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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-10-23 · Heft 43 (23.10.1877) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 43 (23.10.1877)
Date
1877-10-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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"Allgemeine Zeitung -es Iudenthums. Ein unparteiisches Organ siir alles Wische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philipp son in Bonn. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bis 2'/, Bogen. Preis Vierteljährig J Mark. Inserate werden mit 2» Pf. für die Petitzeile over deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZeitungS- Expeditionen nehmen BestellÄrge» an. In rrdactiouelle» Angelegenheiten wende man sich an vr. £. jlhilipusou in Bonn; hiustchUich der Inserate an 9. Stoffe in Leipzig und dessen Filiale» in Berlin, Breslau re. Änseratr, welche bi» vouuerftay eingeheu. finde» mder darauffolgenden llüimmer Berücksichtigung. Beilagen werden mit 1 Marl 50 Pf. pro Hundert berechnet. 41. Jahrgang. Leipzig, den 23. October 1877. JS? 43. Inhalt. Leitende Artikel: Die Juden in Amerika. — Literarischer Wochenbericht: Bonn. (Sckilnß). — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Aus der Provinz Posen, Breslau, Karlsruhe (Baden). — Oesterreich-Ungarn: Pest, Von der Donau. — Frankreich: Paris. — Australien: Victoria. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Uebersicht der gesammten Schriften des vr. Ludwig Philippson. (Fortsetzung). eCeltett<)& ÖCtii&ef. Bonn, 17. October. Die Juden in Amerika. Die Geschichte zeigt stets ein ernstes, sehr oft ein trauriges, schmerzerfülltes Angesicht, die Geschichte der Juden aber seit dem zweiten Falle Jerusalems immerwahrend ein düsteres, tragisches Antlitz. Warum sollten wir uns nicht einmal eines heiteren, friedlichen Blickes erfreuen? Wenn wir in der Geschichte der Vergangenheit immer nur dasselbe schreckliche Schauspiel gewahren, das nur in Zeit, Ort und Personen wechselt, in den Ursachen, Triebfedern, Verlauf und Folgen sich wiederholt, wenn wir selbst in der Gegenwart stets mit denselben häßlichen Leidenschaften, mit Vorurtheil und Gehässigkeit, mit Ausschließung und Hintenansetzuug zu kämpfen haben: warum sollen wir uns nicht einmal der Aufmerksamkeit auf ein völliges Gegenbild überlassen, wie es uns — in der Geschichte der Juden in Amerika entgegentritt? Was man auch sagen mag, die Bereinigten Starten Amerikas sind auf ganz entgegengesetzte Grundsätze und Elemente aufgebaut worden, wie die Staaten in Europa, und haben dennoch nicht allein ihren Bestand, sondern ein noch nie dagewesenes Wachsthum bewährt. Ja, in einem einzigen Punkte hatten sie ein von Europa überkommenes, ihrer Natur zuwiderlaufendes Princip, das Sklaventhum, durch die gegebenen Verhältnisse zulassen müssen, und dieses eine brachte ihnen einen urchtbaren Bürgerkrieg zu Wege, mit dem sie die Beseitigung dieses Makels und Widerspruches erkaufen mußten. So viele Fortschritte das politische und sociale Leben des alten ContinentS gemacht hat, im Wesentlichen steht es noch immer im Gegensatz zu dem Amerikas. Die Union baute sich auf den Grundsatz auf: keine Berücksichtigung der Nationalität und der Confession! und nur diesem Principe war es möglich, den weiten Landstrichen Nordamerikas in einem Jahrhundert eine Bevölkerung von 40 Millionen Menschen zu verschaffen. Unterdeß gewann das Nationalitätsprincip in Europa eine neue, völkertrennende und staatenerschütternde Energie, und der Religionsfanatismus treibt hier die Bürger eines Staates, dort die Völker zum Kampfe gegeneinander. Die politische Weisheit in Europa hält noch eine Menge Staatsmaximen für unentbehrlich, die Völker zu regieren, welche durch den amerikanischen Staat längst chatsächlich widerlegt worden, womit wir allerdings nicht behaupten wollen, daß es möglich und darum rathfam sei, sich sofort auf amerikanischen Fuß zu setzen. Auch dem wollen wir entgegnen, als ob wir die amerikanischen Zustände und Einrichtungen für absolut richtig und vollkommen halten. Ein Blick z. B. auf das Zollsystem der Union lehrt uns daS Gegentheil. Aber sicher ist es, daß die Entwicklung in Europa auf die Annahme und Verwirklichung der Principien gerichtet sein muß, um zu richtigen Zielen zu gelangen, welche die amerikanische Union, begünstigt durch ihre Lage und Verhältnisse, begründet haben. Die Geschichte der Juden in Amerika bietet uns, sagten wir, nur einen heiteren, friedlichen Anblick. Freilich wird sie deshalb der aufregenden Scenen, des abenteuerlichen Wandels,

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