anzunehmen. Jndeß kommen hier die mannigfachen Widersprüche hinzu, welche in den Relationen der Evangelisten mit sich selbst und untereinander vorhanden sind und die jedem Unparteiischen den letzten Zweifel nehmen müssen, daß hier nur ein römischer politischer Prozeß vorliegt, der zu einem jüdischen aus bestimmten und durchsichtigen Mottven gemacht worden ist. Hierüber verweisen wir aber, um uns nicht zu wiederholen, auf unsere Broschüre. — Hiermit nehmen wir von dem Werke des vr. Bargha Abschied, indem wir nochmals unsere dankbare Anerkennung aussprechen, wenn auch das von uns mitgetheilte Capitel nur einen sehr kleinen Theil seines verdienstvollen Werkes ausmacht. Literarischer Wochenbericht. Pest, im Januar. Alexander von Humboldt, Schüler Moses Mendelssohn's. Das in zweiter durch - gesehener Auflage jüngst erschienene, auch in 9fr. 3 d. Ztg. angezeigte Buch S. Hensel's „Die Familie Mendelssohn 1729—1847" veranlaßt mich, die Beziehungen Alexander von Humboldt's zu Moses Mendelssohn ein wenig zu beleuchten. In meiner 'Schrift „Moses Mendelssohn, sein Leben und seine Werke" (Leipzig, Mendelssohn 1862) widmete ich den beiden Humboldt's ein ganzes Capitel. Dort heißt es (S. 426): „Seit meiner frühesten Jugend habe ich die Ehre, in Deutschland mit den hervorragenden Männern unter Ihren Glaubensgenossen, welche in der Philosophie und Mathematik geglänzt haben, verbunden zu sein, und einer unserer größten und ältesten Schriftsteller, der Freund Lessing's, Moses Mendelssohn, hatte auf die Erziehung, welche ich und mein Bruder in vorsündfluthlicher Zeit genossen, Einfluß ausgeübt" — so schrieb Alexander von Humboldt am 12. November 1853 an Marco Mortara, Rabb. Magg. in Mantua. Mit wahrem Entzücken sprach dieser erst vor wenigen Jahren verstorbene Fürst der Wissenschaften etwa zwei Jahre vor seinem Hinscheiden von den „Morgenstunden"; ich habe die „Morgenstunden bei Mendelssohn selbst gehört", waren seine eigenen Worte." Herr Hensel, der sein oben erwähntes Buch mit einer Biographie Moses Mendelssohn's, seines großen Ahns, be' ginnt, trug auch kein Bedenken, in der 1. Auflage Alexander von Humboldt als Schüler M. M.'s gelten zu laßen; in der 2. durchgesehenen Auflage hielt er es jedoch für nöthig S. 20 zu dem Satze: „Die Morgenstunden" waren zur Belehrung seiner Kinder, namentlich Joseph's, des älteren, und einer Reihe junger Leute von schätzbaren Geistesgaben und noch besseren Herzen besttmmt, die sich täglich um ihn versammelten, in einer Note hinzuzufügen: „In der 1. Auflage waren hier die beiden Humboldt's genannt. Es beruht diese Angabe auf einer wohl ungenauen, mündlichen Tradition". Herrn Hensel's Zweifel an der Richtigkeit der Behauptung, daß Al. v. Humboldt Schüler oder Zuhörer Mendelssohn's gewesen, ist genau genommen gegen meine Biographie gerichtet, die wenn auch nicht erwähnt, auch sonst von ihm benutzt wurde, wie S. 15 deutlich zeigt. Die bezweifelte Angabe beruht aber keineswegs „auf einer ungenauen mündlichen Tradition", sie beruht vielmehr aus einer mündlichen Mittheilung Alexander von Humboldt's, die ich im Kreise der Mendelssohn'schen Familie in Berlin im Jahre 1656 von ihm empfangen habe. Mittwoch, den 27. Februar 1856, erhielt ich nämlich von dem vor einigen Jahren verstorbenen Geh. Eommerzienrath Alexander Mendelssohn, dem Sohne Joseph M.'s, eine Einladung zu Tische. Ich will cs nicht versagen, das diesbezügliche Schreiben hier mitzutheilen. Geehrter Herr Doctor! Herr von Humboldt erzeigt mir die Ehre heute Mittag an meinem Familientische zu erscheinen: es würde mich sehr freuen, wenn Sie mir auch das Vergnügen machen, und ich Sie bei dieser Gelegenheit diesem herrlichen Manne vorstellen könnte. Sie haben mir zwar schon einmal, Ihrer Grundsätze wegen, einen Korb gegeben, Sie brauchen ja aber nur von den Speisen zu wählen, die Ihnen bei mir gestattet sind. Kommen Sie, wie ich hosse, so erwarte ich Sie gegen halb fünf Uhr. Sollten Sie es aber nicht mit Ihren Grundsätzen vereinigen können bei mir zu speisen, so sinden Sie sich vielleicht gleich nach Tische, etwa gegen 6 Uhr ein. Herr von Humboldt pflegt noch ein halbes oder ganzes Stündchen nach dem Aufstehen bei uns zu bleiben. Ich bitte um ein Wort Bescheid und grüße Sie hochachtungsvoll Alexander Mendelssohn. Mittwoch, den 27. Februar 1856. Ter freundlichen Einladung konnte ich nicht Folge leisten; ich fand mich jedoch nach aufgehobener Tafel ein und hatte das Glück, dem herrlichen Manne vorgestellt zu werden und ihn wie später noch einige Male zu sprechen. Wenige Wochen vor diesem ersten Zusammentreffen mit ihm war meine Schrift „Mos. Mendelssohn's philosophische und religiöse Grundsätze mit Hinblick auf Lessing (Leipzig, Mendelssohn 1856) erschienen und von Geh. Rath Mendelssohn dem greisen Fürsten der Wissenschaft auch überreicht worden. Die Unterhaltung drehte sich daher auch bald um Mos. Mendelssohn. Humboldt erzählte von seinem Verkehr mit ihm und seinen Kindern, und bei dieser Gelegenheit betonte

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