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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-02-13 · Heft 7 (13.2.1877) · p. Seite 105

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105 referirender Weise die Biographien Aller, welche irgend wie die poetische Literatur Deutschlands nach allen ihren Zweigen angebaut und vermehrt haben, sowie die Angaben ihrer dichterischen Schriften, ohne kritische Betrachtung und charakterisirenve Beurtheilung zusammenstellt. Wir haben uns die Mühe gegeben, das ganze Werk zu durchmustern, und es ergab sich daraus, welch' ein bedeutendes Contingent die Juden bereits zu dieser Walhalla der deutschen Dichter geliesert haben, wenn man dabei den kurzen Zeitraum erwägt, in welchem die Juden besähigt wurden, deutsche Dichtungen zu liefern. Allerdings führt das Lexikon von Christen und Juden Schriftsteller auf, deren poetische Leistungen ihnen kaum eine solche Stelle zu beanspruchen gestatten. Nicht überall bemerkt das Lexikon die jüdische Abstammung; auch fehlen einige namhafte, wie z. B. Steinheim, der Sänger des „Sinai", PH. Philippfon, der Berfasier der „Marannen", „des Unbekannten Rabbi" und „Veilchenjakob", Lepold Stein, Ludwig KosiarSki. Wir fanden da: Bertholv Auerbach, Carl Beck, Michael Beer, A. Bernstein, Ludwig Börne, Theodor Creizenach, Ludwig August Frankl, Ignaz Goldschmied (geb. 1784, epigram, jokose Kleinigkeiten 1843), Moritz Hartmann, Heinrich Heine, Isidor Heller, Seligmann Heller, Hermann Hersch, F. A. Hirsch, David Kalisch, Ludwig Kalisch, Siegfried Kapper. Salomon Kohn, Siegmund Kolisch, Leopold Kompert, Julius Koffarski, Ephraim Kuh, Emil Kuh, Eduard Kulke, Langenschwarz, Ludwig Leffer, A. Lewald, Fanny Lewald, Daniel Leßmann, Rudolph Löwenstein, Moses Mendelssohn, Joseph Mendelssohn, Salomon Mosenthal, Eduard Oettinger, Ludwig Philippson (mehrere Jrrthümer in der Biographie), Moritz Rappaport, Max Ring, Julius Rodenberg, Gotthold Salomon (Selima's Stunden der Weihe und Parabeln), Moritz Saphir, Siegmund Schlesinger (zwei dieses Namens, der eine 1811 zu Wien, der andere 1825 zu Preßburg geb.^, A. Silberstein, Heinrich Stieglitz, Ludwig Wihl, H. Zirndorf, Jonas Goldschmidt. Es ist jedoch leicht möglich, daß wir einige übersehen haben. (Forsetzung folgt.) 2£>ei/fcau^| 6iiöx&U/cßteu/. Deutschland. Breslau, 29. Januar. (Privatmitth.) In diesen Tagen wurde „Jahresbericht des jüdisch-theologischen Seminars" ausgegeben. Voran geht eine Abhandlung des Seminardirectors Herrn Ür. L. Lazarus: „Zur Charakteristik der talmudischen Ethik", auf welche Sie wohl zurückkommen und naher eingehen werden. Der Bericht hebt zuerst hervor, „daß trotz der gegenwärtig herrschenden Abnahme des theologischen Studiums die Frequenz des Seminars nicht absondern zugenommen hat." Es zahlte 34 ordentliche Hörer, von denen 8 in diesem Jahre eintraten, und unter welchen 2 Deutsche sind, 1 aus Breslau und 1 aus Kanitz, 3 sind aus Rußland, die anderen aus Ungarn und Mähren. Mannigfacher Gaben und Zuwendungen hatte sich die Anstalt auch in dem verflossenen Jahre zu erfreuen, und so können wir sie auch unter dem Directorate des Herrn Lazarus als im blühendem Zustande sich befindend ansehen. Breslau, 1. Februar. (Privatm.) Ferner (s. Nr. 6) sind für die Petition Zustimmungen eingelaufen von den Gemeinden in Gumbinnen, Marienwerder, Culm, Mülheim an der Ruhr, Beuthen (Oberschlesien), Tornowitz, Schwersenz, Schippenbeil, Strelno, Neumark i. Westpreußen , Ostrowo, Jutroschin, Constadt, Rinteln, Kostryn, Löwenberg, Hadamar (Pr. Nassau), Neumarkt in Schlesien. Groß-Strehlitz, Antonienhütte, Drossen, Königshütte, Lissa, Rosenberg (Oberschlesien). BvUN, 4. Februar. (Privatmitth.) Bei uns liefen ferner Zustimmungen zu der beabsichtigten Petition (s. Nr. ö. 6) ein von den Gemeinden zu Neuenkirche» (Reg.-Bez. Minden), Horstmar, Tholey. Brandenburg a. d. Havel, 30. Jan. (Privatmiitheil.) In der Stichwahl erhielt Hierselbst Stadtrath Hausmann, Candidat der Fortschrittspartei 5457 Stimmen, Stadtgerichtsrath Wilmanns, conservativ, 3344 Stimmen, so daß also Hausmann mit einer Mehrheit von 2113 Stimmen in den Reichstag für den Wahlkreis Westhavelland gewählt ist. In der Stadt Brandenburg allein erhielt Hausmann 900 Stimmen mehr als Wilmanns. Man kann sich leicht denken, weshalb wir an dieser Stelle diese Wahl hervorheben. Wilmanns ist der Verfasser des bekannten Pamphlets „Die goldene Internationale", welches an Gehässigkeit und Schmähungen gegen die Juden den Ultramontanen nichts übrig ließ. Wenn die Berliner Staatsanwaltschaft diese Schrift strafgerichtlich zu verfolgen verweigerte, so hat hier das gesammte Volk des Westhavellanves sein Berdict gesprochen, und zwar in einem Kreise, welcher so viele conservative Elemente umfaßt. Wir können dies mit Fug und Recht sagen, denn dieses Machwerk des Herrn Stadtgerichtsraths Wilmanns hat in den Wahldebatten eine ziemliche Rolle gespielt, wie namentlich ein längerer und energischer Aufsatz im „Brandenburger Anzeiger" vom 24. Januar erweist. Die jüdischen Glaubensgenossen in Brandenburg haben sich tapfer ihrer Haut gewehrt, und sich damit ein Verdienst auch für die Gesammthcit erworben. Auf die Wahl selbst vermochten sie keinen Einfluß zu üben: dazu ist ihre Anzahl im hiesigen Kreise allzu verschwindend klein. Aber sie erhoben die Stimme der Wahrheit und des Rechts und die Mehrheit der Wähler lieh dieser ihr Ohr. Es handelt sich in einem solchen Falle nicht allein um principielle Ansichten,

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