Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1881)
- Date
- 1881-01-25
- Page
- Seite 61 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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61 vorgerufen zu haben. Der allgemeine Widerspruch, den die genannte Bewegung findet, kann uns Israeliten über deren und unfern Werth vollkommen beruhigen. Selbst hier, in einem so entlegenen Winkel Europa's, von dem schönen Gestade des ligurischen Meeres, erhebt die „Liguria 2ccidentale", ein angesehenes liberales Blatt, ihre Stimme mit Eifer und Nachdruck gegen die Ungerechtigkeit und Unwahrhaftigkeit der norddeutschen Antisemiten. Und einer der bekanntesten Schriftsteller und Nationalökonomen Italiens, Pietro Sbarbaro, richtet an den Redactenr des genannten Blattes (Nummer vom 6. December) ein Schreiben, in dem er mit feurigen Worten das Antisemitenthum im Namen der Gerechtigkeit, der Wahrheit und der Menschlichkeit brandmarkt. Wir möchten hier nicht die wenig schmeichelhaften Namen wiederholen, mit denen der italienische Gelehrte die Stöcker, Treitschke, Henrici und Consorten belegt. Möchte man doch in Deutschland bedenken, wie sehr das Ansehen dieses Landes in dem ganzen Umkreise der Civilisation durch die Thorheiten und Schändlichkciten der Judenfrcsserci geschädigt wird! Rußland. Tvckum, 22. Nov. iPrivatmitth.) Ich beeile mich. Ihnen in Betreff der in Ihrem Blatte reproducirteu Nachricht von der bevorstehenden Ausweisung der Juden aus dem ehemaligen rumänischen Beffarabien, die freudige ^Nachricht mitzutheilen, daß der in St. Petersburg in russischer Sprache erscheinende, gewöhnlich gut unterrichtete .Uussky Jevvrei4* in seiner mir eben zu Gesicht gekommenen, letzten Üfar. (45 5/17. November Seite 1784) Folgendes rcferirt: „Wie wir in Erfahrung gebracht haben, ist aus Verfügung des Herrn Ministers der Innern Angelegenheiten, des Grafen Loris-Melikoff, die Ausweisung der Juden aus dem annektirten Theile Beffarabiens suspcndirt worden."^ Serbien. Belgrad, Mo. December. Fürst Milan hat von dem ihm verfassungsmäßig zustehenden Rechte, eine bestimmte Anzahl von Skuptschinamitgliederu zu ernennen, bereits Gebrauch gemacht. Fm Gegensätze zum Vorgänge des Cabinets Ristic, das zu Regierungsdclegirten nur Beamte hcranzog. wurden diesmal Männer aller Bernssclassen berücksichtigt. Damit dem Princip der confessionellen Gleichberechtigung zum Ausdrucke verholfen werde, wurden auch der Türke Mustafa Effendi aus Nisch und der Jude Abraham Qser aus Belgrad zu fürstlichen Deputirten für die Dauer der dreijährigen Session ernannt. 1) Es ist uns dies auch von anderer Seile znqekommen. T. Red. Rumänien. London, 6. Nov. Wie das Jewish Chronide mittheilt, suchen etwa hundert jüdische Familien in Rumänien durch Verwendung des Redacteurs genannten Blattes von ihren Glaubensgenossen in England die Mittel zu erhalten, nach Palästina auszuwandern, und sich dort eine neue Heimath Zu gründen. Ueber die Hälfte der dazu nöthigen Geldmittel verfügen sie selbst, die andere Hälfte wünschen sie als Vorschüsse zu erhalten. Also 3000 nach Amerika und ca. ' 500 Seelen nach Palästina — die Rumänen werden sich in's Fäustchen lachen, daß sie doch nun ihr Ziel erreichen und durch ihren Druck und ihre Ausschließung ihre jüdischen Mitbürger zum Lande hinaustreiben. So lachten auch die Spanier, als sie die Juden und die Mauren aus der Halbinsel verjagt hatten. Später kam es ihnen zum leidigen Bewußtsein, daß sie den betriebsamsten Theil der Bevölkerung hinausgedrängelt und hinaus gejagt hätten, und daß sie selbst am meisten darunter litten. Den Rumänen wird es ebenso ergehen. Botuschan, 2. Jan. iPrivatmitth.) Wenn die öffentlichen Blätter jetzt selten etwas aus Rumänien bringen, so glaube man darum nicht, daß die Verfolgung unsrer Glaubensgenossen in hiesigem Lande aufgehört hat; sie geht vielmehr im Stillen, aber von Tag zu Tag weiter. Unser Schicksal wird immer trauriger. Man vollführt dies auf eine Weise, welche zu offenbaren Klagen nicht veranlaßt, aber die Existenz der Gemeinden untergräbt und namentlich die noch vorhandenen Quellen für Fortbildung verstopft. So wurde den Gemeinden untersagt, die Koscherfleisch-Steucr fernerhin zu erheben. Man mag über die Natur dieser Abgabe, die früher in allen Ländern bestand, verschieden denken, aber hier zu Lande beruhte der Bestand der Gemeinden auf ihr. Eine höchst beklagenswerthe Folge am hiesigen Platze mar, daß die israelitische Hauptschule dadurch ihre Einnahmen verlor, sie, die, wie ihre Leistungen bewiesen, für eine Muster - schnle gelten konnte und galt. Sie mußte am 15. November v. I. geschlossen werden und mehr als 500 Schüler, die sie frequentirt hatten, sind dem Müßiggang und der Unwissenheit Preis gegeben. Schlimm genug, daß es unter den hiesigen Juden so Viele giebt, die diesen unermeßlichen Schaden nicht zu beherzigen verstehen, sonst würde ja eine Aushilfe auszusinden sein. Ten Wenigen, die Einsicht genug haben, blutet das Herz, aber sie vermögen nicht zu helfen. Marokko. Tanger, im Nov. Der Präsivent der israel. Junta, Herr Nahou, italienischer Prvt./gs, ist durch den italienischen Kronenorden ausgezeichnet worden. Bei der lieber-