Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1878)
- Date
- 1878-09-17
- Page
- Seite 598 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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598 guter, natürlicher Begabung und musikalischer Bildungsfähigkeit > behufs des Eintritts in die Präparandenanstalt mit demjenigen Maße von Kenntnissen ausrüstet, welches hoffen läßt, er werde zu einem brauchbaren Vorsänger ausgebildet werden können, wird im Fall der Aufnahme des Schülers in die Präparandenanstalt aus der israelitischen Centralkirchenkasie eine Belohnung von 100—150 Mark, je nach dem Ergebniffe der mit dem Aspiranten vorzunehmenden Prüfung, gewährt." Der Erlaß giebt sodann die Anforderungen, welche an den Aspiranten gestellt werden, an, und verfügt eine Prüfung vor dem Eintritt in eine Präparandenanstalt und desfalsige anderweitige Maßregeln. —. Wiederum ist eine unserer ältesten Volksschulen, die in Nordstetten, eingegegangen. Dieselbe wurde so lange gesetzlich aus den Mitteln der politischen Gemeinde unterhalten, als die obligate Zahl von sechzig israelitischen Bürgern in der Gemeinde vorhanden war, was jetzt nicht mehr der Fall ist. Die Schule war über 40 Jahre Communalschule. Sie wird nunmehr als freiwillige Confessionsschule von der israelitischen Gemeinde auf deren eigene Kosten forterhalten. Aus Württemberg, 6. Sept. (Privalmitth.) Unsere Tagesblätter berichten von einem tragischen Vorfall, der sich in dem an unserer Grenze gelegenen bayrischen Dorfe Wallerslein ereignete. Aus diesem Orte wohnte in Californien ein noch unverheiratheter Mann, Michael Reese, der ein Vermögen von ca. 60 Millionen Mark besaß. Derselbe besuchte schon mehrere Jahre seine Heimat und dann auch jedesmal den jüdischen Friedhof seiner Heimatgemeinde, um am Grabe seiner Eltern zu beten. Trotz seines ungeheuren Reichthums aber unterließ er stets, um dem Shnagogendiener kein Geschenk geben zu müffe n, sich von diesem den Schlüssel zum Friedhof geben zu lassen, und überschritt stets den Zaun. Heuer, als er wieder ebenso verfuhr, sandte ihm der israelitische Gemeinde- Vorstand den Shnagogendiener nach und ließ ihn vor sich führen. Am Grabe theilte ihm der nachgeeilte Küster den Befehl mit und führte ihn vor den Vorstand, wo er, vielleicht durch die Aufregung herbeigeführt, von einem Schlaganfall betroffen, leblos niedersiel und nicht mehr zum Leben zurückgebrachr werden konnte. Bei Lebzeiten überaus sparsam, erwies sich aber dieser californische Krösus als ein großmüthiger Wohlthäter. Reese hat nämlich in seinem Testamente 20,000D llrs. an das jüdische Waisenhaus in San Francisco, 10,000 Dllrs. an das Lucasspital daselbst, 50,000 Dllrs. an die californische Universität behufs Gründung einer Reese-Bibliothek, 30,000 Dllrs. an Frau Johnson für wohlthätige Zwecke, 20,000 Dllrs. an den Wohlthätigkeitsverein „Eureka", 10,000 Dllrs. an das deutsche Hospital daselbst, 25,000 Dllrs. an das >1ount-8inui-Spital (jüdisch) in New-4)ork, 25,000Dllrs. an das jüdische Waisenhaus daselbst, 200,000 Dllrs. an Jatob Rosenberg zur Verwendung für wohlthätige Zwecke, 40,000 Dllrs. an das Waisenhaus in Cleveland, zusammen 430,000 Dllrs. überwiesen. Der in der dieswöchentlichen Nummer (30) der Zeitung des Judenthums angeführte Brief Moses Mendelssohn's an Frh. Jak. Spieß findet sich auch mitgetheilt in einer im Todesjahre Mendelssohn's erschienenen Schrift von Simon Höchheimer in Würzburg: „Ueber Moses Mendelssohn's Tod, Wien und Leipzig, I. I. Stahel 1786", und dürste die beste Widerlegung der vr. Lebrecht'schen Hypothese sein. Die in diesem Jahre stattgesturdene Säcularfeier des Todestages I. I. Rousseau's möge auch in Erinnerung bringen, daß Moses Mendelssohn die Abhandlung dieses Lehrers der Freiheit und Menschenrechte: „Von dem Ursprünge der Ungleichheit der Menschen" in's Deutsche übersetzte und mit Anmerkungen vermehrte, sie im Jahre 1756 zu Berlin im Drucke herausgab und mit einem Schreiben an Lessing begleitete. Karlsruhe (Baden., 6. September. Privatmitth.) In dem „Verordnungsblatt des Großherz. Oberschulraths" vom 4. d. publicirt der Oberschulrath amtlich die oberräthliche Empfehlung des „Lehrbuches der israelitischen Religion von 0r. Ludwig Philippson" zur Einführung in die Oberclassen der höheren Lehranstalten. Bonn, 5. September. (Privatmitth.) Dor Kurzem wurde die „Statistik der zum Ressort des Ministeriums des Innern gehörenden Straf- und Gefangenen - Anstalten für die Jahre 1875 und 1876" veröffentlicht. Aus der Personalstatistik der Zuchthausgefangenen entnehmen wir folgende Notizen. Die Gesammtzahl der detinirten Zuchthausgefangenen betrug 1875: 23961, 1876: 23879. Es waren auf 1000 Köpfe der evangelischen, katholischen und jüdischen Bevölkerung evangelisch katholisch jüdisch 1875 0,92 0,98 0,62 1876 0,90 1,00 0,65 Man sieht hieraus, daß das Verhältniß bei den Juden um ca. 0,30 günstiger war als bei der christlichen Bevölkerung. Was den Zugang an Zuchthausgefangenen in den gedachten beiden Jahren betrifft, so gehörten zu ihnen Evangelische Katholische Jüdische 1875 4120 2496 70 1876 4618 2818 83 Hiernach ist von der Zahl aller zugegaugcnen Sträflinge im Jahre 1875 erst der 95., im Jahre 187tz erst der 90. ein Jude, während nach der Gesammtbevölkerung des Staates I schon der 75. Mensch ein Jude ist. (Von 24,639,706 Seelen j 325,540 Juden). Auch hier also ein immerhin nicht unbedeuj tend günstiges Verhältniß seitens der Juden.