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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-08-28 · Heft 103 (28.8.1838) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 103 (28.8.1838)
Date
1838-08-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ii. Z-hrg.°g. Allgemeine No. m Zeitung des Zudcnthums. Ekn unparlheiisches Organ für alles jüdische Interesse.. (Mit ASmgl. Sächsischer allergnädigster Concession.) Leipzig, den 28. August 1838. ZeitungsnachrichLe«. München, 16. Aug. (Privatmitth.). Die k. Staatsregierung hatte die konfessionelle Trennung des Schullehrer- Seminars zu Kaiserslautern beantragt, und ihren Antrag der diesjährigen Landrathversammlung von der Pfalz zur Prüfung und Erwägung vorgelegt. Zn dem von Seiten des Landraths hierüber abgefaßten Protokolle liest man nun folgenden Beschluß: „So sehr der Landrath auch darauf bedacht ist, den Wünschen der k. Staatsregierung, welche die Jntereffen der öffentlichen Bildung und Erziehung betreffen, mit allen disponibel Mitteln allezeit bereitwillig entgegenzukommen, so glaubt er doch nach sorgfältiger und reiflicher Erwägung aller hier in Betracht kommenden Momente, vermöge seiner Stellung, welche ihm lediglich das Gemeinbeste der ganzen Pfalz im Auge zu behalten gebietet, auf das k. Regierungsrescript vom 25. v. M. hinsichtlich der konfessionellen Trennung des Schullehrerseminars, Folgendes in Vortrag bringen zu müffen: Der Landrath erkennt mit der tiefsten Verehrung die wohlwollenden Absichten, welche Sr. Majestät den König bewogen haben, die Trennung des Schullehrerseminars als eine der öffentlichen Bildung und Erziehung in der Pfalz förderliche Anordnung zu wollen. Der Landrath erachtet dem Bildungswerke deutscher Schullehrer solche Vorkehrungen nothwendig, daß die konfessionelle, kirchlich-religiöse Ausbildung erzielt und gesichert bleibe. Allein er glaubt auch nach seiner innersten Ueberzeugung, daß die Vortheile, welche man von der konfessionellen Trennung einer bereits seit zwanzig Jahren bestehenden Bildungsanstalt der Schullehrer für Erziehung und Unterricht erwartet, keineswegs der Art sind, daß sie nicht durch die gegenwärtige Einrichtung des gemeinschaftlichen Schullehrerseminärs erreicht werden könnten, ja vielmehr wirklich erreicht werden. — Gestern, den 15. d. M., wurden die irdischen Ueberreste des verstorbenen zweiten Vorstandes des israelitischen Frommen-Vereins, Herrn Israel Rothschild, zur Erde bestattet. — Da ist ein Biedermann, ein Ehrenmann gestorben, der unter allen, die ihn kannten und mit ihm in Berührung kamen, nicht Einen Feind hatte, weit er jedem wohlgeneigt, zugethan, gegen Jedermann zuvorkommend und höchst dienstfertig war. Unerschütterliches Vertrauen auf Gott, bei strengreligiösen Ansichten Toleranz im höchsten unglaublichen Grade, und Wohlthun, so viel, ja mehr als es seine Verhaltniffe gestatteten, das sind die Grundzüge seines Charakters, seines Lebens und Wirkens. Nur Einen, wenig bekannten Zug seiner anspruchslosen, im Stillen spendenden Wohlthatigkeit. Ein unbemittelter Mann bedurfte einer Summe Geldes und konnte dieselbe, trotz dem, daß er mehre seiner Bekannten darum ansprach, nicht erhalten. Rothschild erfuhr es, und bei dem Frühgottesdienste in der Synagoge am nächsten Tage legte er die geforderte Summe dem Manne, ohne daß er es bemerken konnte, auf seinen Gebetstuhl. Dieser betroffen, als er das daliegende Geld vorsindet, errath sogleich den Biedermann, und bringt ihm mit fester Weigerung dasselbe anzunehmen, das Geld zurück. Rothschild machte ihm nun das Anerbieten, es ihm als Darleihen bis zur selbstzubestimmenden Zurückbezahlung überlassen zu wollen. Dies geschah. Als nach einiger Zeit der unbemittelte Mann das Darlehn zurück brachte, nahm Rothschild nur die Halste zurück; die andere Hälfte, erwiderte er, da drüben! '— So liebevoll, so still und anspruchslos war sein ganzes Thun, und darum starb er auch betrauert von der 'ganzen Gemeinde, die ihn liebte. Am Grabe sprach der würdige Herr Rabbine, Hirsch Aub, Worte des Trostes und der Anerkennung. Möge ihm der Friede werden, den ec gehofft, die Ruhe, um die er gebeten, und die Seligkeit, die der einzige Wunsch seines Herzens war!! — Als nachträgliche Bemerkungen zu meiner im verflossenen Jahre Ihnen übermachten Schilderung der politischen Verhaltniffe unsrer Glaubensgenossen in Vaiern, mögen folgende Notizen über das Matrikelwesen in Unterfranken dienen: Ein junger Mann, der das Metzgerhandwerk nach Vorschrift erlernt, seine Lehr- und Wanderjahre gesetzmäßig vollendet hatte, wollte auf die Meisterschaft und die Niederlassung in seinem Geburtsorte O... Anspruch machen. Sein Gesuch wird ihm aus dem Grunde abgeschlagen, die Zahl der Metzgermeister wäre zu groß, als daß ein neuer noch ausgenommen werden könne. Und dies von der Ortsbehörde gefällte Urtheil wird von der Regierung von Mittelfranken bestätigt. Einige Zeit darnach kömmt ein christlicher Metzgergeselle um die Niedertaffung ein, und erhalt sie ohne weitere Verzögerung von der Ortsbehörde. Der jüdische Concurrent, kaum hievon in Kenntniß gesetzt, eilt nach Anspach, dem Sitze der Regierung, setzt dieselbe von dem Vorgefallnen in Kenntniß und erwirkt den Bescheid „falls sich die Sache angegebener Maßen verhielte, sollte die ertheilte Concession dem Letztem abgenommen, und dem erstern Bewerber zuertheilt werden. Als der Ortsrichter diesem Bescheide nachkam und dem Israeliten die Concession

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