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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-06-20 · Heft 25 (20.6.1876) · p. Seite 407

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 25 (20.6.1876)
Date
1876-06-20
Page
Seite 407 (sequence 13)
Language
German
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407 lieblichen Nationalgeruch zu vermiffen. Bemerkenswerth bleibt es, daß Herr Kohl gerade Lei den Deutschen keinen Bolksgeruch herausbringt, und allein unter Liesen den Sachsen einen derartigen zuschreibt und zwar — wegen ihres „Blümchenkaffees", der ihre Hauser mit einem widerlichen Gerüche infizirt haben soll. O, guter Kohl! In keiner Zeit traten die Hypothesen mit mehr Sicherheit, man kann sagen, Anmaßung, auf, als in der unsrigen. Wer ihnen nicht sofort beistimmt und sie nicht beständig auf den Lippen trägt, oder wer gar wagt, einer alteren wohlbegrünvelen Meinung treu zu bleiben, wird für veraltet und unwiffend ausgefchrieen. Und doch sah man ebenfalls in keiner Periode solche hypothetische Ansichten, die bereits allgemein verbreitet und anerkannt waren, schneller wieder zusammenbrechen und verschwinden, als in der gegenwärtigen. Die Eintheilung der Urzeit des Menschengeschlechtes in die Stein- Bronce- und Eisenzeit war zu einem Dogma geworden, welchem sich Niemand unbestraft entziehen durfte. Neuestens ist nun durch Hoftmann u. A. zur Evidenz nachgewiesen, daß diese ganze dreizeitige Eintheilung Humbug war. In Gräbern der Steinzeit fanden sich auch Bronce und sogar Eisen, so daß die sog. Steinzeit auf die allersiühefte Kulturstufe zu beschränken und nur als solche zu bezeichne» ist, wo dem Menschen der Gebrauch jedes Metalls noch unbekannt war und er sich des Holzes, der Knochen nur der Steine zu Waffen und Gerärhschaften bediente. Was fernerhin die Broncezeit betrifft, so muß sie ganz aufgegeben werden, denn der Gebrauch des Eisens reicht bis in die ftühesten Perioden der Geschichte zurück. Die Bronce bestand immer nur neben dem Eisen; das Eisen ist nach dem Urtheile der bedeutendsten Metallurgen weit leichter herzustellen als Bronce, welche das Kupfer ausbringen, das Zinnschmelzen und die Kunst zu formen und zu genießen voraussetzt; ohne Stahl endlich können wir gegenwärtig Bronce gar nicht Hervorbringen (vgl. A. A. Z. vom 8. Marz). Man kann also nur zwei Perioden annehmen: die eine, in welcher der Gebrauch des Metalls noch nicht, die andere, in welcher er bekannt war. Es lauft also auf einem weiten Umwege wieder zu dem einfachen Wort der Schrift hinaus 1 Mos. 4, 22: „Und auch Zillah gebar den Tubal-Kajin, der hämmerte allerlei Werkzeug von Kupfer und Eisen", d. h. vorher verstand mau es nicht, Kupfer- und Eisen zu bearbeiten, und nunmehr war es erfunden, und zwar die verschiedenen Metalle zugleich oder bald nacheinander. Diese Ansicht bedarf aber keiner gelehrten Begründung, sondern sie liegt in der Natur der Sache. Bei dem Zusammenbruch der gedachten Hypothese sind viele und bedeutende Namen wiffenschafrlich compromittirt, auf welche die Laienwelt zu schwören sich geneigt gefühlt, und ist dies lehrreich auch für andere Tagesmeinungen. Treffende Antwort. Die Stadt Cincinnati gab neulich ein öffentliches Fest, wozu die Geistlichen aller Confefsionen eingeladen waren, unter Anderen der jüdische Prediger Dr. Lilienthal und der katholische Erzbischof. Für Dr. Lilienthal war koscheres Effen eigens bestellt. Der Erzbischof näherte sich nach beendigter Mahlzeit Dr. Lilienthal und sagte zu ihm: „Wann, Herr Doctor, werden wir das Vergnügen haben. Sie mit uns esien zu sehen?" — „Auf Ihrer Hochzeit", war die prompte und richtige Antwort des Doctors. Anzeigen. Cantor-V acanz. Die Stelle eines Cantors und geprüften Religionslehrers in unserer Gemeinde soll anderweitig besetzt werden. Das Gehalt beträgt 2100 bis 2400 Mark excl. Accidentiea. Nur Bewerber mit hinlänglicher musikalischer Bildung und wohlklingender Stimme wollen sich bald unter sofortiger Einreichung ihrer Zeugniffe und eines Curriculum vitae bei uns melden. Wünscheuswerth ist es, wenn Bewerber auch die Fähigkeit haben, den Schächter in Krankheitsfällen vertreten zu können. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde zu Liegnitz. Sfaht. Die hiesige Gemeinde wünscht möglichst gleich, längstens bis zum 1. August einen gua listeirten unv erheiratheten Ikelrgionslehrer u. Cantor anzustellen. Bei auskömmlichem Gehalt und freier Wohnung, können ansehnliche Atebeneinkünfte zugestchert werden. Jfloers am Hhein. Der Vorstand der israel. Gemeinde. Für ein Kurzwaarengeschäft en gros & en detail in Norddeutschland wird auf gleich oder später unter günst. Bedingungen ein Lehrling gesucht. Offerten unter Hl. 50 besorgt die Exp, d. Ztg. Lehrmädchen - Gesuch. Ein feineres Manufacturu. Confectionsgeschäft am Niederrhein sucht unter günstigen Bedingungen ein Mädchen von ordentlicher Familie in die Lehre. Franco-Offerten K. 8. 4 besorgt die Expeb. d. Zeitung.

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