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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-08-13 · Heft 33 (13.8.1878) · p. Seite 525

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 33 (13.8.1878)
Date
1878-08-13
Page
Seite 525 (sequence 15)
Language
German
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52 Rückkehr unfcrö heiß angebeteten Wanderrabbis hat vieles vor dem Jftoczy'schen Antrag voraus. Jstoczy mag sich mit seiner dummen Engherzigkeit schämen. — Gründe, welche in irgend einer Herzensfalte verborgen liegen, sind zu lüften leider uns nicht vergönnt; hingegen wollen wir einen schwachen Versuch wagen, die allgemeinen großen Gesichtspunkte, welche die diversen Herren bei dieser staatsklugen Handlung geleitet und die sie auch Sr. Erellenz in der ewig denkwürdigen Audienz vor dem galizischen Statthalter entrollten, rasch zu Papier zu bringen. Zwar liegt mir kein authentisches stenographisches Protokoll der famosen Unterredung vor; allein die verehrten Leser werden doch ohne Scheu in jene Gedankenlabyrinthe sich hineinwagen, welche die verehrlichen Deputationsmitglieder so freiwillig und so glänzend durchwanderten, da das Endziel unserer Reise nicht jenes jüdische Canosia bildet, welches die Männer des äußersten Fortschrittes zu Ende des 11). Jahrhunderts ihren galizischen Glaubensgenosien bereitet haben. Uns genügt, jenen berüchtigten Julitag, wo ein hirnverbrannter Doctor Juris und ein novellenschreibcnder Handelskammersecretarius fußfällig um einen jüdischen Heiligensitz bettelt, in die Annalen der jüdischen Geschichte roth einzuzeichnen — auf daß es wißen die Kinder und die Kindeskinder. Kehren wir nun in dem schönen Audienzsaal der Lemberger Statthalter ein, wo sich die Brodyer Deputation zum Worte! gemeldet hat. j Dr. PH. Z. nimmt das Wort: j „Euer Ercellenz. Seit einer Reihe von Jahren geht! es in Brody immer schiefer und rascher, ja unaufhaltsam ab- > wärts. Die besten Familien, die größten Bankhäuser und mit! ihnen die intelligentesten Männer sind weggezogen. Handel und Gewerbe stockt, Industrie gleich Null. Bei diesem Bewandnisie fürchten wir, daß die socialdemokratischen Ideen, welche in den Ehassidim Brody's seit Jahrhunderten gähren, denn doch einen mächtigen Ruck nach Vorwärts erhalten. Ihre nächtlichen Zusammenkünfte - mit dem Schlage zwölf Mitternachts könnte Euer Ercellenz sie alle in ihren Klausen überraschen, wo sie in einer mir ganz unverständlichen Sprache, dem sogenannten Hebräisch, Gedankenaustausch leiten. — In einer für Sie unverständlichen Sprächet versetzte der hohe Herr. Ja unverständlich, dieweil ich keine Zeit fand, mich mit dieser todten Sprache der Juden zu beschäftigen. Wir Fortschrittsmänner wollen die Jugend nicht mit fremdem Ballast beschweren, daher auch meine Jugendjahre zu klassischen Studien verwerthet wurden. Rach Absolvirung des Gymnasiums hingegen zog mich die Politik an und die Idee der Wiederherstellung Polens füllte meine ganze Seele aus und erheischte schwere, mitunter blutige Opfer. Diese fürchterlichen blutrothen Socialdemokraten haben eine sehr bewährte und erprobte Mobilisirungsmanier, auf Kommando sind alle in einem Tage mobil und man hat verschanzte Lager. Belz, Oleszko, Huscatge, Äotkov, Zydaczow und dergleichen unzählige Punkte Galiziens sind die strategisch wichtigen Eentren dieser unsterblichen jüdischen Hugenotten. Die Gefahr der Fortschrittspartei in Galizien und mit ihr des Judenthums forderte es gebieterisch, jene Bestrebungen zu paralysiren. Tie hochweisen Väter der culturfreundlichen Stadt Brody haben daher im Einvernehmen mit meiner zuckersüßen Wenigkeit | beschlossen, die österr.-russische Grenze aus ähnliche Weise in Verj theidigungszustand zu setzen. Der geheime Plan, den ich wohl Euer Ercellenz verrathen darf, geht dahin, jener einheimischen Socialdemokratie eine Concurrentin in dem Herbeirusen einer noch gefährlicheren aus dem Czarenreiche erstehen zu laßen. Hier nimmt Herr L. H. F. das Wort: Niemals wird unser Tolnaer einen einseitigen und lieblosen Standpunkt einnehmen. Lieber führt derselbe Heilige die messianische Aera für alle Menschen herbei, und das Reich Jerusalem wird im Äbendlande neu begründet mit der Residenz Brody-Zion. | (Sin Blick in jene Städte, wo das Rebbethum sein Werk in | durchgreifender Weise zum herrschenden Systeme gemacht, zeigt, wie idealisch schon dort zu weilen ist — Nichts von der sauren Mühe, nichts von dem noch saurern Schweiße des Angesichts sein Leben zu fristen, hat da der (Mann) Leibgardist zu verspüren, sondern eitle reine himmlische Ruhe. Branntwein den unen halben, Beten und Singen und Faulenzen den andern halben Tag — was zu Hause die arme Frau mit ihren : zahlreichen Kindern ärgert und quält, wie sie sich peinigen und darben und schmachten, das fühlt jener Pilgerfahrer auf |40—50 und mehr Meilen nicht! .Schluß folgt. Anzeigen. ~\Z2 Berlin G. Zimmer v. .M. 1.5* > an Hötel de §axe Omnibus am Bahnhof . Bnrgstrasse Nr. 20 neben der (B. 3196)

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