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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1880-03-16 · Heft 11 (16.3.1880) · p. Seite 165

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
44 (1880)
Issue
Heft 11 (16.3.1880)
Date
1880-03-16
Page
Seite 165 (sequence 5)
Language
German
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165 aus ist dies keine Frage ersten Ranges, die Discussion hat sie erst dazu gemacht, insofern als sie eine Richtung genom men hat, die eine Täuschung der Nation zur Folge haben müßte. Diese Täuschung würde darin liegen, daß die Mehrheit eine Erklärung vieler unsrer schwersten Schäden in dem Berhältniß der Juden zur Nation finden zu können glaubt. Diese Erklärung wäre eine oberflächliche und einseitige; fie würde vor Allem, und darin würde ich dschwerste Schädigung unsres Volkes erblicken, von dem richtigen, wenn auch mühsamen Weg der Heilung abführen. Ich habe geglaubt, deshalb das Wort nehmen zu müssen; ich habe es genommen nach meiner Ueberzeugung und nach meinen Kräften." Von diesem Standpunkte aus widerlegt der Verfasser in objectivster Weise die Sätze und Behauptungen Treitschke's nach einander, und erweist ihre Unrichtigkeit, Ungründlichkeit und Parteilichkeit. Er ruft hier eine sehr bedeutende Kenntniß der Geschichte, besonders des Mittelalters zu Hülfe, um die Schwächen des Historikers Treitschke auf einem Gebiete aufzudecken, wo dieier gar nicht heimisch ist, aus seiner Unkenntniß jedoch sich nicht scheut, die oberflächlichsten Behauptungen in pomphafter Weise vorzutragen. Ja selbst von vornherein schon spricht er den von Treitschke vorgeschützten Motiven die Wahrheit ab, nämlich daß eine allgemeine Erregung und Verstimmung im deutschen Volke gegen die Juden vorhanden sei und sich Lust mache, da vielmehr nur eine künstlich hervorgerufene Agitation gewisser Parteikliquen fich erkennen laffe. Wir empfehlen das Schriftchen auf's Nachdrücklichste, und es beruhigt uns allerdings hinsichtlich unsrer deutschen Nation, so viele treffliche Männer eine rechte und gerechte Würdigung der wirklichen Sachverhältniffe kundgeben zu sehen. In der anderen Schrift: „Franzosen über Juden" (Wien, Gottlieb, 1860) hat vr. Adolph Jellinek dem künstlich erregten Furor teutonicus wider die Juden ein Gegenbild in einer Sammlung von Urtheilen ausgezeichneter Franzosen über die Juden aufgestellt. Nach einem wohl etwas zu enthusiastischen Preise der Verdienste des französischen Volkes um die Gleichberechtigung auf dem Continente, giebt der Verfasser als Fortsetzung seiner 1869 erschienenen Schrift „Ter jüdische Stamm" eine Reihe geistreicher Beobachtungen über die Achnlichkeiten und Unterschiede im Charakter der Juden mit den Franzosen, Polen, Engländern und Deutschen, woran er dann Notizen über stanzösische Schriftsteller seit 1677, welche sich zu Gunsten der Juden geäußert, reihet, die Quintessenz ihrer Uv heile giebt und mit den Originalstcllen schließt. Diese Autoren gehörten allen Klaffen des wissenschaftlich gebildeten Frankreichs an, der Jurisprudenz, Theologie, Philosophie u. s. w. und überraschen bisweilen durch die außerordentliche Wärme, mit der fie sich aussprechen. Es find 17 an der Zahl uno den Schluß bildet Renan. Allerdings konnten die Citate noch sehr vermehrt werden, wir wollen nur an den Abbe Grsgoire, den humansten Bertheidiger der Juden, und an den großen Mirabeau erinnern, welcher letztere ja eine eigene Schrift über Moses Mendelssohn verfaßte-). Aber auch die hier gegebenen Stellen genügen schon, um das französische Uriheil über die Juden zu kennzeichnen. Ta sich viele deutsche Schrisistellcr und Zeitungsschreiber ein Geschäft daraus machen, aus allen bisweilen schon schr verstäubten Winkeln der deutschen Literatur Verdammungsurtheile über die Juden zu sammeln, so wird mau cs Jellinek nur Tank wissen, die vorliegende Zusammenstellung gearbeitet und veröffentlich! zu haben. Ueberschen wir aber nicht, wie viele edle Deutsche gerade im gegenwärtigen Zeitpunkte die Sache der Juden zu der ihrigen gemacht haben. - — Uebrigcns ruht die Meute der Pamphlctisten nicht, und wöchentlich kauen sie ihre Speise dem Publikum noch einmal vor. Wir nehmen von dieser Sorte keine Notiz, auch nicht von den Ausbrüchen Marr's gegen uns persönlich. Sich mit diesen in Streit einzulaffen, wäre ein sehr unnützes Unternehmen, und man stellte sich dadurch mit ihnen auf eine und dieselbe Linie. Antwort kann ihnen nur das Publikum selbst geben, indem es ihrer Schmähungen überdrüssig, sie sich selbst überläßt. Literarischer Wochenbericht. Altes in neuem Gewände. I. Es kann nicht auffallen, daß in der neuesten jüdischen Literatur den größten Raum einnimmt: „Altes in neuem Gewände". Hierunter haben wir sowohl nun Ausgaben älterer Schriftsteller mit kritischem und erläuterndem Commenlar, als auch Uebersetzungen alter Werke in moderne Sprachen zu verstehen. Diese letzteren verniitteln die Kenntniß der Geisteserzeugnissc früherer Epochen nicht nur für oie gegenwärtigen Bekenner des Judenthums, di: jener Sprachen nicht mächtig sind, sondern auch, namentlich was die in hebräischer und aramäischer Sprache abgefaßten Schriftwerke betrifft, für den nichtjüdischen Leserkreis. Nach beiden Seiten ist dies von nicht geringer Wichtigkeit. Vorzugsweise was die tal- .nudischc Literatur betrifft, kann sich die nichtjüdische Welt zukünftig nicht mehr mit dem Dunkel vertheidigen, in welches jene gehüllt sei, da die Sprache, deren sie sich bediente, nur äußerst wenigen Gelehrten zugänglich sei. Der Weg 1) Abbe Gr» goire, Bischof von Blois: Essai sur la regeneration phvsique. morale et politique des Juifs. Metz, 1789. Histoire des sectes religieuses Tom. JII. Paris, 1828. Observations nouvelles sur les Juifs. et specialement sur ceux d’Allemagne. Paris 18*20. 2) Sur Moses Mendelssohn, sur le Reforme politique des Juifs ,>to. London 17S7. Brüssel und Paris l7*s. Deutsch, Berlin 1787.

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