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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-06-20 · Heft 25 (20.6.1876) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 25 (20.6.1876)
Date
1876-06-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung -es Judmlhums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von J Oa nboetMBtHai ataaelMfn^ötm 1 ttenfee nrnnjich an Dr. t. r>hUi»»s«n in Rabbiner Dr. Ludwig Mivvsou in Bonn.! [ inöeipzig. Lnserolr, welche biS vonuer,- l», eingeben, finden isder darauffolge»- Berlag von Banmgärtner'S Buchhandlung in Leipzig. | **” gtuuuutI Bernüst-htign-s. B eilagen werden mit l Marl 50 P s. pro H «udert berechnet. .Diese Zeitung «scheint wöchartUch einmal in 2 bi« 2»/^ Bogen. Prei» BierteljLbriA 3 Mark. Ins«ate werde» mit 2« Pf. für Vir Petitzeile oder deren «an» berechnet. Alle Buchhandlungen. Postämter und Leitung«»Expeditionen 40. Jahrgang. Leipzig, den 20. Juni 1876. J\? 25. Inhalt. Leitende Artikel: Madstone und das Judenthum. — Literarischer Wochenbericht: Bonn. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hannover, Warmbrunn, Berlin, Biichofsheim (Baden», Laucnburg (Pommern», Homburg vd. H., AuS Württemberg, Aus dem Posen'schen — Oesterreich-Uuz arn: Aus Galizien. — Frankreich: Paris. — Türkei: Konstantinopel. — Großbritannien: London. — Italien: Aus Oberitalicn. — Rußland: Petersburg. — Amerika: New-Zork. — Feuilleton: Basedow's Pbilanthropin und Moses Mendelssohn. — Vermischtes. jCelfcettSe CLxh&Ä. Bonn, 14. Juni. Gladstone und das Äudenthnm. Die „Kölnische Zeitung" brachte am 31. Mai einen besonderen Bericht aus London „Gladstone über Las religiöse Denken". Das Junihest der Contemporary Review enthalt nämlich eine Abhandlung von W. E. Gladstone: ..The Cnurses of Religious Thougln“, (fcie Richtungen des religiösen Denkens», und aus dieser bringt der erwähnte Bericht einen längeren Auszug. Gladstone, der ehemalige englische Premierminister von Der liberalen Seite, verdient und anerkannt als ein ausgezeichneter Staatsmann, hat seit einiger Zeit mit Vorliebe auch theologische Fragen behandelt. So schrieb er gegen David Friedrich Strauß, so gegen das Vaticanum und den Ultramontanismus, letzteres mit Ersolg. Ein so gewiegter Politiker, wenn er sich in einer Tagessrage hören läßt, welche die öffentliche Meinung in Spannung erhält, sei sie auch theologischer Natur, erregt stets die allgemeine Aufmerksamkeit. Ja, die Bedeutung seiner Aeußerungen wird nicht blos von dem Inhalte derselben abhängen, sondern noch mehr von der Wichtigkeit, die man dem Sprecher beilegt. Jedermann liest die Deductionen eines so hervorragenden Mannes, und zwar mit Sorgfalt, und diese allseitige Beachtung fordert von Neuem zur Berücksichtigung dessen auf, was er uns bietet. In dem Berichte der „K. Z." nun heißt es: „Für Die theistische Schule, zu welcher die in England sehr zahlreichen Unitarier und die „reformirten Juden" zählen, hat der Verfasser offenbar wenig Sympathie. Das Bestreben der „reformirten Juden", welche die „Civilifation" zu ihrem verheißenen Messias erheben wollen, halt er für einen unglücklichen Ausweg." Diese Worte erregten unsre Aufmerksamkeit noch mehr. Es ist in der jüngsten Zeit so oft und selbst in gehässiger Weise über „Reformjuden", „reformirte Juden" gesprochen worden, daß man schließlich der Sache etwas genauer auf den Grund gehen muß. Wir ließen uns deshalb jenes neueste Heft der auf dem Continente wenig verbreiteten Contemporary Review kommen, um die Worte Gladstone's selbst vor Augen zu haben und im Zusammenhänge begreifen zu können. Die Bedeutung Gladstone's jedoch fordert uns auf, von vornherein zu erklären, daß wir uns durch seine Abhandlung sehr getäuscht fanden. Sie entbehrt nicht allein jeder Originalität, jeder gründlichen Forschung, sondern geht nirgends über das gewöhnliche Geschwätz hinaus, und konnte eben so gut von jedem einfachen Lanvpfarrer, desien Blick nicht über seine kleine Welt hinüberreicht, geschrieben werden. Irgend welches freie Denken und umfassendes Wissen ist nicht vorhanden. Bei Lesung derselben erinnerten wir uns an Mr. Podsnap in „Our Mutual Friend“ von Dickens, welcher Alles, was ihm unbequem ist, mit einer Hanvschwenkung in das Nichts verweist. Es ist eben schlimm, wenn ein Politiker in einer mehr politischen als theologischen Frage einen Erfolg erlangt hat und sich nun getrieben fühlt, immer weiter in Theologie, ja selbst in Religionsphilosophie „zu machen" und ein, nach seinem Bedünken, absolutes Urrheil abzugeben. Er fällt damit zuletzt schmälich hinein, und mancher Politiker ist selbst als solcher hieran zu Grunde gegangen.

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